+
Vier der Helfer: Cornelia Wagner-Schletzke, David Dieschburg, Marion Weil-Döpel und Rainer Bolland sind meistens montags dabei, wenn im Garten neben dem Jugendhaus Goldstein-Schwanheim gearbeitet, aber auch viel gelacht wird.

Gartenparadies

Das „wilde Dreieck“ ist jetzt „Neuland“

  • schließen

Eine Gärtner-Initiative hat aus einem verwilderten Grundstück „Neuland“ geschaffen. Das Projekt am Jugendhaus Goldstein soll die Jugendlichen mit der Bewohnerschaft in Kontakt bringen – generationsübergreifend.

Aus dem „wilden Dreieck“ wurde „Neuland“: Das dreieckige Gelände neben dem Jugendhaus Goldstein-Schwanheim an der Straßburger Straße, das lange von Brombeeren überwuchert war, ist seit gut einem Jahr Schauplatz einer generationsübergreifenden Gärtner-Initiative. „Die erste Ernte haben wir eingeholt. Unser ,Neuland‘-Gemüse ist wirklich super lecker“, sagt David Dieschburg, Sozialpädagoge am Jugendhaus der Caritas, welches das Gelände den „Neuländern“ zur Verfügung stellt.

Die „Neuländer“, das sind freiwillige Gärtner, die dem lange ungenutzten Terrain eine neue Bestimmung geben. „Ganz früher war hier die Halfpipe des Jugendhauses“, sagt Marion Weil-Döpel, die eifrig bei der Initiative dabei ist. Jeden Montag von 13 bis 15.30 Uhr treffen sich die Gärtner, um Unkraut zu zupfen, Pflanzen in den Boden zu setzen oder etwas zu werkeln. „Wir recyceln sehr viel altes Material, etwa Baumstämme, Holzbalken oder auch Kies von einer Garage“, sagt Dieschburg. Deshalb sieht der Garten auch nicht durchgestylt aus, sondern hat den Charme einer natürlichen Wildnis. Und es ist bekanntlich viel Arbeit, bis ein Garten „ganz zufällig“ komponiert aussieht.

Die Idee zu dem Projekt hatte die Initiative „Schwanheim / Goldstein bewegt sich“. In den vergangenen zwölf Monaten hat ein bunt zusammengewürfelter Haufen mitgeholfen, aus dem „wilden Dreieck“ wirkliches „Neuland“ zu machen. Marion Weil-Döpel ist die Frau mit dem grünen Daumen; sie bearbeitet in Goldstein einen eigenen großen Garten. „Fünf oder sechs Leute sind immer da montags von eins bis halb vier“, sagt Weil-Döpel, Vorsitzende des Regionalrats Goldstein und früher Stadtverordnete der SPD im Römer. Wenn der Betrieb im Jugendhaus läuft – im Moment sind Sommerferien – bringen sich auch Jugendliche ein. „Das ist die Idee, die Jugendlichen mit der Bewohnerschaft in Kontakt zu bringen. Das ist eine multigenerative Fläche“, sagt Dieschburg, der vom Caritas-Jugendhaus mit dem Projekt betraut ist.

Vor Kurzem haben die Jugendlichen Vogelhäuschen gebaut, die noch aufgehängt werden müssen. Auch ein Insektenhotel soll noch entstehen. „Wir wollen hier viele Insekten herholen und auch Vögel“, sagt Weil-Döpel, der auch der ökologische Aspekt wichtig ist. Über der Wildblumenwiese brummt und summt es – der Erfolg ist sichtbar. Dazu gehört, dass in manchen Ecken auch mal Brennnesseln stehen bleiben dürfen.

Aber auch andere Sinne werden angesprochen. „Wir haben ein Grüne-Soße-Kräuterbeet“, sagt Weil-Döpel. Mitstreiterin Heidi Seichter hat mit den selbst angebauten Erzeugnissen schon Grie Soß’ fürs Jugendhaus angerührt. Die Kürbisse wachsen und gedeihen, in einem anderen Beet sitzen 56 Erdbeerpflanzen, die den „Neuländern“ gespendet wurden. Vor zwei Wochen wurde ein Boule-Platz angelegt, und eine Halfpipe, die früher im Heinrich-Kraft-Park in Fechenheim stand, wartet auf ihren Einbau – eine Kooperation mit der Stadt, wie Sozialpädagoge Dieschburg sagt. Auch ein Calisthenics-Gerät soll noch installiert werden – es ermöglicht Krafttraining allein mit dem eigenen Körpergewicht.

Trainieren kann man gerade in einem Garten auch anders: „Einer, der immer am Schaffen ist, ist der Rainer Bolland“, lobt Weil-Döpel einen älteren Herrn, der mit Arbeitsgerät bepackt an ihr vorbeiläuft. Der Rentner ist jeden Montag da, schuftet in der Sonne – und hat Spaß daran. Andere helfen an anderen Tagen: „Wir hatten die Firma Cisco hier, die haben etwa ein Beet angelegt an einem ihrer Social Days, hier, wo alles mit Brombeeren überwuchert war“, berichtet Dieschburg. An Social Days (Sozialtagen) engagieren sich Abteilungen oder ganze Firmen ehrenamtlich in freiwilliger Projektarbeit. Unterstützt werden die „Initiative Neuland“ auch von der Pfarrgemeinde St. Jakobus und Stephan Slachmuylders, dem Chef-Gärtner des Grünflächenamts im Frankfurter Westen. Ein Baum, der gefällt werden musste, weil er schon schräg stand, treibt aus seinem Stumpf wieder aus: ein schönes Sinnbild für das „Neuland“. Die Initiativler möchten noch Obstbäume pflanzen. Material- und Pflanzenspenden werden immer gerne angenommen, und wer mitmachen möchte, kommt einfach montags um 13 Uhr auf das Gelände neben dem Jugendhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare