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Störche in der Wetterau: Ein neuer Platz zum Brüten

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Von: Sophie Röder

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Trotz Regenwetter stellen Jörg Jakobi (Ovag), Michael Herzberger und David Fischer eine neue Nisthilfe für Störche auf. Mit dabei sind Walter Schmidt (Forstamt Nidda) und »Storchenvater« Udo Seum (HGON). © Nicole Merz

Um Störche zu unterstützen, wurden in der Wetterau in den letzten zehn Jahren rund 100 Nisthilfen aufgestellt. Da diese mit der Zeit kaputt gehen, hat das Forstamt Nidda zusammen mit der Ovag einen neuen Nistplatz errichtet.

Wölfersheim-Berstadt - Als erstes gräbt Ovag-Mitarbeiter Jörg Jakobi mit Hilfe eines großen Bohrers ein rund zwei Meter tiefes Loch ins Erdreich der Dorfwiesen von Berstadt. Anschließend führt er mit einem Kran einen zehn Meter langen Metallmast, auf dem eine große Runde Holzplatte angebracht ist, zu dem gebohrten Loch. Michael Herzberger und David Fischer stellen, unterstützt von Jakobi am Kran, den Mast in dieses hinein. Danach füllen sie die Ränder des Lochs mit Schotter auf. Keine Stunde später steht ein Mast für ein Storchennest. Das eigentliche Nest muss der Vogel natürlich noch bauen, doch die Holzplatte auf dem Mast soll dem Storch dabei eine gute Unterlage sein.

178 Strochenbrutpaare in der Wetterau

Der Bestand der Störche sei in den vergangenen Jahren in der Wetterau so gut gewachsen, dass keine zusätzlichen Nisthilfen aufgestellt würden, sagt Udo Seum, auch bekannt als »Storchenvater«. »Doch wenn ein Nest kaputt ist wie hier, dann stellen wir ein neues auf«, sagt Seum.

Er hat über viele Jahre stets im Frühjahr junge Störche beringt. Dies werde hier inzwischen nicht mehr gemacht. »Wir haben mehr Störche als Ringe«, sagt Seum und lacht. Im vergangenen Jahr habe es 178 Storchenbrutpaare allein im Wetteraukreis gegeben.

Neue Nisthlife für Störche im Wetteraukreis auf Metallmast

Während das alte Storchennest, von dem nur noch ein kleiner Stumpf zu sehen ist, auf einem Holzmast stand, ist der neue Mast aus Metall. Früher habe man nur Holzmasten aufgestellt und auf Metall verzichtet, um keinen Blitzeinschlag zu provozieren, sagt Walter Schmidt vom Forstamt Nidda. So ein Holzmast habe 12 bis 15 Jahre gehalten, dann seien sie oberflächlich abgefault gewesen. »Doch mit der Zeit lernt man dazu. Wir sind auf Metallmasten umgestiegen, sogenannte Holzersatzmasten, die die Ovag normalerweise für Stromleitungen verwendet.« Diese sollen wesentlich länger halten, bis zu 30 oder 40 Jahre. »Um das Risiko eines Blitzeinschlages zu reduzieren, gibt es einen Blitzableiter«, sagt Schmidt.

Früher habe man die Nisthilfen außerdem auf feuchte Flächen gestellt, doch auch davon sei man mit der Zeit abgekommen. Die Pflege des Nests und das Beringen der Störche sei auf nassem Grund immer sehr umständlich gewesen. Mit der Zeit sei es bei den Masten zudem zu einer Schieflage gekommen, erklärt Schmidt.

Wetteraukreis: »Störche sind bei uns nicht mehr bedroht«

Das neue Storchennest steht direkt am Wegesrand. Die Nähe zu Spaziergängern störe die Störche nicht. »Die Störche sind bei uns nicht mehr bedroht«, sagt Seum. »Wenn sie im Frühjahr zurückkommen, sagen sie sich ›hier ist ein idealer Lebensraum‹ und fangen an, ihr Nest zu bauen.« Dabei seien sie auch kreativ. So errichten Störche ihr Nest nicht nur auf den für sie aufgestellten Nisthilfen, sondern auch auf niedrigeren oder abgebrochenen Bäumen, Strommasten oder Häusern. »Wenn ein Storch seinen Platz gefunden hat, dauert es zwei, drei Tage bis das Nest fertig ist«, sagt Seum.

»Dem hier waren wir zu langsam«, ergänzt Schmidt und zeigt auf einen Baum in der Nähe. Dort hat ein Storch sein Nest bereits fertiggestellt - bevor der neue Mast stand. Doch die beiden sind sich einig, es werde nicht lange dauern, bis ein anderer Storch auf dem frisch aufgestellten Mast nistet.

Info über den Weißstorch

Weißstörche sind Zugvögel, die auf ihren Flugrouten weite Strecken zurücklegen. Den Winter haben die Störche früher in Afrika verbracht. Doch »so weit ziehen viele Störche nicht mehr«, sagt »Storchenvater« Udo Seum. »Sie fliegen nur noch kurze Strecken.« Viele verbrächten den Winter in Deutschland und flögen hier je nach Wetterlage umher.

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Nach weniger als einer Stunde steht der neue Storchenmast. © Nicole Merz

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