56 Prozent der Bürger sind dagegen

Windrad-Debatte: Jetzt entscheidet der Gemeinderat

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Die Entscheidung, ob an der Grenze zu Kirberg fünf Windräder aufgestellt werden sollen, wird wohl in zwei Wochen gefällt. Im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat dem Bau schon einmal zugestimmt, jetzt steht dem ein Bürgervotum von 56 Prozent entgegen.

Wie geht es weiter mit den Plänen für Windräder in Kaltenholzhausen? Die Meinung der Bürger der Ortsgemeinde ist eindeutig: Knapp 56 Prozent haben sich in einer Bürgerbefragung im Auftrag der Ortsgemeinde Kaltenholzhausen dagegen ausgesprochen. Das letzte Wort hat jedoch der Gemeinderat, wie Ortsbürgermeisterin Roselinde Zimmermann gestern auf Anfrage dieser Zeitung erklärte.

Voraussichtlich in zwei Wochen wird sich der Rat erneut mit dem Thema befassen. Ob er allerdings sein Votum von 2017 korrigieren wird, hält Zimmermann für keineswegs ausgemacht. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr hatten die Volksvertreter mit elf zu zwei Stimmen eine überdeutliche Entscheidung gefällt – für den Bau von bis zu fünf Windrädern an der Grenze zum hessischen Kirberg. In der Nachbarkommune dürfen mit behördlicher Genehmigung bereits drei Windkraftanlagen errichtet werden. Da lag es aus Sicht der Ortsgemeinde Kaltenholzhausen nahe, auf rheinland-pfälzischer Seite den Weg für Windräder auf eigener Gemarkung freizumachen. Wenn auch mit einem anderen Projektierer als die Hessen, so Zimmermann. Zu dem möglichen Investor wollte sie nur so viel sagen: Er kommt aus der Pfalz.

Die Motive auf Seiten der Mehrheit des Ortsgemeinderats Kaltenholzhausen sind klar: „Fünf Windräder würden für unsere Gemeinde jährliche Einnahmen im sechsstelligen Bereich bedeuten“, sagt Roselinde Zimmermann. Geld, das die Ortsgemeinde angesichts angespannter Finanzen gut gebrauchen könnte. Um so enttäuschter ist die Ortsbürgermeisterin darüber, dass die Bürger ihres Dorfes den Windkraftplänen jetzt die Zustimmung versagten. Dennoch war es aus ihrer Sicht wichtig, dass die Gemeinde vor einer endgültigen Entscheidung das Votum der Bürger einholen ließ.

Eine Ursache für die mehrheitlich negative Meinung der Bürger sieht Zimmermann in „Fehlinformationen“ seitens Bürgerinitiative „Burgschwalbach ohne Windkraft“ (BOW). Diese haben auf Flugblättern ein völlig verzerrtes Bild der mit der Windkraft angeblich verbundenen Gefahren gezeichnet. So sei zwar richtig, dass Windräder beispielsweise Infraschall erzeugen, so Zimmermann. Nicht erwähnt habe die Bürgerinitiative allerdings, dass jeder Kühlschrank mehr Infraschall erzeuge.

Hahnstättens Verbandsbürgermeister Volker Satony (parteilos) hält es unterdessen für fraglich, ob die in Kaltenholzhausen vorgesehenen Windräder überhaupt genehmigungsfähig sind. Der Grund: Sie würden sich in einer nur drei Kilometer entfernten Sichtachse zur denkmalgeschützten Burg Schwalbach befinden, die derzeit mit einem Millionenaufwand saniert wird. In Rheinland-Pfalz gelte jedoch ein Mindestabstandsgebot von fünf Kilometern, so Satony.

Aus seiner Sicht verstoßen bereits die in Kirberg genehmigten Windräder gegen diese Denkmalschutzbestimmung. „Das hat die hessische Genehmigungsbehörde mit einem Federstrich einfach weggewischt“, sagt Satony.

Roselinde Zimmermann kann diese Argumentation allerdings nicht nachvollziehen. „Nur weil da eine Burg steht, kann man die Windräder nicht einfach verhindern.“ Wären die Menschen immer allen Bedenken gefolgt, gäbe es heute vermutlich nicht einmal elektrischen Strom. Mit Blick auf die aktuellen Proteste gegen die Braunkohle befürchtet die Ortschefin, dass in wenigen Jahren Windräder vor allem auf Flächen des Staatsforstes errichtet werden. Die kleinen Ortsgemeinden gingen in diesem Falle leer aus.

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