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Marcel Heller bietet eine besondere letzte Reise

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Von: Patrick Eickhoff

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Marcel Heller hat auch einen eigenen Abschiedsraum. »Die Angehörigen bekommen die Zeit, die sie brauchen, ohne vor der Tür einen wartenden Bestatter zu sehen«, sagt er. © Patrick Eickhoff

Abschied nehmen, Trauer verarbeiten, auf individuelle Wünsche eingehen. Marcel Heller hat sich vor kurzem als Bestatter in Wöllstadt selbständig gemacht. In seinem Portfolio stehen auch Motorradbestattungen.

Trauer, Wut, Angst. Wenn ein Angehöriger stirbt, dann ist in vielen Familien nichts mehr wie zuvor. Ein Verlust schmerzt - auch wenn es nicht immer so scheint. »Das Trauern ist ein Prozess«, sagt Marcel Heller

Der 28-Jährige hat sich vor etwas mehr als einem Monat als Bestatter in Wöllstadt selbstständig gemacht. In diesem Prozess bietet er Halt, denn: Wo für die einen die Verarbeitung beginnt, startet die Arbeit der Bestattungshäuser.

Die umfasst unter anderem Behördengänge, persönliche Beratung, Aufbewahrung und Abschiedsnahme, Durchführung und Betreuung von Trauerfeiern. »Wichtig ist mir, individuell auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen«, sagt Heller. »Da ist in den vergangenen Jahren ein Trend zu beobachten.« Mittlerweile spiele beispielsweise die Farbe schwarz nicht mehr die zentrale Rolle. Heller selbst sagt, er möchte »weg von grau, trist und dunkel«. Natürlich nur wenn das gewollt sei. »Auch auf einer Trauerfeier kann die Musik angepasst sein. Warum sollte dort nicht mal ein Rocklied laufen? Wenn der Verstorbene es sich so gewünscht hätte, ist das absolut in Ordnung.«

Eine letzte Fahrt durch die Wetterau

Um noch individueller zu sein hat Marcel Heller einen besonderen Partner an seiner Seite. »Ich biete Motorradbestattungen an«, sagt er. »Für eine würdevolle letzte Fahrt.« Das Prinzip ist einfach. »Wer ein Motorradfan oder begeisterter Biker war, kann seine letzte Fahrt mit einem Motorrad im Beiwagen zurücklegen. Die Urne oder der Sarg sind hinter Kunststoffglas gesichert und gut sichtbar.«

So könne eine Freundesgruppe noch ein letztes Mal gemeinsam eine Tour durch die Wetterau oder den Vogelsberg fahren. »Ich finde das ist eine wirklich schöne Idee für eine letzte Reise.«

Das Thema Tod möchte Heller gerne »enttabuisieren«. Es gehe darum Transparenz zu zeigen. »Ich glaube, es ist wichtig über das Thema zu sprechen und nicht so zu tun, als betrifft einen das nicht.« Deshalb plant er in seinem Büro in Wöllstadt auch eine kleine Eröffnung. »Wenn im Sommer die Coronazahlen besser sind.« Geplant ist außerdem auch eine Art Trauerkurs anzubieten. »Den Tod und Verlust gemeinsam verarbeiten kann helfen«, sagt er. »Ich bin derzeit in der Planung. »

Langfristig möchte der 28-Jährige, der sein erstes Praktikum bei einem Bestatter mit 14 Jahren absolviert hat, selbst auch als Ausbilder tätig werden. »Momentan steht viel an, aber wenn sich erstmal alles beruhigt hat, dann ist das definitiv der Plan.«

Wunsch nach Individualität

Der Beruf sei vielfältig. »Es ist weitaus mehr als nur eine Trauerfeier zu planen.« Heller möchte auch nach dem ganzen Prozess der Verarbeitung noch für die Angehörigen da sein. »Ich habe es schon viele Jahre so gemacht, dass ich mich nach einiger Zeit nochmal bei den Angehörigen gemeldet habe. Ein Gespräch kann manchmal richtig helfen.« Diesen Weg will der 28-Jährige weitergehen. »Die Zeiten, dass alles so ablaufen muss wie es vor 50 Jahren war, sind vorbei. Dafür sind die Wünsche und Menschen einfach zu unterschiedlich. Ich finde, das sollte bei der letzten Reise auch berücksichtigt werden.«

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