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Albrecht Cromm setzt die Wünschelrute ein, um Wasser zu finden.

Wasseradern gesucht

Wünschelrutengänger Albrecht Cromm greift bei der Suche auch auf tierisches Verhalten zurück

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Im Sommer waren die Pflanzen auf der Suche nach Wasser, und auch der ein oder andere Gartenbesitzer hätte sich gerne noch einen Brunnen gebohrt. Wünschelrutengänger stellen in Aussicht, Wasseradern zu finden. Aberglaube oder Realität?

Der Sommer war lang, heiß und vor allem trocken. So trocken, dass an vielen Orten die Pflanzen eingegangen sind, Bäche nur wenig Wasser führten oder ganz trocken fielen. Aber gibt es überhaupt noch Wasser und wenn ja, wo? Das wollte die Taunus Zeitung von dem Baubiologen Albrecht Cromm wissen, der im Rahmen seiner Arbeit auch das ein oder andere Mal die Wünschelrute einsetzt, um Wasseradern zu finden.

„Tatsächlich lassen sich diese Wasseradern damit finden“, ist Cromm überzeugt. Wie es funktionieren soll, führt er dann auch sogleich vor.

Zur Auswahl stehen verschiedene Wünschelruten, die allesamt ein wenig an verbogene Kleiderbügel erinnern, zumindest die, die aus Messing bestehen. Andere wiederum haben zwar einen Messinganteil, sind darüber hinaus aber aus Kunststoff. Eine weitere ist aus Aluminium-Draht gebogen und mutet an wie das zweite Leben eines Schaumlöffels. „Es gibt auch welche aus Holz“, verrät er. Mit Blick auf die zwei zusammengeklebten Stricknadeln entsteht aber dann doch der Verdacht, endgültig im Bereich der Scharlatanerie angekommen zu sein. Zumal Cromm betont, dass „die Wasseradern technisch nicht messbar sind.“

Aber es gebe weitere Indikatoren, die den Wissenschaftler überzeugt haben: Tiere. „Hunde meiden Wasseradern oder auch Elektrofelder“, sagt Cromm, „Katzen hingegen suchen sie.“ Das sei ihm schon häufig aufgefallen.

Woran man diese Fähigkeit erkenne: Katzen suchten sich dort ihr Plätzchen, wo die Wasseradern flössen oder aber die Erde elektromagnetische Strahlen absondere. Wenn das ausgerechnet auf dem eigenen Kopfkissen sei, habe das weniger mit der Zuneigung der Katze als den Strahlen zu tun. Das merkten vor allem Menschen, die nachts nicht gut schlafen können.

Aber wie funktionieren Wünschelruten überhaupt? Cromm greift sich eine anschauliche Wünschelrute aus Messing aus seinem Sortiment und geht ein paar Schritte. Dabei hält er die Enden der Wünschelrute nur mit den Zeigefingern, die Arme einigermaßen dicht am Körper, „aber man darf nicht verkrampft oder verspannt sein“, erklärt er. Erst geschieht gar nichts, dann schlägt die Wünschelrute aus. Kein heftiges Zucken oder dergleichen, sondern erst langsam, dann sehr schnell dreht sich das Messinggeflecht zur Seite weg. Dort soll also eine Wasserader fließen, „und das Wasser kann bis zu mehreren Metern tief in der Erde sein“, behauptet Cromm. Auf diese Weise messbar sei allerdings nur fließendes Wasser, kein stehendes. Wer nun glaube, dass die Wünschelrute auf das Wasser reagiert, der irre. „Der Mensch reagiert mit seiner Körperspannung auf das Wasser. Die Rute ist nur der Anzeiger für die Veränderung, die wir fühlen.“ Dazu gebe es ein Kribbeln in den Fingerspitzen, sobald der Rutengänger die Wasserader erreicht, was vergleichbar mit dem Gefühl von minimalem Strom sei.

„Auf Wasseradern kann man gelegentlich auch bei Bäumen und ihrer Wuchsrichtung schließen“, erklärt Cromm. Arten wie die Haselnuss können mit Wasseradern recht gut umgehen, andere wiederum würden innerhalb einer Baumreihe komplett ihre Wuchsrichtung ändern. Auch das führt er auf Wasseradern zurück. Menschen, die einen Brunnen bohren wollen, setzten häufig ebenfalls einen Baubiologen ein, der sich mit Wünschelruten auskenne. Oder anders formuliert, der sensitiv genug sei, die veränderte Spannung wahrzunehmen. „Im Grunde genommen kann das eigentlich jeder, wenn er weiß, wie es geht.“

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