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Zwei Schauspieler, 15 Rollen: Florstädter mit »Operettenfrosch« ausgezeichnet

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Von: Sabine Bornemann

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Spiel mit den Rollenklischees: Christine Rothacker und André Haedicke wechseln mühelos Geschlecht, Alter, Stimme und Dialekt. Dafür haben sie jetzt den »Operettenfrosch«, einen Preis des Bayerischen Rundfunks, bekommen. FOTO: NICOLE BÖHM © pv

Zwei Schauspieler - 15 Rollen. Daraus wird eine opulente Operette, wenn der Florstädter André Haedicke zusammen mit seiner Kollegin Christine Rothacker auf der Bühne steht. Dafür gab es den »Operettenfrosch« des Bayerischen Rundfunks.

Eine Operette mit 15 Rollen, und nur zwei Schauspieler stehen zur Verfügung. Das scheint nahezu unmöglich. Der Florstädter André Haedicke kann das, zusammen mit seiner Kollegin Christine Rothacker aus der Nähe von München und Intendant Jörg Mohr aus Schwetzingen.

Die drei haben die Operette »Eine Frau, die weiß, was sie will« von Oscar Strauss so umgearbeitet, dass zwei Schauspieler alle Rollen singen und spielen können. »Verblüffend, innovativ und mitreißend«, fand die Klassik-Redaktion des Bayerischen Rundfunks und hat dem Ensemble mit Wetterauer Beteiligung den begehrten »Operettenfrosch« verliehen.

»Undotiert zwar, aber eine große Ehre«, wie Haedicke sagt. Denn normalerweise würden nur »große« Produktionen in großen Häusern diese Auszeichnung bekommen.

BR-Klassik lobt den »großen Operettenmut in besonders schwierigen Theaterzeiten«. Diese schwierigen Zeiten kennt Haedicke aus dem Corona-Lockdown. Aus den besonderen Umständen ist Haedickes neue Firma »Wir machen Theater« mit Sitz in Florstadt entstanden, und nur so wurde diese besondere Opern-Inszenierung überhaupt möglich.

Nicht tatenlos im Lockdown verharrt

Haedicke und Kollegin Rothacker wollten nicht »tatenlos« im Lockdown verharren, haben allerlei eigene Projekte entwickelt und weiter vorangetrieben: Er seine erste Solo-Produktion »Dick im Geschäft«, sie entwickelte Kabarettformate.

Warum nicht einfach alles zusammen machen? »Toll und nicht teuer«, war die Idee dahinter. Sie haben also Talente und Kontakte gebündelt und »Wir machen Theater« gegründet. Rothacker kannte Intendant Mohr.

Er leitet das kleine »Theater am Puls« in Schwetzingen und hat die Operette für zwei Personen »umgeschrieben«. Ein Konzept, das Barrie Kosky mit demselben Stück zwar bereits 2015 an der Komischen Oper in Berlin realisiert hat.

Anders als an der Komischen Oper stehen Haedicke und Rothacker weder ein Orchester vor der Bühne noch Ankleiderinnen hinter den Kulissen zur Verfügung. Beide stehen also zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne, ziehen sich auch dort um und machen auch sonst alles selber.

»Es ist eine wahre Kostümschlacht, man sieht den Spaß und den Wahnsinn auf der Bühne«, sagt Haedicke. Das alles hat das Team vom BR-Klassik und der Sendung »Operetten-Boulevard« überzeugt, der Produktion den »Operettenfrosch« zu verleihen.

Heimat Wetterau bleibt wichtig

Seine Heimat Wetterau ist und bleibt Haedicke wichtig. »Das Bühnenbild lagert aktuell in meinem Keller in Florstadt«, lacht der Sänger. Dort ist er kürzlich mit seinem Ehemann hingezogen. »Unsere Firma sollte in der Wetterau sein, fast in der Mitte von Deutschland«, erklärt er.

So habe man deutschlandweit recht ähnliche Fahrtwege. Theater kostengünstig auf unterschiedliche Bühnen zu bringen, ist nämlich das Ziel von »Wir machen Theater«. Dazu bieten Haedicke und Rothacker ein Portfolio an, mit möglichen Einführungen zu den Stücken, Publikumsgesprächen oder theaterpädagogischer Arbeit. »Vernetzung ist hier das Stichwort«, meint Haedicke.

Die Aufmerksamkeit durch den Preis in der Szene möchte Haedicke nutzen. Aktuell steht er als Bruder Tuck in »Robin Hood« in Fulda auf der Bühne, plant für Herbst einen Auftritt im Alten Hallenbad in Friedberg mit seinem ersten Solostück »Dick im Geschäft«.

Mit Erfolg nie gerechnet

Eigentlich dachte er, dass die Zwei-Personen-Operette einmal pro Monat an einem Theater in Deutschland aufgeführt werden kann. Jetzt sind es schon neun fest gebuchte Auftritte. »Unfassbar viel. Damit hätten wir nie gerechnet«, freut sich der Florstädter.

Genau diese Freude wird er im Winter mit in die Wetterau bringen. Dann ist die Operette Teil des Programms der Volksbühne Friedberg. Am 29. Dezember wird »Eine Frau, die weiß, was sie will« in der Stadthalle gezeigt.

Dann kann jeder sehen, wie es aussieht und klingt, wenn zwei Schauspieler 15 Rollen besetzen und mit wenigen Mitteln ganz viel Operette auf die Bühne bringen.

Weitere Infos gibt es online unter www.wir-machen-theater.de.

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