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Zuschuss für den Bollerwagen

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Von: Jürgen Wagner

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Sie freuen sich über das Investitionsprogramm (v. l.): Mark Bansemer, Michelle Hahn und Melanie Wilde-Eckhardt im »Mini-Ferrarri« vor dem Kreishaus. Aber nicht alles ist in der Kindertagespflege eitel Sonnenschein. © Nicole Merz

Wetteraukreis (jw). Di e Wetterau geht voran«, verkündete Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) dieser Tage. Als erster hessischer Landkreis hat der Wetteraukreis ein Investitionsprogramm für Kindertagespflege aufgelegt; jährlich stehen 25 000 Euro bereit, um Bollerwagen, Kinderbetten oder Stühlchen anzuschaffen. »Super«, sagen die Betroffenen, befürchten aber einen Haken an der Sache.

Die Tagesmütter und -väter im Wetteraukreis hoffen, dass auch bestehende Angebote gefördert werden. Michelle Hahn (»Kleine Wichtel«, Butzbach) musste ihren Kinderhort umbauen. Laut Brandschutzvorschriften war die Decke 2,5 Zentimeter zu niedrig. Hahn investierte 25 000 Euro und sagt, der Wetteraukreis habe ihr mündlich eine finanzielle Unterstützung zugesagt, mehrfach sogar. Als es soweit war und sie nachfragte, war der Fördertopf leer. »Ich habe bis heute kein Geld bekommen.« Die Landesförderung war zuvor ausgelaufen.

»Viele haben diese Betreuungsform nicht auf dem Schirm«, sagt Melanie Wilde-Eckhardt (»Kleine Strolche«, Bad Nauheim-Schwalheim). Mark Bansemer (»Kids Topfit« in Friedberg) erklärt: »Die Kindertagespflege ist ein gleichwertiges Angebot zur Betreuung in der Kita und bringt einige Vorteile mit sich.« Die Knirpse in der Kindertagespflege sind zwischen einem und drei Jahre alt, dann wechseln sie in die Kita. Was viele Eltern nicht wüssten: Auch Kinder unter einem Jahr werden aufgenommen. Der Betreuungsschlüssel ist niedrig: Auf fünf Kinder kommt ein Erwachsener. »So können sich die Kinder an Gruppen gewöhnen.«

Ein Problem gibt’s nur bei Krankheit

Wilde-Eckardt schildert ein weiteres Problem: »Bei uns ist mit drei Jahren Schluss.« Nicht selten komme es vor, dass Eltern vorher einen Anruf von einer Kita erhielten und ihnen ein Platz angeboten werde - obwohl das Kind noch keine drei Jahre alt ist. »Das verunsichert viele Eltern.« Und wirft die eigene Finanzplanung über den Haufen. Auch Michelle Hahn rät dazu, Eltern nicht unter Druck zu setzen und den Kinder die nötige Zeit zur Entwicklung zu geben.

Viele Eltern würden sich bewusst für die Kindertagespflege entscheiden, sagt Wilde-Eckhardt. Das Angebot sei flexibler als in den Kitas, für berufstätige Eltern sei das wichtig. Problematisch wird, wenn die Tagesmutter krank wird. Aktuell gebe es in der Wetterau nur bei Langzeitausfällen eine Vertretung, sagt Wilde-Eckhardt.

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