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Ein ganz besonderer Moment: Sonnenuntergang am Zacken. Der Aussichtspunkt ist der perfekte Ort für Ruhesuchende.

Wanderung

Auf dem Zacken fühlt man sich ein bisschen wie in den Alpen

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Einen der vielleicht schönsten, vor allem aber ruhigsten Aussichtspunkte in der Feldbergregion erreicht man nur zu Fuß. Der Zacken zwischen Niederreifenberg und Oberems ist unter Wanderern ein echter Geheimtipp. Wer von dem imposanten Schieferfelsen seinen Blick ins Teil schweifen lässt, fühlt sich wie mitten im Hochgebirge. Ein unvergleichliches Erlebnis sind hier die Sonnenuntergänge.

Der Zacken zwischen Niederreifenberg und Oberems reicht mit seinen 640 Metern nicht ganz an die vier höchsten Gipfel im Taunus, großer und kleiner Feldberg sowie Altkönig und Weilsberg, heran. Aber wer die Ruhe sucht, spektakuläre Aussichten und traumhafte Stimmungen mag, der ist hier goldrichtig. Obwohl die alpin anmutende Felsformation als Paradies unter Wanderern und Kletterern bekannt ist, schaffen auch weniger Durchtrainierte ohne große Anstrengung den Weg hierher.

Kein Zufall, sondern ein Termin mit Märchenerzählerin Walburga Kliem führt mich zum ersten Mal an diesen wunderschönen, fast schon geheimnisvollen Ort. Das letzte Stück führt abseits des offiziellen Wanderweges über einen schmalen Pfad. Weil der über Wurzeln und bemooste Steine führt, ist der Blick aus Sicherheitsgründen auf den Boden und die Füße gelenkt. Und nach der letzten kleinen Senke unter dem Blätterdach einer großen Eiche wird plötzlich der Fels sichtbar.

Wie ein großes Tier

, das unwillkürlich an irgendein verwunschenes Fabelwesen erinnert, sieht die Felswand aus. Dahinter geht es steil bergab, was man aber von hier aus noch nicht sehen kann.

Auf dem Felsrücken finden sich jede Menge sichere Sitzgelegenheiten. Sie erscheinen wie in den Stein gehauen und sind doch pure Natur. Sich hier einfach die Strahlen der Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, das fühlt sich an wie mitten im Hochgebirge. Man kann dieses kleine Fleckchen direkt unter dem Himmel ohne Übertreibung als ein kleines Stück Alpen im eher gemäßigten Taunus bezeichnen.

Während die Sonne gegen Abend ganz langsam Felder, Wald und Wiesen im Tal und vereinzelte Ortschaften in der Ferne in ein glutrotes Licht taucht, wünscht man sich die Fähigkeiten eines Caspar David Friedrich. Da nicht jeder ein so begnadeter Maler sein kann, besteht die Möglichkeit, stattdessen mit dem Fotoapparat die romantische Stimmung dieses Augenblicks einzufangen.

Im Gegenlicht ist das jedoch gar nicht so einfach. Mit der Kamera weniger frontal gegen den Horizont gehalten, erscheint das unterhalb liegende idyllische Emstal in verschiedenen Grün- und Gelbtöne. Die Sonne sinkt tiefer. Der vorher beinahe bleich wirkende Himmel erscheint jetzt auf einmal pastellig in zartem Hellblau. Viel Zeit ist nun nicht mehr. Doch die Aufnahmen, die jetzt entstehen, haben es wahrlich in sich.

Das sind nicht nur gigantische Schattenspiele mit den markanten Umrissen des Zacken. Ähnliche scherenschnittähnliche Wirkung haben auch die wellig gezackten Blätter der Eiche. Und dann lassen sich schließlich noch einige Mitwanderer als Models überreden. Die Haare von Sabine Schnell aus Bad Homburg scheinen regelrecht zu glühen, genauso wie die spärlichen Grashalme.

Und dann ist die Sonne verschwunden, und der besondere Zauber ist auf einmal vorbei, zumindest optisch. Das Licht reicht auf jeden Fall, um sicher den Rückweg zum Parkplatz zu finden. Die Bewohner des Waldes haben bald ihr Revier für sich. Die Vögel erheben noch ein letztes Mal an diesem Tag ihre Stimmen. Buchfink und Meise sind zu hören, der unverkennbar kreischende Eichelhäher und der krächzende Rabe. Dann wird es immer stiller, und für die Zweibeiner ist es allmählich Zeit, den Wald zu verlassen. Jetzt erst kommen auch die letzten Naturliebhaber, die eine ausgedehnte Wanderung um den Zacken gemacht haben, zurück.

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