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Worauf es in der Pflege ankommt - Expertin über Motivation, Können und den Nachwuchs

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Von: Christoph Agel

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Dass die Arbeit in der Pflege nicht nur in Krisensituationen wahrgenommen wird, ist ein Wunsch von Bettina-Pfaff-Degenkolb, die ihren Job als Pflegedirektorin in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik angetreten hat. SYMBOLFOTO: IMAGO/PHOTOTHEK/FOTO: KERCKHOFF-KLINIK GMBH © Red

Die Arbeit in der Pflege ist extrem wichtig. Im Hinblick auf den Tag der Pflege am 12. Mai hat die WZ die neue Pflegedirektorin der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, Bettina Pfaff-Degenkolb, interviewt.

Sie haben als Pflegekraft in ganz verschiedenen medizinischen Bereichen Erfahrungen gesammelt. Sind die Tätigkeiten ähnlich oder gibt es große Unterschiede?

Je nach Fachgebiet und Krankheitsbild gibt es sowohl für die Pflege, als auch für die Ärzt:innen unterschiedliche Anforderungen, Prozesse und Abläufe. Grundsätzlich stehen jedoch immer die Patient:innen im Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem ärztlichen Dienst und allen anderen Berufsgruppen sorgen wir für eine optimale hochqualitative Versorgung.

Welche Dinge sind bei der pflegerischen Versorgung der Patienten in der Kerckhoff-Klinik am wichtigsten?

Unsere Patienten sollen sich während ihres gesamten Aufenthaltes bestmöglich versorgt und willkommen fühlen. Neben der Professionalität kommt der Zuwendung eine ganz wesentliche Rolle zu.

Stichwort Personalmangel: Was glauben Sie, sollte man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten, damit sie weiter als Pflegekräfte arbeiten? Oder Menschen aus anderen Berufen, um sie für einen Wechsel in die Pflege zu begeistern?

Der Beruf der Pflegekräfte ist vielseitig, anspruchsvoll und sinnstiftend. Wie wichtig er ist, hat sich zuletzt während der Pandemie gezeigt. Krisenfestigkeit und die Arbeit im Team sowie gute Aufstiegschancen, wie z.B. durch Traineeprogramme und (Fach)-Weiterbildungen sind weitere Pluspunkte. Wertschätzung und Motivation seitens der Führung ist genauso wichtig wie verlässliche und gut geplante Dienstpläne. Es gilt, ein Wir-Gefühl zu schaffen, das sich auch in der täglichen Arbeit und im Miteinander widerspiegelt. Humor und gemeinsame Veranstaltungen sind ebenfalls wertvoll, um den Team-Spirit zu erhöhen. Es gilt außerdem, die Bedürfnisse der jungen und der älteren erfahrenen Kolleg:innen in Einklang zu bringen, voneinander zu lernen und miteinander zu arbeiten. Die Kerckhoff-Klinik bietet tariflich abgesicherte Vergütung, hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten, Weiterbildungsangebote und flexible Arbeitszeitmodelle. Zudem steht die Klinik für ein gutes Miteinander und Menschlichkeit sowie für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Pflege.

Glauben Sie, der Umgang mit Pflegekräften in der Pandemie hat viele Menschen davor zurückschrecken lassen, in die Pflege zu gehen, und viele bisherige Pflegekräfte zum Aufgeben veranlasst?

Die Pandemie hat die Bedeutung der Pflege mehr in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion gerückt. Bei aller zusätzlichen mentalen und körperlichen Belastung haben es die Mitarbeitenden gemeinsam geschafft, die neue Herausforderung zu meistern, und darauf können wir sehr stolz sein. Natürlich gab es bundesweit auch Pflegekräfte, für die die Belastung zu hoch war und die bedauerlicherweise aus dem Beruf ausgestiegen sind. Das ist aber auch schon vor Corona vorgekommen.

Wie lässt sich für den Pflege-Beruf werben?

Um zu zeigen, welche positiven Aspekte der Beruf der Pflege mit sich bringt, was die Mitarbeitenden antreibt und motiviert, haben Pflegekräfte aller Generationen des #TeamKerckhoff in 2021 die »Darum pflegen wir«-Kampagne ins Lebens gerufen. In diesem Jahr wird diese weitergeführt unter dem Motto »So pflegen wir«, um zu zeigen, wie anspruchsvoll dieser Beruf ist. Denn die unterschiedlichen Facetten des Pflegeberufs werden häufig nicht dargestellt. Pflege ist nicht nur Körperhygiene bei Patienten. Pflege ist auch High-Care, technisches Know-how und eine enorme Verantwortung.

Was wird an der Kerckhoff-Klinik noch getan, um die Vorzüge eines Jobs in der Pflege zu präsentieren?

Außerdem führen wir in diesem Sommer wieder unseren erfolgreichen Karrieretag durch, um die unterschiedlichen Abteilungen der Kerckhoff-Klinik vorzustellen und Berufsanfängern, Quereinsteigern sowie Personen, die sich mit dem Gedanken tragen, wieder in den Beruf zurückzukehren, oder aus anderen Gründen das #TeamKerckhoff verstärken möchten, berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Diese können sich dann in einer Art »Speed-Dating« bei uns vorstellen und die Kolleg:innen in lockerer Atmosphäre kennenlernen.

Wünschen Sie sich von Gesellschaft und Politik mehr Respekt vor den Leistungen in der Pflege?

Ja, das wünsche ich mir. Wir hoffen, dass dieser wertvolle Beruf nicht nur in Krisensituationen wahrgenommen wird, sondern dass er im gesellschaftlichen Bewusstsein immer einen hohen Stellenwert hat. Dass die Pflege mehr als systemrelevant ist, hat die Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Nun gilt es den Berufsstand weiter zu unterstützen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, lange und gesund in diesem sinnstiftenden Beruf verbleiben zu können.

Wie ist es um den Nachwuchs in der Pflege in Bad Nauheim bestellt? Wie bewerten Sie die Ausbildung und die Ausbildungszahlen an der Theodora-Konitzky-Akademie (TKA)?

Die TKA als theoretische Ausbildungsstätte startet jährlich 1-2 Kurse. Meist besuchen 20 Schüler:innen einen Kurs, wovon ca. 8-10 zur praktischen Ausbildung in die Kerckhoff-Klinik kommen. Der Großteil der Auszubildenden besteht die Abschlussprüfung, und ca. 5-6 Gesundheits- und Krankenpfleger:innen fangen in der Kerckhoff-Klinik auf ihrer Wunschstation an und beginnen ihre berufliche Laufbahn. Das ist ein sehr guter Wert, sowohl was die Ausbildungszahlen, als auch die Übernahme der fertig ausgebildeten Pflegekräfte betrifft.

Welche positiven oder auch negativen Erfahrungen mit Patient:innen und Angehörigen sind Ihnen aus Ihrem bisherigen Berufsleben besonders in Erinnerung geblieben?

Das Gefühl, in einem eingespielten professionellen Team auch schwierigste Situationen wie schwere Erkrankungen und Verluste von Patient:innen zu meistern und den Patient:innen sowie Angehörigen die Hilfestellung geben zu können, die jeweils benötigt wird, ist toll. Besonders schön ist es natürlich, wenn Patient:innen die Klinik gesund oder zumindest soweit hergestellt wieder verlassen, dass sie ihr alltägliches Leben wieder meistern können. Daraus schöpft man Kraft.

Zur Person

Diplom-Pflegewirtin Bettina Pfaff-Degenkolb ist neue Pflegedirektorin an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Zuvor arbeitete sie acht Jahre als Klinikpflegedienstleitung an einer Klinik im Rhein-Main-Gebiet. Zuvor sammelte die 56-Jährige einige Jahre Erfahrung als Mitarbeiterin in der Pflegedirektion. Nach der Ausbildung zur Tierarzthelferin hatte sich die gebürtige Rheinländerin umorientiert und ihre Pflegeausbildung in Nordrhein-Westfalen absolviert. Seitdem hat sich Pfaff-Degenkolb beruflich weiterentwickelt. Im Anschluss an ihren Abschluss zur Diplom-Pflegewirtin sammelte sie Erfahrungen als Pflegekraft auf den unterschiedlichsten Gebieten. Ob in der (Neuro-)Chirurgie, Urologie mit OP-Ambulanz, Unfallchirurgie, Kardiologie oder Onkologie in Bochum, Düsseldorf, Idstein oder Wiesbaden - durch jede Station konnte sie sich weiter qualifizieren.

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