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Wo ist das Messer?

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Von: Barbara Czernek

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Gießen/Wettenberg (bac). Der tödliche Ausgang eines Streites am Fuße der Burg Gleiberg wird derzeit vor dem Landgericht in Gießen verhandelt. Dabei muss die fünfte Strafkammer unter dem Vorsitz von Regine Enders-Kunze ermitteln, ob der 71 Jahre alte Angeklagte, ein pensionierter Polizeibeamter aus dem Vogelsberg, in Notwehr gehandelt oder ob er sich des Totschlags schuldig gemacht hat, wie es in der Anklageschrift steht.

Der Vorfall trug sich am Nachmittag des 29. August 2020 unterhalb der Burg zu. Beteiligt an dem Geschehen waren der Angeklagte und dessen Bekannter, die eine Drohne steigen ließen. Sie waren deshalb mit zwei Männern in Streit geraten, die sich dadurch belästigt fühlten. Letztlich eskalierte die Auseinandersetzung. Einer der beiden Männer wurde durch einen Messerstich des Angeklagten so schwer verletzt, dass er noch in der Nacht in der Klinik in Gießen verstarb.

Der Angeklagte erklärte, er habe aus einer Abwehrhaltung heraus gehandelt, weil er sich durch die Männer bedroht gefühlt hatte. Zudem sei ihm das spätere Opfer quasi ins Messer hineingelaufen. Am zweiten Prozesstag am gestrigen Donnerstag sollte nun der Bekannte des Angeklagten seine Sicht der Dinge schildern. Dies erwies sich jedoch als schwierig, da er sich bei Detailfragen häufig verhaspelte und mitunter auch seinen Aussagen, die er direkt nach der Tat bei der Polizei gemacht hatte, widersprach oder sie in Teilen korrigierte.

Nur beobacht und

nicht eingegriffen

Er habe lediglich das Geschehen beobachtet und nicht eingegriffen, sagte er nun vor Gericht. Auch habe er einiges nicht sehen können, da der Angeklagte direkt vor ihm gestanden und ihm die Sicht verdeckt habe.

Dem Messer, mit dem der tödliche Stich ausgeführt wurde, kommt derweil eine wichtige Bedeutung zu, es wurde trotz intensiver Suche bislang nicht gefunden. Der Angeklagte, der zwar sehr detailliert den Tathergang beschreiben konnte, sagte beim Prozessauftakt, er wisse nicht, wo es danach abgeblieben ist.

Sein Verteidiger übergab gestern ein baugleiches Messer dem Gericht, damit sich jeder ein Bild davon machen könne. Der Angeklagte hatte immer von einem Taschenmesser gesprochen. Das Messer, das gestern präsentiert wurde, war jedoch kein kleines Schweizer Offiziersmesser, sondern ein Klappmesser, das man mit beiden Händen öffnen muss.

Und noch ein anderer Fakt warf gestern Fragen auf. Der Angeklagte hatte seinen Bekannten nach der Tat weggeschickt und zunächst behauptete, er sei allein auf der Wiese gewesen. Diese Aussage konnte anhand der Handydaten schnell widerlegt und der Bekannte, der gestern als Zeuge aussagte ausfindig gemacht werden.

Das Gericht fragte ihn mehrmals, warum er einfach so weggegangen sei und ob er das Messer mitgenommen habe. Dieser antwortete, dass ihn die Situation komplett überfordert habe, dass er herzkrank sei und sich auf das Wort des ehemaligen Polizeibeamten verlassen habe. Dieser habe gesagt, es sei besser, wenn er verschwinde. Und nein, er habe das Messer definitiv nicht mitgenommen. Auch die Polizei hatte bei einer Hausdurchsuchung nichts gefunden. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

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