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Alicia Arnold (Mitte) macht ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe und betreut auch Emilie (links) und Vincent.

Freiwilliges Soziales Jahr

Zahlreiche Organisationen suchen noch engagierte junge Menschen

Arbeit mit Kindern, Älteren und Menschen mit Behinderungen ist eine Bereicherung fürs eigene Leben. Dies berichten junge Leute, die bereits ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Viele profitieren davon auf ihrem Weg zum Erwachsensein.

Ausbildung oder Studium, manchmal ist es auch ein Auslandsaufenthalt – so starten viele Schulabgänger nach den Sommerferien in einen neuen Lebensabschnitt. Manche jedoch sind noch unschlüssig, in welche Richtung es für sie gehen soll. „Gerade zur Berufsorientierung und Vorbereitung auf den Arbeitsalltag ist beispielsweise ein ,Freiwilliges Soziales Jahr’ (FSJ) prima, egal ob man dieses im Kindergarten, bei der Behindertenhilfe, im Krankenhaus oder beim Rettungsdienst verbringt“, weiß Stephan Racky, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Main-Taunus.

„Oft kommen junge Leute hier das erste Mal mit dem Thema soziales Engagement in Berührung, und manche entscheiden sich dann bewusst für die Arbeit mit Älteren, Kranken oder Menschen mit Behinderungen. Bisher hat jeder gesagt, es sei eine wertvolle Zeit gewesen, und ich habe niemanden erlebt, der das hier nur abgesessen hätte.“

Ein Eindruck, den Martin Schelle bestätigen kann. Der 19-jährige absolviert sein FSJ im Krankenfahrdienst beim Malteser Hilfsdienst in Kelkheim: „Ich sehe oft, wie dankbar die Patienten für unsere Hilfe sind. Manche begleitet man öfters, da entsteht dann eine persönliche Bindung. Das ist besonders schön, denn man bekommt durch viele Gespräche Einblick in das Leben dieser Menschen und kann auch mal zusammen lachen.“

Aktuell bieten die Malteser im Main-Taunus-Kreis 14 jungen Menschen die Möglichkeit, sich in drei Tätigkeitsbereichen zu engagieren: im Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, im Krankentransport und im Rettungsdienst.

Erwartet werden vor allem Freude am Umgang mit Menschen, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Teamfähigkeit. Für den Rettungsdienst sind Volljährigkeit und ein Führerschein Voraussetzung. Allgemein dauert ein FSJ in der Regel 12 Monate, kann aber zwischen sieben und 18 Monaten variieren.

Es wird ein monatliches Taschengeld von rund 400 Euro gezahlt, und alle Sozialversicherungsleistungen werden übernommen. Dazu gibt es Urlaub sowie 25 Seminartage, in denen der Austausch mit anderen Freiwilligen, die Auseinandersetzung mit fachbezogenen Themen sowie die Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt stehen.

Letztlich gewinnen die jungen Leute großes Zutrauen in sich selber. Martin Schelle fasst sein FSJ zusammen: „Das Jahr bei den Maltesern war für mich spannend und hat mir insgesamt viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt, gerade was meine Selbstständigkeit angeht, aber hatte auch immer einen festen Ansprechpartner, wenn es Fragen gab. Im Herbst will ich nun mein Studium beginnen.“ Aktuell 63 Stellen sind beim DRK Main-Taunus bis zum Jahresende zu besetzen, etwa die Hälfte davon ab sofort.

Vorgesehen sind Tätigkeiten beim Rettungsdienst und Hausnotruf, aber auch für Schulassistenz, Hol- und Bringdienste und bei der Jugendhilfe. Daneben gibt es den Freiwilligendienst aller Generationen, wo Leute im Rentenalter mit geringem Stundenumfang gewisse Aufgaben übernehmen, beispielsweise Botendienste.

Auch bei der Lebenshilfe

Main-Taunus sind engagierte junge Leute dringend gesucht, stellen die FSJ-ler doch für Menschen mit Behinderungen eine große Bereicherung im Alltag dar. Sie ermöglichen besondere Förder- und Freizeitangebote und unterstützen den inklusiven Ansatz.

„Unsere verschiedenen Einsatzstellen, wie der ,Familien unterstützende Dienst (FuD)’, die Schulassistenz zur Begleitung von Kindern mit Behinderung im Unterricht und die Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung, profitieren in besonderem Maße von den Freiwilligen“, betont Annette Flegel, Ehrenamtskoordinatorin. „Bei der Lebenshilfe kann man sich auf ein sehr abwechslungsreiches Jahr freuen“, meint Alicia Arnold, die ihr FSJ im Bereich der Behindertenhilfe absolviert hat.

Nicht nur sie hat viele neue Erfahrungen gemacht und ist an Herausforderungen gewachsen. Wer Verantwortung für andere übernimmt, macht in der persönlichen Entwicklung einen großen Schritt nach vorne.

Offenheit, Neues zu erlernen, Begeisterungsfähigkeit und natürlich Interesse daran, unter anderem beim Brandschutzerziehungsunterricht in Schulen und Kindergärten sowie bei Übungen der Einsatzabteilung mitzuwirken, sollten Bewerber für eine FSJ-Stelle bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schwalbach mitbringen.

„Unser jetziger FSJ-ler hat sich beispielsweise in der Atemschutzwerkstatt durch Lehrgänge weitergebildet“, erzählt Sascha Klomann, stellvertretender Stadtbrandinspektor. Die Schwalbacher Tafel hat zwei Stellen – in der Lebensmittelausgabe und bei den Fahrten zu den Supermärkten – zu besetzen.

Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, mit anzupacken, werden vorausgesetzt. Auch gibt es Einsatzmöglichkeiten im Café Vis-à-vis im Mehrgenerationenhaus in Eschborn. Wer sich für Turnen oder Leichtathletik interessiert, kann eine FSJ-Stelle beim TV Eschborn 1888 antreten. Hier kann derjenige die Übungsleiter unterstützen oder sportliche Freizeitveranstaltungen betreuen.

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