Frankfurt am Main, 23.06.2018, Stadtteil Fechenheim, Mainufer, Einbruchsdiebstahl beim Segelclub SC Undine: Motor-Klau-Bande treibt in Frankfurt ihr Unwesen.Hier Vorsitzender Philip Verplacke und Lena Laukhardt. (c) Foto: Rainer Rüffer
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Frankfurt am Main, 23.06.2018, Stadtteil Fechenheim, Mainufer, Einbruchsdiebstahl beim Segelclub SC Undine: Motor-Klau-Bande treibt in Frankfurt ihr Unwesen.Hier Vorsitzender Philip Verplacke und Lena Laukhardt. (c) Foto: Rainer Rüffer

Kriminalität

Yacht- und Schwimmklubs am Main schon mehrmals bestohlen

  • Andreas Haupt
    VonAndreas Haupt
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Zwei Mal in zwei Monaten schlugen Bootsmotoren-Diebe in Frankfurt zu. Schon zuvor hatte es eine kleine Serie in Kahl, östlich von Hanau, gegeben. Die Wasserpolizei geht davon aus, dass osteuropäische Banden den Main als Ziel ihrer Beutezüge wiederentdeckt haben. Zwei festgenommene Männer erhärte den Verdacht.

Philip Verplancke ist noch immer fassungslos: Fünf Außenbordmotoren von Motor- und Segelbooten ließen dreiste Diebe beim Segelclub Undine bei einem Einbruch mitgehen. „Sie haben sie einfach von den Booten abgeflechst, rissen Elektro- und Treibstoffschläuche und Steuerkabel einfach ab“, sagt der Schriftführer des Vereins. Bei einem Segelboot, das im Wasser lag, beschädigten sie dabei auch noch das Ruder. Rund 50 000 Euro Schaden ließen die Einbrecher auf dem Vereinsgelände am Fechenheimer Mainufer, nördlich der Carl-Ulrich-Brücke.

Dies ist nicht der erste Vorfall in diesem Jahr: Anfang Mai erbeuteten Langfinger in Niederrad beim Frankfurter Yachtclub mehrere Außenborder, einen auch nebenan beim Schwimm-Club Niederrad. Die Wasserschutzpolizei fürchtet nun, dass osteuropäische Banden, die in den vergangenen Jahren in Holland oder Frankreich auf Raubzug gingen, nun ins Rhein-Main-Gebiet zurückkehren könnten.

Beweise fehlen

Immerhin: Die Diebe vom Mai wurden gefasst – oder zumindest ihre Komplizen: Bei einer „anlassunabhängigen Kontrolle“ an der A5 bei Würzburg habe die Polizei in einem Lieferwagen die in Niederrad gestohlenen Motoren gefunden, wie Hans-Peter Schmidt erklärt. „Zwei Täter südosteuropäischer Herkunft“ wurden dabei festgenommen, sagt der Leiter der Ermittlungsgruppe der Wasserschutzpolizeistation Frankfurt. Zwar seien die Männer in Frankfurt verhört worden, saßen auch hier in Untersuchungshaft. Da die Beamten ihnen aber weder über ihr Navi noch über Handydaten nachweisen konnten, dass sie selbst in Niederrad waren, sei ihnen der Diebstahl selbst bislang nicht nachzuweisen, nur Hehlerei. Inzwischen sei daher wieder die Staatsanwaltschaft Würzburg für den Fall zuständig.

„Speziell Außenbordmotoren werden schon immer gestohlen, wenn auch in unserem Dienstbezirk weniger als in anderen“, sagt Schmidt. Vor einigen Jahren seien die Fallzahlen gestiegen, doch dann wandten sich die Täter offenbar Richtung Atlantik, nach Holland, Frankreich und bis nach Portugal, wo sie größere Motoren stahlen. „Das sind meist internationale Tätergruppen, die der internationalen Kriminalität zuzuordnen sind.“

Die Gruppen seien hierarchisch organisiert. „Durch unsere internationale Zusammenarbeit kennen wir die Strukturen ziemlich gut.“ Nun scheinen sie wieder einmal am Main aktiv zu sein. „Den ersten Fall hatten wir zu Beginn der Bootssaison mit einer Serie in Kahl.“ Der kleine Ort im Landkreis Aschaffenburg liegt nur wenige Kilometer südöstlich von Hanau.

„Bei uns werden immer wieder mal Motoren gestohlen, das ist nichts Neues“, sagt Jan Schäfer, Sportwart beim Frankfurter Yachtclub. Zum Wasser hin sei das Gelände offen, da sei der Zugang einfach. Alle ein, zwei Jahre komme so etwas vor, ergänzt Elmar Pfisterer, stellvertretender Vorsitzender des Schwimmclubs Niederrad. Der Verein rate seinen Mitgliedern daher, „nichts auf dem Boot zu lassen“. Die Motoren jedoch seien schwer, wiegen rund 50 Kilo, sagt Schäfer. „Die hängt man abends nicht mal so einfach ab und bringt sie in einen Schuppen.“ Zumal sie oft wie beim Trainerboot des Yachtclubs mit Gangschaltung und Lenkrad im Boot verbunden seien, was den Ausbau noch aufwendiger macht.

Ärgerlich für den Segelclub Undine war, dass der Diebstahl nur eine Woche vor der Deutschen Jugendmeisterschaft in Travemünde geschah. „Auch der Motor vom Trainerboot war weg. Und bei den Nachwuchsseglern muss es als Begleitboot immer mit auf dem Wasser sein, auch bei Wettbewerben“, sagt Verplancke. Zwar konnte der Verein sich ein Boot vom hessischen Seglerverband leihen, „dafür sind wir dem Verband sehr dankbar – aber auch das kostet natürlich zusätzliches Geld“.

Dass die Motoren zuvor von der Wasserschutzpolizei graviert worden seien, habe die Diebe nicht abgehalten, ärgert sich Verplancke. Regelmäßig bietet die hessische Wasserschutzpolizei derartige Aktionen an, je nach Nachfrage, erklärt Schmidt. Dass das die Diebe nicht abhalte, weiß auch er. Aber es helfe, gestohlene Motoren zu identifizieren und die Täter zu fassen. „Vom Werk her haben die Motoren meist nur Aufkleber, die leicht entfernt werden können. Bei einer Gravur ist das nicht so einfach.“

Häufige Einbrüche

Dabei sind Motorendiebstähle nicht der einzige Ärger, den die Vereine haben: Immer wieder steigen Unbekannte in die Vereinshäuser der Wassersportvereine in Niederrad ein, zerstörten dafür Zäune, Fenster, Türen. „Seit anderthalb Jahren haben wir damit Probleme“, sagt Schäfer. Im Spätsommer 2017 etwa hätten Diebe den neuen Zaun aufgerissen, und ein Fenster aufgerissen – für fünf leere Flaschen als Beute. „Bald darauf wurde die Eingangstür aufgebrochen. „Dabei lagern wir sowieso kein Geld im Vereinsheim, hier ist nichts zu holen.“ Die hinterlassenen Schäden zu reparieren, sei teuer.

Eine Yacht brannte am Freitagmorgen im Schiersteiner Hafen in Wiesbaden komplett nieder. Erst Stunden später konnte der Brand durch die Feuerwehr Wiesbaden gelöscht werden. Der Schaden ist enorm.

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