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Resozialisierung am Ball

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Von: red Redaktion

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Sie haben den jungen Mann mit offenen Armen empfangen: Christopher Mank (Sportübungsleiter der JVA, l.), Torben Uhl (Seniorenabteilung SG Melbach, 2.v.r.) und Michael Hochstein (Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der SG, r.). © pv

Wölfersheim/Rockenberg (pm). Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rockenberg ist in Berlin mit der Sepp-Herberger-Urkunde 2022 für den zweiten Platz im Bereich Resozialisierung geehrt worden. Großen Anteil daran haben auch die Fußballer der Spielgemeinschaft (SG) Melbach.

Nach 2020 ist dies bereits die zweite Auszeichnung mit diesem Preis für die JVA. Mit der Urkunde ist ein Geldpreis von insgesamt 7500 Euro verbunden. Die Hälfte geht nach Melbach. Die Auszeichnung wurde für die gelungene Integration eines jungen Strafgefangenen in den Fußballverein verliehen. Den Preis nahmen die JVA-Leiterin, Regierungsdirektorin Stephanie Schmid, und Michael Hochstein, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei der SG, gemeinsam entgegen.

»Dies ist eine Bestätigung und gleichzeitig ein großes Lob für allen Bediensteten, die sich tagtäglich für die Sicherheit der Bevölkerung und für die Resozialisierung der jungen Gefangenen engagieren«, lobte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Die Auszeichnung zeige deutlich, mit wie viel Herzblut die JVA-Bediensteten ihrer Aufgabe nachgingen. Ein besonderes Lob gelte auch den Verantwortlichen und Mitspielern aus Melbach, die sich weit über das übliche Maß hinaus für einen jungen Mann engagiert hätten und »ihm den Einstieg in die Gesellschaft erheblich erleichtert haben«.

Der junge Mann war im Juni 2021 aus der JVA entlassen worden. Bereits während der Haft hatte er sich als guter Fußballer erwiesen. Im Rahmen der Entlassungsvorbereitung hatte Christopher Mank, Sportübungsleiter in der JVA Rockenberg, angeregt, ihn in einem Fußballverein der Region zu vermitteln, um neben der ebenfalls im Rahmen der Entlassung bereits organisierten Berufstätigkeit eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu gewährleisten. So fing der junge Mann an, bei der SG Melbach regelmäßig zu trainieren und wurde schnell zum Stammspieler in der ersten Mannschaft. Begleitend zu seiner Integration in den Club kümmerte man sich von Vereinsseite um Unterstützung des Jugendlichen bei der Wohnungssuche und weiteren Fragen.

Entscheidender Therapiebaustein

Von dem Preisgeld erhält der junge Mann neue Fußballschuhe und Schienbeinschoner (von der JVA) und eine Trainingsausrüstung (Trainingsanzug, Shirt, Pullover von der SG). Das weitere Preisgeld fließt in die Fortentwicklung des Sportangebots.

»Sport ist ein entscheidender Baustein der Therapie im Justizvollzug. Die Inhaftierten lernen hierbei Dinge wie Rücksichtnahme oder Fairplay«, sagte Justizministerin Kühne-Hörmann. Damit sei Sport nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern auch ein Baustein in der Persönlichkeitsentwicklung.

»Obwohl der Sport eine zentrale Position im Vollzugsalltag einnimmt, ist er nicht leicht zu organisieren. Es müssen Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen und spezielle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das wird nur durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglicht, die sich oft besonders für den Sport einsetzen.«

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