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Gerade alte Bäume drohen unter der Last der vielen Äpfel fast zusammenzubrechen. Da hilft nur Abstützen ? wie bei diesem Exemplar im Hadamarer Ortsteil Steinbach.

Rekordernte

Wohin mit den ganzen Äpfeln?

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Rekordernten – und das so früh wie nie. Apfelbaumbesitzer wissen gar nicht, wohin mit den Früchten. Die lange Blütezeit und die vielen Sonnenstunden taten den Obstbäumen gut.

72 Gläser Marmelade, jede Menge perfekte Pfirsiche und rund zehn Zentner Äpfel. „So eine Obstschwemme hatten wir noch nie“, sagt Rita Langrock, die Vorsitzende des Dehrner Obst- und Gartenbauvereins. Und auch so früh wie noch nie – die Zwetschen zum Beispiel sind schon lange abgeerntet, zu Zwetschenkuchen verarbeitet und eingefroren – damit der Kuchen zum Kartoffelfest wie frisch schmeckt.

Armin Müller, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, spricht von einem „Rekordjahr“. Auch bei den Äpfeln. Davon gebe es in diesem Jahr so viele, dass Bäume unter der Last zusammenbrechen – und das gelte nicht nur für die alten, nicht so gut gepflegten. Viele Obstbauern müssten ihre Bäume unterstützen, und für alle andern Bäume gelte: So schnell wie möglich abernten. Und das können die Obstbauern schon lange: „Wir sind in der Vegetation vier Wochen zu früh“, sagt Armin Müller.

Beim Mais genauso wie beim Getreide oder eben dem Obst. Viele Äpfel seien schon lange reif und vom Baum gefallen. Allerdings seien viele einfach notreif, weil sie zwar die Sonnenstunden hatten, die ein Apfel zum Reifen braucht, aber zu wenig Wasser.

Dass ihre Apfelbäume nicht genug Wasser bekommen, hatten auch die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Dehrn befürchtet – und rechtzeitig angefangen zu wässern. Seit Anfang Juli seien die jungen Bäume auf dem Vereinsgelände gegossen worden, sagt Rita Langrock. Schon morgens um 6 Uhr habe sie den Schlauch gelegt, damit es den Bäumen, die noch keine tiefen Wurzeln haben, gut geht. Und es hat sich gelohnt: Die Äpfel sind reif, groß genug und aromatisch. Und so viele, dass der Verein gar nicht mehr weiß, wohin damit.

Ganz anders als im vergangenen Jahr – da konnte der Verein gar keine Äpfel ernten. Und Rita Langrock hat unterwegs überall Äpfel aufgeklaubt, damit sie die Dehrner Schulkinder im Oktober zum Mostmachen einladen kann.

Dieser Termin wird in diesem Jahr im September stattfinden müssen. „Im Oktober sind die Äpfel alle weg“, sagt Rita Langrock. Vor zwei Wochen habe sie schon den ersten Most aus dem Fallobst gemacht, sagt Rita Langrock. Natürlich werde sie auch Apfelwein keltern. „Aber man kann das ja alles gar nicht verarbeiten.“ Deshalb habe sie die Äpfel schon bei den Dehrner Familien angepriesen – mit mäßigem Erfolg. „Offenbar kaufen die Leute ihr Obst lieber im Supermarkt.“

Wenn sie einheimische Sorten wollen, vielleicht noch beim Obstbauern. Zum Beispiel beim Apfelrondell in Obertiefenbach. Auf rund 20 000 Quadratmetern baut Klaus Harms Äpfel an. Normalerweise macht er seinen Laden Mitte September auf, in diesem Jahr war es der 25. August. Immerhin vier Sorten gibt es schon zu kaufen. Über riesige Mengen Obst kann Klaus Harms sich nicht freuen.

Zwar hatten auch seine Bäume eine lange, ungestörte Blüte, aber da war eben auch die fatale Kombination aus Wühlmäusen und der Trockenheit. Weil einige Bäume nicht ganz so widerstandsfähig seien, hätten die Mäuse ein leichtes Spiel gehabt. Und weil der Sommer so trocken war, gab es auf seiner Plantage noch mehr Mäuse als sonst, denn Wühlmäuse lieben trockenen Boden. Trotzdem werde er rund 20 Tonnen Äpfel ernten können, sagt Klaus Harms.

Das ist wesentlich mehr als im vergangenen Jahr, wo der späte Frost so viele Blüten zerstört hatte. Auf die Apfelpreise werde sich der gute Ertrag nicht auswirken, sagt Klaus Harms. Die werden in seinem Laden genauso sein wie im vergangenen Jahr. „Dafür bleiben sie auch die ganze Saison stabil“, sagt Klaus Harms.

Was die Kunden mit seinen Äpfeln machen, kann Klaus Harms nicht sagen, vermutlich werden sie sie einfach essen, Qualität und Aroma seien gut. Und lagerfähig sind die Äpfel auch. Das sei der einzige Vorteil der langen Trockenheit, sagt Armin Müller: Dass die Bäume in diesem Jahr weder Mehltau noch andere Pilze haben. Denn die mögen Regenwetter.

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