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Bei schönem, warmem Wetter sind die Biergärten, wie hier der Kronenhof in Bad Homburg, gut besucht. Foto: Jochen Reichwein

Gegen das Restaurantsterben

Wirte und Politiker wollen gemeinsam Probleme in der Gastronomie lösen

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Das klassische ländliche Gasthaus scheint vom Aussterben bedroht – jedenfalls sieht Gerhard Wolff vom Hotel- und Gaststättenverband Hochtaunus das Tal der Tränen bei den Schließungen durchaus noch nicht erreicht. Zahlreiche Genusstempel mussten in den vergangenen fünf Jahren schließen. Die Junge Union will nun gegensteuern.

Korrekte Zahlen sind nicht bekannt, aber laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband hatte Hessen 2002 noch 3000 Gaststätten, 2014 nur noch 1800. Und im Hochtaunus schätzt Gerhard Wolff als Dehoga-Geschäftsführer die aktuelle Zahl von Gastronomiebetrieben und Hotels auf rund 380. Auch hier ist die Zahl um etwa 30 Prozent zurückgegangen.

Und man muss nicht tief graben, um die Befürchtungen von Wolff zu teilen, dass gerade im ländlichen Raum die Betriebe weiter abnehmen. In den vergangenen fünf Jahren traf es prominente Häuser wie die Landsteiner Mühle im Weiltal, das Deutsche Haus in Eschbach, das beliebte Café Sachs in Treisberg, die Usa-Klause Wernborn und den Weilroder Felsenkeller.

Da wundert es nicht, dass sich auch die Politik inzwischen einmischt. Usingen etwa renovierte einen Altbau an prominenter Stelle und verpachtete ihn als Gasthof. Und die Junge Union will nun noch ganze andere Maßnahmen angehen. Mit JU-Landesvorsitzendem Sebastian Sommer an der Spitze gab’s nun ein Treffen mit dem Verband der hessischen Hotellerie und Gastronomie und ein Gespräch mit dem Wehrheimer Löwenherz-Chef Torben Emmerich.

Auflagen gestiegen

Und wo liegen die Probleme nun? Zuerst einmal, und dies bestätigte auch Wolff, sind die gesetzlichen Auflagen stark gestiegen und erhöhen die Verwaltungsarbeit. „Etwa die natürlich wichtige Kühlkette. Sie muss bis aufs kleinste dokumentiert werden. Das kann ein größerer Betrieb leisten, bei kleinen Familienbetrieben ist das Zeit, die an der Theke fehlt.“ Auflagen vom Gesundheitsamt oder der Brandschutz sind weitere Themen, die kleineren Gastronomien das Leben durchaus schwer werden können.

Ein ganz großes Thema ist auch die Nachfolgeregelung. Denn gerade bei Familienbetrieben beginnt die Suche nach einem Nachfolger oft spät – oder ist aufgrund der Lage des Hauses nicht von Erfolg gekrönt“, so Wolff.

Ein Problem, das im Winter kaum, im Sommer aber sehr stark die Betriebe belastet, sind die Lärmschutzauflagen. Nur ein einziger sich gestört fühlender Nachbar kann dem Biergarten schnell der Garaus machen. Ab 22 Uhr muss Ruhe herrschen – und da wird’s ja meist erst gemütlich.

Ein Thema, das die JU angehen möchte. „Wir können uns vorstellen, politisch aktiv zu werden, um eine Änderung zu erreichen, sagte Cornelius Linden, Kreisvorsitzender der Jungen Union Hochtaunus. Natürlich sei dies nicht flächendeckend möglich, aber es müsse Ausnahmeregelungen geben. Emmerich: „Oft haben Gastronomiebetriebe Probleme mit ihren Flächen im Außenbereich. Manche Nachbarn fühlen sich durch die Gäste gestört und erschweren Gastronomen das Geschäft.“ Gerade in den Sommermonaten kommen Betriebe wie der von Emmerich erst richtig in Schwung und verköstigen über den Tag verteilt zahlreiche Gäste.

Im Dialog Lösungen finden

Dass Lösungen gefunden werden müssen, hat man erkannt und das landesweite Konzept „Gasthaus trifft Rathaus“ ins Leben gerufen. Sinn ist, dass im lokalen Dialog mit allen Akteuren, Bürgermeistern, Vereinen und Gastronomen Lösungen gefunden und Zukunftskonzepte erarbeitet werden, um die Hauptprobleme der jeweiligen Region zu lösen.

Für Wolff sind aber auch die strikten Vorgaben der Arbeitszeitenregelung und die Forderungen der Gewerkschaft eine Art Nagel für manchen Gaststätten-Sarg. „Es muss einfach in kleinen Betrieben möglich sein, dass auch mal über zehn Stunden gearbeitet wird, etwa bei Familienfeiern. Wir wollen nicht die Arbeitszeit erhöhen, aber flexibler einsetzen können. Dazu gehört auch die Regel, dass 400-Euro-Kräfte ihr Geld bekommen, egal, ob sie auch die Stundenzahl erreicht haben.“

Doch Wolff will die Wirte selbst nicht aus der Haft entlassen. „Manche sind beratungsresistent. Regionale Speisekarten, Freundlichkeit, Service – alles Dinge, die ein Gast heute wie selbstverständlich erwartet und erwarten darf. Wer zur Tür hereinkommt, muss sich willkommen fühlen und einen lächelnden Wirt sehen.“ Gasthofbetreiber müssten einfach authentisch sein. Und in manchen Betrieben sei ein Eimer frische Farbe auch nicht fehl am Platz. Alles Probleme, deren sich die Junge Union nun annehmen will und lokal Lösungen sucht. „Wir müssen mit den Parteien und Verwaltungen sprechen, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Manche Auflage macht den Wirten das Leben schwer – die Stellplatz-Regelung zum Beispiel“, so Cornelius Linden.

Allerdings setzt sich die Diskussion auch im Jahr 2020 fort. Das zeigt der Streit um das Restaurant Löwenherz in Wehrheim.

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