Wagenburg feiert dritten Geburtstag

Der Markt als Mittel gegen Einsamkeit

Marktmeister Norbert Schön sagt: Erst nach fünf Jahren wird ein Wochenmarkt zum Selbstläufer. Zum dritten Geburtstag des Marktes in Nieder-Wöllstadt erklärt er, worauf es ankommt und warum Wochenmärkte ein gutes Mittel gegen Einsamkeit sind.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts waren die Wochenmärkte fast ausgestorben. In der Wetterau blieb nur in Friedberg die Budenzeile an der Kaiserstraße eine wichtige wirtschaftliche und soziale Instanz. Dass nach dem Jahr 2000 in anderen Wetterauer Orten wieder Märkte stattfinden, ist auch Christina Schön aus Rosbach zu verdanken.

Die Landwirtin schlenderte damals mit ihrem Mann Norbert über den Friedberger Markt – und entdeckte dort ihre eigenen Mirabellen. Die hatte sie einem Händler günstig überlassen – und der brachte die Früchte mit gutem Verdienst an die Leute. So etwas könne man doch auch selbst machen, war der Gedanke von Christina Schön. Mit Unterstützung der Stadt Rosbach und der Agenda-Gruppe rief sie den Rosbacher Freitagsmarkt zwischen der Reichwein-Halle und dem Rewe-Markt ins Leben.

Der ist jetzt ein Selbstläufer und wird weitgehend von den Marktbeschickern selbst organisiert, berichtet Norbert Schön. Der ehemalige Bademeister verkauft dort mit seiner Gattin Christina Waffeln und Apfelwein. Und organisiert auch in Bad Vilbel, Florstadt und Wöllstadt Wochenmärkte.

In Nieder-Wöllstadt ist die Wagenburg der Bäcker, Metzger, Gemüse- und Feinkosthändler vor drei Jahren zum ersten Mal aufgefahren. Seitdem gibt es auf dem Parkplatz neben dem Bürgerhaus jeden Mittwoch zwischen 13 und 19 Uhr Lebensmittel aus der Region. Das Interesse war groß. Allerdings kamen im dritten Jahr weniger Besucher, und der Fischhändler und der Käsestand blieben ebenfalls weg. So ein Auf und Ab sei normal, meint Norbert Schön. Erst nach etwa fünf Jahren sei ein Wochenmarkt etabliert.

Bald werde man in Wöllstadt wieder

Fisch und Käse

kaufen können. Wichtig sei, dass man hier gemütlich sitzen und sich bei einem Kaffee, Apfelwein oder einem Glas Wein mit Bekannten unterhalten könne. In Wöllstadt treffen sich zum Beispiel die „Marktplatzgänse“ – eine Gruppe munterer Herren – an ihrem Steh-Stammtisch neben dem Verkaufswagen von Joachim Schnabel.

Der 41-jährige Kelterer und Hofladenbetreiber aus Nieder-Wöllstadt versorgt die Herren mit Gespritztem und Apfelsecco. „Ich mache das hier unheimlich gern“, sagt er. Die Monate mit dem besten Umsatz seien für ihn der September und Oktober, wenn der Süße reif ist. Um den Nutzwert des Wöllstädter Marktes zu verbessern, hat Marktmeister Schön einen weiteren Verpflegungsstand organisiert: Zusätzlich zum Imbiss von Gerd Kaiser aus Büdingen versorgt nun auch Familie Breidenbach aus Ober-Wöllstadt die Gäste mit warmem Essen. Ärgerlich findet Schön nur, dass durch Wöllstadt das Gerücht wabere, er wolle keine Infostände von Vereinen auf dem Wochenmarkt haben. „Das Gegenteil ist der Fall!“ bekräftigt der 69-Jährige. Schließlich würden die Vereine den Markt noch beliebter machen.

Was dort gerade los ist, kann man auf der Facebookseite „Regionaler Wochenmarkt Nieder-Wöllstadt“ nachlesen.

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