+
Mario Furlanello ist Küchenmeister, Metzgergeselle und Architekt. Er will den ?Bornheimer Ratskeller? mit den zwei Mitinhabern nachhaltig führen.

Tradition

Wiedereröffnung des Bornheimer Ratskellers im September

  • schließen

Die Sanierungsarbeiten dauerten fast zwei Jahre – nun wird das Traditionslokal „Bornheimer Ratskeller“ am 1. September seine Wiedereröffnung feiern. Letzte Arbeiten sind zwar noch im Gange – doch im prächtigen Biergarten wird seit Kurzem wieder ausgeschenkt.

Vor fast genau sechs Jahren, am 30. Juli 2012, zog es Mario Furlanello (43) zum Mittagessen in den „Bornheimer Ratskeller“: „Als ich dort ankam brachte die damalige Pächterin gerade Einrichtungsgegenstände vor die Tür und schloss ab. Es war ihr letzter Tag“, schildert er. „Ich wusste, dass es eine städtische Liegenschaft ist, nahm schon kurz darauf Kontakt zum Liegenschaftsamt auf. Ich wollte wissen, wie es weitergeht.“ Furlanello, ein waschechter Bernemer Bub, kannte das Traditionslokal schon seit seinen Kindertagen, er wuchs in der unmittelbaren Umgebung auf.

Heute betreibt er den „Bornheimer Ratskeller“ zusammen mit seinen Partnern, den Architekten Michael Kleinert und Jens Boderke. Architektonisches Wissen war auch dringend gefragt, denn nach der Schließung des Traditionslokals 2012 wurde sichtbar, dass die Bausubstanz und das Gelände umfangreich saniert werden müssen.

„Ein Konzept wurde erarbeitet, das in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt der Stadt umgesetzt wird, da der ,Bornheimer Ratskeller’ unter Denkmalschutz steht“, sagt Furlanello. Der Vater von drei Kindern ist selbst Architekt und studierte an der Technischen Universität in Darmstadt. „Wir haben das Lokal in Erbpacht erworben“, fügt er hinzu.

Die Bauarbeiten begannen im September 2016, als alle Genehmigungen vorlagen. Wie bei vielen größeren Projekten, habe es auch hier einige Rückschläge gegeben. Vor allem der Frost in den Wintermonaten habe die Bauherren vor Herausforderungen gestellt. Seit Kurzem ist der Biergarten des Lokals wieder geöffnet. 300 Plätze gibt es dort. An den hochgewachsenen, alten Kastanien hängen Kugellampen, die bei Dämmerung und in der Dunkelheit durch ihr Licht für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen. Bezaubernd ist vor allem aber auch der Blick durch die Fensterbögen des historischen Laubengangs, der den Biergarten umgrenzt und an dessen linker Seite ein Aussichtsturm steht.

Dieser ist zwar für Besucher nicht zugänglich, verweist aber auf die Anfangszeit des Lokals. „Dort oben ist ein Sandstein eingelassen, auf dem das Jahr 1871 steht“, sagt Furlanello und zeigt auf die Stelle. „Der Bornheimer Ratskeller war schon damals ein beliebtes Ausflugsziel“, weiß er. Noch sind die Baumaßnahmen nicht komplett abgeschlossen. „Es sind noch Kleinigkeiten. Kein Vergleich zu dem, was wir schon bewältigt haben.“

Offiziell wird der Ratskeller am Samstag, 1. September von 14 bis 18 Uhr mit einem Fest eröffnet. Bis dahin soll alles fertig sein, auch die Arbeiten im Haus. Im Erdgeschoss befindet sich das Restaurant, das Platz für 90 Gäste bietet. Die Einrichtung aus Naturholz verbindet Tradition und Moderne gekonnt miteinander. Die zum Gastraum offen gestaltete Küche ermöglicht es den Gästen, den Köchen bei der Zubereitung der Speisen zuzusehen. Im oberen Stockwerk gibt es einen kleinen und großen Festsaal.

Die Transparenz der Abläufe sichtbar zu machen, ist Furlanello wichtig, der selbst am Herd steht und so für Genuss sorgt. Er ist nämlich nicht nur Architekt, sondern auch Koch und Küchenmeister und legte vor zwei Jahren außerdem als Hessens bester Metzgergeselle seine Prüfung als externer Prüfling ab. Erfahrungen als Koch sammelte er drei Jahre lang unter anderem in Sterne-Restaurants in Berlin und Barcelona. „Das waren sehr gute Erfahrungen, durch die ich viel Wissen und Können sammeln konnte“, sagt er. Dass er sich zusätzlich noch für den Metzgergesellen entschieden habe, ermögliche ihm, Fleisch selbst zu verarbeiten. In einer eigens zu diesem Zweck eingerichteten Vorbereitungsküche entstehen unter anderem selbst gemachte Wurst und Bratwurst.

Seine Leidenschaft gilt seit jeher gutem Essen, hergestellt aus Lebensmitteln, die aus der Region stammen, und von denen er genau weiß, wie diese produziert werden. Dies gilt beispielsweise für den Apfelwein, der von der Kelterei Nöll aus Griesheim kommt. Gekocht wird außerdem saisonal. „Das Gute an der langen Zeit der Baumaßnahmen war, dass ich mich nach geeigneten Produzenten umschauen konnten“, sagt Furlanello. „Diese werden sich zum Eröffnungsfest mit ihren Produkten vorstellen.“ Einmal jährlich möchte er künftig zu einem Fest einladen und den Gästen die Möglichkeit geben zu erfahren, woher die Lebensmittel stammen, die im „Ratskeller“ auf die Teller kommen.

Öffnungszeiten

Der Biergarten im „Bornheimer Ratskeller“ in der Kettelerallee 72 hat derzeit mittwochs bis samstags von 17 bis 22 Uhr geöffnet, sonntags von 16 bis 22 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare