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Wohin mit den Äpfeln? In die Presse

  • vonTatjana Seibt
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Die ersten Apfelkelterer gehen an diesem Wochenende an den Start. Und das vier Wochen früher als sonst. Für den Apfelsaft gut, für den Apfelwein hingegen sehen die Experten die frühe Ernte kritisch.

Im vergangenen Jahr fiel sie noch besonders schlecht aus, es gab im Usinger Land so gut wie keine Äpfel an den Bäumen. In diesem Jahr ist die Apfelernte hingegen erfreulicher – zumindest hängen die Bäume voller Früchte. Doch sobald der Blick nach unten an den Stamm wandert sieht es düster aus: Überall Fallobst, wohin man auch schaut.

„Das sind vor allem die faulen und wurmigen Äpfel die jetzt am Boden liegen“, weiß Experte Heiko Fischer aus Kronberg, der auch die Gemeinde Wehrheim mit ihren Streuobstwiesen berät.

Zwar hängt noch eine Vielzahl von Früchten an den Bäumen, so viel, dass die Äste partiell unter der Last sogar gebrochen sind, doch es sind nicht gerade die großen prallen Früchte, sondern viele kleine. Ein Vergleich liegt nahe: Am Finanzmarkt wäre das ein gutes Zeichen und der „Apfel-Aktienkurs“ theoretisch in einer Hochphase, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Bäume derzeit viele Äpfel fallen lassen. Und nun entsteht, wie beim Aktienmarkt auch, eine „Anlegerpanik“, die Kurse fallen ebenso wie die Äpfel und die Kelterer werfen die Presse an.

Hängen lassen lohnt sich

„Doch das ist wenigsten einen bis eineinhalb Monate zu früh“, sagt Peter Gwiasda von den Apfelweinfreunden Wehrheim. Heiko Fischer gibt ihm da durchaus recht. „Man sollte jetzt auf keinen Fall den Baum abernten“, betont er. Denn wirklich reif seien die Äpfel, „außer es handelt sich um frühe Sorten“, nicht.

Selbstverständlich hat das Obst in diesem Sommer jede Menge Sonne abbekommen, „aber es fehlte auch der Regen“, erklärt er. Das Wasser sei unbedingt notwendig, um die Mineralstoffe aus dem Boden in die Frucht zu transportieren. „Die Früchte sind zwar süß, im Geschmack aber insgesamt flach“, sagt er. In Panik ernten die Baumbesitzer derzeit zum großen Teil die Bäume ab. Auch die Früchte, die nicht von selbst fallen. Die Angst in vier Wochen nichts mehr ernten zu können, ist groß.

Die Gewinner der Süße und des Aromas, da sind sich Gwiasda und Fischer einig, seien diejenigen die jetzt Geduld am „Apfelaktienmarkt“ beweisen und ihre Früchte hängen lassen. „Der Baum wirft jetzt nur das ab, was er ohnehin nicht mehr gut versorgen kann“, sagt Fischer. „Das sind Äpfel dritter Wahl sozusagen“, ergänzt Gwiasda. Wurmig oder faul, so das Urteil über das Fallobst.

Wurmige würden sich zwar noch zu Saft pressen lassen, „die sind dann aber in erster Linie nur süß“, hat Fischer festgestellt. Den Öchsle Grad habe er bereits gemessen und festgestellt, dass dieser bei 58 liege. Ein Wert, der zwar insgesamt betrachtet sehr gut sei, für einen guten Apfelwein aber etwas zu hoch, für einen Apfelsaft hingegen fantastisch.

Regen wäre prima

An Zucker fehle es folglich nicht, wohl aber an den weiteren Inhaltsstoffen, die jeder Apfelsorte den unverkennbaren Geschmack verleihen. Um diese Stoffe in die Frucht zu transportieren sei es einfach zu trocken gewesen. „Wenn es jetzt noch mal über einen längeren Zeitraum regnet, dann könnte das aber noch was werden“, schätzte Fischer.

Der Startschuss fällt

Für die ersten Kelterer im Usinger Land geht’s jetzt am Wochenende los. „Es wäre doch schade, wenn die Leute die Äpfel alle auf den Kompost fahren müssen“, sagt Stefan Göldner von der Keltergemeinschaft aus Michelbach. Gemeinsam mit Markus Schindewolf hat er bereits die Presse im Hof in der Hubertusstraße 19 am vergangenen Wochenende in mühsamer Kleinarbeit aufgebaut. Morgen nimmt er in der Zeit von 11 bis 17 Uhr die Äpfel entgegen, die gegen Lohn an diesem Sonntag gekeltert werden. Früher als sonst. „Doch nachdem so viele Leute nicht mehr wissen, wohin mit ihren Äpfeln, wollen wir eine Alternative anbieten.“

Auch beim BUND in Neu-Anspach laufen am kommenden Wochenende bereits die ersten Erntearbeiten. Dazu trifft sich der BUND am Samstag, 1. September, um 11 Uhr im Westerfelder Garten (Obernhainer Weg). In der Privatkelterei Jannusch in Friedrichsthal geht’s dann am Wochenende des 8. und 9. September los, nach vorheriger Anmeldung.

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