Feuer im Stellwerk

Brand bringt Bahn aus dem Takt

Zum Abenteuer-Trip wird seit Sonntagmittag die Fahrt mit der Bahn zwischen Gießen, Frankfurt und Hanau. Das neue Stellwerk in Friedberg ist ausgefallen. Warum es nicht schnell repariert werden kann, hat die Frankfurter Neue Presse inzwischen erfahren.

Entnervt greift der S-Bahn-Führer zum Telefon. „Wisst Ihr was Neues?“, fragt er bei seiner Leitstelle an. Um 13.35 Uhr ist er aus Frankfurt am Nieder-Wöllstädter Bahnhof eingetroffen und muss wegen der Störung von hier aus nach Frankfurt zurück. Nach Friedberg verkehren keine S-Bahnen mehr. Eigentlich solle er um 13.53 Uhr nach Süden losfahren, doch das darf er nicht. Fast eine halbe Stunde ist sein Ersatzfahrplan schon im Verzug, und dauernd fragen ihn Fahrgäste vorn am Zug durchs Fenster, wenn es endlich losgeht. Gleich. Vielleicht.

Eine junge blonde Frau blickt auf Bahnsteig 2 hektisch auf die Uhr. Spätestens um 15 Uhr müsse sie im Flughafen sein, erklärt sie dem Zugführer. Ob sie das noch schaffe? Vielleicht. Der nächste in der Schlange ist ein Herr mit Aktentasche. „Ich habe mich gleich von Bad Nauheim mit dem Auto nach Nieder-Wöllstadt bringen lassen“, erzählt er. Das sei sicherer, als auf die Ersatzbusse zu vertrauen, die zwischen Butzbach und Nieder-Wöllstadt jeden der stillgelegten Bahnhöfe ansteuern.

Seit Sonntag, 14.15 Uhr wurde aus dem geordneten Bahnbetrieb in Mittelhessen eine Art geordnetes Chaos. Nach Informationen der Frankfurter Neuen Presse entzündete wahrscheinlich ein Kurzschluss im Friedberger Bahn-Stellwerk einen Schaltschrank. Darin verschmorten 70 Platinen – und seitdem können im weiten Umkreis keine Weichen mehr gestellt werden. Die Bahn habe keine Reserve-Platinen auf Lager, hieß es in Bahn-Kreisen. Und dass es zum Glück noch nicht dazu gekommen sei, dass die Bahn ihren gesamten deutschen Schienenverkehr aus nur vier Stellwerken steuert.

Vom Stellwerk aus werden die Weichen gestellt. Früher machte man das per Hand. In Friedberg arbeitete seit 1948 ein bewährtes, teils mechanisches Stellwerk. Es wurde im Herbst 2015 von einer neuen elektronischen Anlage abgelöst, die am Knotenpunkt für die Zugsteuerung zwischen Friedberg, Nidderau und Wöllstadt zuständig ist. Und nun massive Probleme verursacht.

Der Ausfall hat große Auswirkungen. Die üblichen Fahrpläne gelten nicht mehr. Seit Montag gibt es zwischen Frankfurt und Gießen laut Bahn nur einmal pro Stunde Regionalexpresszüge, die zwischen Nieder Wöllstadt und Gießen auf allen Bahnhöfen halten, um gestrandete Fahrgäste aufzunehmen. Die Regionalbahnen aus Treysa enden und beginnen in Butzbach,

Sie sparen Friedberg und die Strecke südlich davon aus. Ebenso die Regionalbahnen aus Dillenburg; die enden und beginnen vorerst in Gießen. Statt ihrer verkehren zehn Pendelbusse zwischen Butzbach und Nieder Wöllstadt. Zwischen Friedberg und Friedrichsdorf verkehren weiter die Züge der Regionalbahn im Stundentakt. Doch in den Hauptverkehrszeiten entfallen die Verstärkerzüge, meldet die Bahn. Für den heutigen Dienstag gilt ein anderer Takt: Die Züge um 6.45 und 7.45 Uhr ab Friedrichsdorf entfallen, ebenso der um 7.16 Uhr von Friedberg nach Friedrichsdorf abfahrende Zug. Am Nachmittag werde in beiden Richtungen jeder zweite Zug entfallen und durch einen Pendelbus ersetzt, meldet die Hessische Landesbahn.

Zwischen Wölfersheim und Friedberg ist der Bahnverkehr ebenfalls unterbrochen. Ab Beienheim fahren Busse nach Friedberg. Von Friedberg nach Nidda werden Züge im Stundentakt eingesetzt, doch auch hier entfallen die zusätzlichen Züge in den Hauptverkehrszeiten. Und wer die tägliche Direktverbindung vom Frankfurter Hauptbahnhof um 18.45 nach Nidda nutzt, muss sich nach einer anderen Verbindung umsehen. Dieser Zug fällt bis zum Ende der Stellwerks-Störung aus

Bahn-Sprecherin Regina Marusczyk, kann am Montag keine Auskunft über die Gründe des Stellwerks-Ausfalls geben. Sie nimmt allerdings an, dass die Stellwerks-Störung noch bis Mittwoch dauern könne. Wer also rechtzeitig an sein Ziel kommen wolle, so heißt es, solle vorher auf den Apps und Infoseiten der Bahn und des Rhein-Main-Verkehrsverbundes nachschauen.

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