Aufklärung

Womit Rollstuhlfahrer im Alltag kämpfen

Der Schicksalsschlag kommt aus heiterem Himmel: Bei Baumfällarbeiten wird Forstwirt Jörg Holzem 1996 von einer Krone an Kopf, Schulter und Rücken getroffen. Er ist querschnittsgelähmt. Für den damals 24-Jährigen bedeutet der Unfall fortan ein „Leben im Rollstuhl“. Inzwischen ist das zum Projekt geworden – gestern an der Pestalozzischule.

Seit 2017 bietet der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV-RLP) für alle Schulen und interessierten Einrichtungen im Land dieses Projekt kostenfrei an, um Aufklärung über das Leben im Rollstuhl zu betreiben und aufzuzeigen, dass auch damit absolute Höchstleistungen im Sport und im Alltag möglich sind. Die Schule verfolgt noch einen anderen Zweck: Hemmschwellen abbauen.

„Es hat die Kinder verunsichert“, denkt Schulleiterin Ute Scherrer-Burkhardt an frühere Rollstuhlfahrer unter den Grundschülern zurück. Die Jungen und Mädchen konnten sich nicht vorstellen, wie es ist, die Beine nicht bewegen zu können. Jetzt sind es die Kinder des zweiten Jahrgangs, die nähere Bekanntschaft mit dem Thema machen, die lernen, welche Schwierigkeiten es im Alltag gibt und wie schwer Hindernisse zu überwinden sind. In diesem Alter nehmen sie Informationen besonders emotional für das spätere Leben auf, erklärt die Pädagogin die Auswahl.

Holzem zeigt ihnen, wie er ins umgebaute Auto steigt, erklärt, welche Anstrengungen beim An- und Auskleiden erforderlich sind. Er sagt ihnen, was es heißt, Rollstuhlfahrer zu sein, wie er aufpassen muss, sich mit den Vorderrädern nicht in einem Gullideckel festzufahren und wie er nach hinten gekippt über einen Kantenstein kommt. Das Projekt, so heißt es in den Informationen für Schulen und Universitäten, behandelt in Theorie und Praxis das Thema im Alltag, im Sport und in der Gesellschaft.

Im Rahmen der Sportentwicklung und Inklusion hat der Landkreis Mayen-Koblenz mit Sparkasse Koblenz, der RSG Koblenz und dem Behindertensportverband Rheinland-Pfalz das Projekt gegründet. Seit 2018 gibt es eine Kooperation mit dem Landessportbund. Jörg Holzem ist seit zwei Jahren dabei. Der ehemalige Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler und zweifache Paralympics-Teilnehmer ist verheiratet und Vater von zwei Kindern und in seiner Heimatgemeinde Arft (Eifel) Gemeinderat. Er erläutert die Problematik hautnah und sehr direkt. Ob Probefahrten, Ballspiele oder Erfahrungen im Sportrollstuhl, er mischt sich unter die Schüler, die bei allem Ernst ihren Spaß haben und sich um die fahrbaren Untersätze geradezu reißen. Vom Schulhof geht’s hinein in die Pausenhalle – spielerisch auf der Suche nach

Herausforderungen

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