Die Frachtzentren der Zusteller sind völlig ausgelastet.
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Die Frachtzentren der Zusteller sind völlig ausgelastet.

Internethandel

Was wäre das Christkind ohne Helfer?

Kurz vor Weihnachten herrscht bei den Speditionen Hochbetrieb, damit die bestellten Päckchen und Pakete noch rechtzeitig ausgeliefert werden können. Auch an den lokalen Speditionen geht der alljährliche Trubel nicht spurlos vorüber.

Früh am Morgen geht es im Frachtzentrum eines großen Logistikunternehmens im Main-Kinzig-Kreis zu wie in einem Taubenschlag. Die Lastwagen rollen im Sekundentakt von dem Gelände. Darunter auch einer der Wöllstädter Spedition Sybille Vernieks-Best. Die zehn Lastwagen der Spedition fahren in Tag- und Nachtschichten, um die bestellte Ware rechtzeitig zuzustellen.

Die benötigten Kapazitäten sind nicht exakt planbar: „Natürlich gibt es ungefähre Schätzungen“, erzählt Disponent Timo Vernieks. Doch die Branche wandelt sich. „In der Vergangenheit hat sich die Weihnachtssaison über Oktober bis Dezember verteilt.“ Doch durch den anziehenden Internethandel würden die Leute immer kurzfristiger bestellen.

Ansturm zu Weihnachten

In Deutschland werden über acht Millionen Pakete am Tag verschickt. Allein in dem Briefzentrum der Deutschen Post in Frankfurt werden pro Werktag bis zu 4,5 Millionen Briefsendungen bearbeitet. „In der Zeit vor Weihnachten, die bei uns bereits in mehreren Wellen im Herbst beginnt, sind es noch deutlich mehr“, sagt Stefan Heß, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group.

Die Paketdienste fürchten, dass sie nicht alle Warensendungen vor Weihnachten ausliefern können. Auch der Branchenprimus Deutsche Post DHL rechnet mit einem Paket-Ansturm: „Wir erwarten für das Schlussquartal ein starkes Weihnachtsgeschäft“, gibt sich Vorstandschef Frank Appel zuversichtlich. Bundesweit bietet der Konzern über 10 000 befristete Jobs in Sortierzentren und Zustellung. Außerdem werden 12 000 zusätzliche Fahrzeuge benötigt. Konkurrent Hermes, eine Tochterfirma der Otto-Gruppe, taxiert den Zuwachs des Paketvolumens im Jahresendgeschäft auf 15 Prozent. „Wir erwarten ein Weihnachtsgeschäft, das die gesamte deutsche Logistikbranche vor eine Kraftprobe stellen wird“, sagt Dirk Rahn aus der Geschäftsführung.

Die rapide ansteigenden Internetbestellungen sorgen für volle Auslastung in den Frachtzentren. Die Paket- und Sortierzentren laufen auf Hochtouren und die Paketdienstleister haben viele Saisonhelfer eingestellt.

Zehn Prozent Wachstum

Doch der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet in diesem Jahr im Onlinehandel einen Zuwachs von zehn Prozent auf 48,7 Milliarden Euro. Das bildet die Grundlage für die hochschnellenden Umsätze bei den Paketlogistikern und den damit verbundenen Anstieg des Paketvolumens.

Der Versandhändler Amazon, der in einigen Städten selbst in der Zustellung aktiv ist, rüstet sich bundesweit mit 13 000 Saisonkräften fürs Weihnachtsgeschäft. Bei Hermes sind es rund 6000 Aushilfskräfte in Voll- oder Teilzeitarbeit.

Auch die Wöllstädter Spedition könnte noch mehr Pakete ausliefern, aber die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Hinzu kommen Krankheitsfälle. „Die bleiben in der Winterzeit bei dem häufigen Ein- und Aussteigen nicht aus“, weiß Vernieks. Er ist schon seit Jahren im Geschäft. Der Paket-Boom sei an sich schon enorm. „Aber so heftig wie in diesem Jahr war es bisher noch nicht.“ Nach Heiligabend flaue der Paket-Andrang dann wieder deutlich ab.

Doch der alljährliche Weihnachtsstress macht sich nicht nur in der Paket-Branche bemerkbar. Auch die Spedition Grillmayer aus Bad Vilbel, Logistiker in der Nahrungs- und Genussmittelbranche, spürt, dass die Feiertage nahen. „Dadurch, dass wir Lebensmittel fahren, haben wir viel zu tun“, erzählt Disponent Andreas Faber. Jetzt herrsche Hochkonjunktur. „Wir fahren durch.“ Vor allem auch zwischen den Jahren, wie Faber berichtet.

Der Grund: Die Leute kauften vor den Feiertagen viel mehr Lebensmittel. Deshalb müssten die Geschäfte insbesondere nach den Feiertagen wieder mit frischen Lebensmitteln beliefert werden. „Wir fahren auch noch am 30. Dezember“, erklärt Faber. Denn da steht schon wieder der nächste Feiertag vor der Tür: Neujahr. Momentan sind 19 Laster der Spedition Grillmayer unterwegs.

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