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Zweimal Jung und doch einmalig

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Von: Myriam Lenz

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Birgit und Helmut Jung aus Geiß-Nidda. © Myriam Lenz

Es sind einige Missverständnisse, die Birgit und Helmut Jung aus Nidda bereits aufklären mussten. Sie gibt es gleich zweimal: Ein Pärchen lebt in Wallernhausen, eines in Geiß-Nidda.

Die einen Birgit und Helmut Jungs leben in Wallernhausen, die anderen in Geiß-Nidda. Beide sind eigentlich unverwechselbar, und doch gibt es Gemeinsamkeiten.

Verwechselungen sind vorprogrammiert. Zumal beide denselben Hausarzt in Nidda und Hautarzt in Butzbach besuchen. Beispielsweise wenn die Mitarbeiter einer Praxis anrufen und sagen, dass sich der Termin verschieben werde. »Ich habe keinen Termin«. »Doch, steht hier drin«. Das geht so lange weiter, bis Helmut Jung, egal ob aus Wallernhausen oder aus Geiß-Nidda, das Geburtsjahr zur Hilfe nimmt. Helmut Jung, der Alt-Bürgermeister aus Geiß-Nidda, ist Jahrgang 39. Der ohne Schuhe aus Wallernhausen ist 54 in Thüringen geboren. Seit 2006 wohnen Jungs in Wallernhausen, damit begannen die Missverständnisse.

Wenn der Absender spanisch klingt

Birgit Jung aus Geiß-Nidda nennt bei einem Arztbesuch sofort ihr Geburtsdatum und erspart sich damit die Nachfragen. Das Paar angelte einmal einen Urlaubsgruß aus dem Briefkasten. Doch Name und Erzählungen der Freundin auf der Postkarte kamen ihnen spanisch vor. Kurzum: Die Karte wurde wieder zur Post gebracht. Missverständnisse gab es mit Eintrittskarten für die Therme. Oder die Post von einem Notar machte den Umweg über Geiß-Nidda, bevor sie im richtigen Briefkasten in Wallernhausen landete.

Als Helmut Jung aus Wallernhausen auf der Suche nach Sponsoren für eine Infotafel für die Dorfgemeinschaft beim Lumos-Kino nochmals nachhakte, erhielt der Mitarbeiter den Hinweis eines Kollegen, er solle sich mal beeilen, das sei doch schließlich der ehemalige Bürgermeister von Geiß-Nidda. War er nicht, aber in diesem Fall ging es schneller.

Was macht die beiden Paare unverwechselbar? Helmut Jung aus Wallernhausen, läuft von April bis Oktober barfuß durchs Dorf. Seniorinnen sorgten sich bereits und wollten Geld für ihn sammeln. Nein, der Elektroingenieur mag keine Schuhe. Dafür den Moment, wenn er samstags und sonntags seiner Frau den Kaffee ans Bett bringt. Sie liebt das, ebenso, dass er, sobald sie etwas auf dem Herzen hat, zuhört und alles stehen und liegen lässt. »Davon träumt jede Frau«, schwärmt sie mit ihrem nord-bayrischen Dialekt, während sie auf der Terrasse sitzen. Einmal hatte er ihr einen Liebesbrief in Steno geschrieben. Den musste eine Freundin entziffern.

Sie habe eine unverwüstliche gute Laune, sagt er. Meist könne er sie im Haus durch ihr stetes Summen orten. Er schätzt ihre Offenheit. Mit ihr könne er über alles reden, auch über Lokomotiven, Flugzeuge oder übers Nähen.

Eher zufällig sind sie in Wallernhausen gelandet, bringen sich hier aktiv ein, fühlen sich wohl. Und sagen von sich selbst, dass sie beide furchtbar albern seien.

Geiß-Nidda ist schon je der Dreh- und Angelpunkt für ihre Namensvetter. Helmut Jung kam mit 25 Jahren in die Politik, wollte im Ort nicht alles Sagen den Landwirten überlassen und für frischen Wind sorgen. Ein Jahr später wurde er ehrenamtlicher Bürgermeister des Dorfes, bevor der Ort wenig später in der Großgemeinde Nidda aufging, die er wesentlich mit vorbereitet hatte. Ehrgeizig sei er gewesen, als »narrisch« habe ihn mal Wilhelm Scheib bezeichnet. Weil er was bewegen wollte und als junger Hitzkopf erst lernen musste, dass sich manches durch Abwarten von selbst erledigt. Während er an den Stellschrauben der Politik justierte, kümmerte sich seine Frau Birgit um Kinder, Haus, Garten und vor allem um die Betreuung von Familienmitgliedern. Sie sei seine stärkste Kritikerin, sagt sie und hätte das Ohr immer ganz nah an den Bürgern gehabt, während ihre Augen freudig, fast herausfordernd aufblitzen. Er will relativieren, grinst, sie gibt nicht nach. Dann folgt der Konter: »Sie hat mich politisch nie begleitet.« Und es klingt wie ein amüsantes Feixen, wer denn nun das letzte Wort hat. Keine Frage, zu Hause konnte sich der Sozialdemokrat auf einiges gefasst machen. 55 Jahre sind sie verheiratet, viel durch Europa gereist und im Grunde seien es harmonische Jahre gewesen. Lebhaft waren diese Jahre bestimmt auch.

Vielleicht trifft man sich mal persönlich

Irgendwann hat Birgit Jung aus Geiß-Nidda einen Zeitungsausschnitt aus dem Kreis-Anzeiger ausgeschnitten, auf dem ein Bild mit dem Ehepaar Jung aus Wallernhausen veröffentlicht war. Für alle Fälle, falls man sich mal persönlich über den Weg laufen sollte. Auf jeden Fall werden sie über die fehlgeleiteten Briefe sicherlich mehr oder weniger in Kontakt bleiben.

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Birgit und Helmut Jung aus Wallernhausen. © Myriam Lenz

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