Fußball-Geschichte

Wolfgang Ettig schreibt ein Buch über die ersten Kicker im Usinger Land

  • schließen

Über Uznamen hat er schon geschrieben, über Schwimmbäder und Kinos auch. Jetzt hat sich Wolfgang Ettig aus Treisberg eines Themas angenommen, das im Moment ganz besonders aktuell ist. Und: Er bittet die Leser dieser Zeitung um Unterstützung.

Jetzt also Fußball. Wolfgang Ettig arbeitet derzeit an einem neuen Buch, und diesmal soll es um den Sport mit dem runden Leder gehen. Es ist das fünfte Werk des Treisbergers, der schon über die Uznamen – also die Spitznamen – „Hinter der Hecke“ und „Vor der Höhe“ geschrieben hat, aber auch über den „Badespaß im Usinger Land“ und über „Kinos . . . Häuser der Träume“.

Klar, die am Sonntag zu Ende gehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland kam Ettig natürlich zupass. Auf die Idee, das Buch zu schreiben, ist er aber auch gekommen, als er bei der Recherche für einen Artikel über die „Frauen im Taunus“ zunächst auf das Frauenturnen in der ländlichen Region und in diesem Zuge auf ehemalige Fußballvereine stieß. „Das war der Türöffner“, erzählt der 63-Jährige, der Mitglied in vielen Heimat- und Geschichtsvereinen ist und in Treisberg das Ortsarchiv betreut.

Ende vergangenen Jahres war das, und seitdem recherchiert Ettig über zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Fußballvereine im Usinger Land. Er war im Kreisarchiv in Bad Homburg und im Usinger Stadtarchiv, er hat in Festschriften gelesen und in alten Zeitungsbänden geschmökert und dabei festgestellt, dass die Fußball-Berichterstattung damals nicht annähernd so umfangreich wie heute war. „Es gab ellenlange Artikel über Turner, aber der Fußball war einfach noch nicht so wichtig. Er wurde mit einer Meldung abgehandelt“, sagt Ettig und berichtet außerdem über Machtkämpfe zwischen der Turnerschaft und den Fußballern. „Die Turner waren dem neuen Sport gegenüber nicht aufgeschlossen, wurde hier der Ball doch mit Füßen getreten.“ Außerdem seien in den Anfängen meist nur Freundschaftsspiele ausgetragen worden. „Ernsthaft wurde es erst nach dem Krieg.“

Ettig hat trotzdem herausgefunden, dass es um 1908/1910 in Grävenwiesbach und Anspach losging mit dem Fußball. Damals wollten die ersten Männer hierzulande wie in England kicken. Sie kamen aus dem Turn- und Spielverein Grävenwiesbach und dem Turn- und Gesangverein Theodor Körner in Anspach. Und: „Sie waren sehr aufgeschlossen.“ Nach der Gleichschaltung der Vereine im Dritten Reich kam das Vereinsleben allerdings erst einmal zum Erliegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es dann explodiert, weshalb Ettig nur noch die fünf Jahre bis 1950 behandeln möchte. „Alles Weitere wäre nicht mehr zu erfassen“, sagt er.

Sein 120 Seiten starkes Buch soll bereits im September erscheinen und den Titel „Das runde Leder – Von der Gemeindewiese zum Sportplatz“ tragen. Zwar möchte Ettig auch die Entwicklung des Fußballs in Deutschland anreißen, ansonsten aber nur die Vereine und deren Werdegang im Usinger Land berücksichtigen. Allerdings ist die Aktenlage in den heimischen Vereinen dünn, weshalb der Heimatkundler darauf hofft, dass es Leser dieser Zeitung gibt, die ihn mit Dokumenten oder Bildern über alte Vereine unterstützen können – und vielleicht mit Pokalen, Wimpeln und Trikots.

Der Treisberger, in dessen Verlag sonst schwerpunktmäßig Bücher über die Kunst- und Kulturgeschichte Japans erscheinen, hofft dabei vor allem auf Informationen über die ehemaligen Fußballklubs „Osingia“ aus Usingen, „Wiesingia“ aus Grävenwiesbach und den „Verein Roter Sport“ aus Anspach, aber auch über die frühe Fußballzeit in den anderen Vereinen. Ettig, der auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Hochtaunuskreis ist, hofft auf Unterstützung: „Mitunter existiert ja noch Fotomaterial in privaten Alben, sonstige schriftliche Unterlagen oder mündliche Überlieferungen.“

Wer sein Wissen weitergeben möchte, erreicht Ettig per Mail an archiv@mein-treisberg.de oder unter der Telefonnummer (0 60 84) 95 98 99. Und: Er freut sich über jede noch so kleine Information. „Sie bildet einen Mosaikstein im Gesamtbild.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare