MC Rene

Der Zeremonienmeister rappt im Rind

MC Rene gehörte um die Jahrtausendwende zu den einflussreichsten deutschen Rappern. Zwischenzeitlich versuchte er sich auch als Autor, Moderator und Comedian. Mittlerweile liegt sein Fokus wieder auf der Musik. Ein neues Album erscheint Anfang nächsten Jahres. Morgen (20.30 Uhr) gastiert er samt Band im Rind. Echo-Redakteur Sven Westbrock hat mit René El Khazraje, wie der Rapper bürgerlich heißt, unter anderem über den Auftritt und die kommende Platte gesprochen.

Sie haben die Angewohnheit, Ihre Alben mitunter nach sich selbst zu benennen. Auf Renevolution, Reneflektion, Renessance und Khazraje soll Anfang nächsten Jahres Master of Ceremony folgen. Wie wird die Platte klingeln?

MC RENE: Der Klang ist organisch und hat atmosphärische Dichte. Dabei bin ich meinem Sound treu geblieben, habe das Konzept beibehalten, mit einem Beat-Produzenten zusammenzuarbeiten, einem englischsprachiger Rapper, der in Deutschland lebt. Das hat wirklich Spaß macht.

Und worum geht es inhaltlich?

MC RENE: Das Album ist eine Weitererzählung. Während es bei den vergangenen beiden Alben um meine Rückkehr als Rapper und um Identitätsfindung ging, ist die neue Platte sehr gegenwärtig. Es hört sich definitiv nicht nach Arbeit, sondern nach Spaß an. Dazu kommen ein paar ernste Zwischentöne.

Gibt es darauf im Rüsselsheimer Rind schon einen Vorgeschmack?

MC RENE: Ein paar neue Tracks will ich ausprobieren. Wir werden dann schon einige Gigs gespielt haben. Von daher erleben die Leute auch keine Fehler.

Nach Rüsselsheim kommen Sie am 6. Oktober nicht allein.

MC RENE: Nein, ich habe meine Band Champion Sound dabei. In Köln gestalten wir regelmäßig zusammen einen Hip-Hop-Tanz-Abend mit Gast-Rappern. Dass ich die Jungs jetzt mit auf Tour nehmen kann, freut mich ganz besonders. Zumal ich als Künstler in einer Kategorie bin, wo man sich nicht immer eine Band leisten kann. Ab ich investiere da halt.

Warum? Bei vielen Musikern ist eher der umgekehrte Trend zu beobachten. Die treten aus lieber alleine auf, eben weil es weniger Kosten mit sich bringt.

MC RENE: Ich glaube, dass die Dynamik zwischen Freestyle MC und Band sehr gut funktioniert. Bei Menschen, die miteinander Musik machen, entsteht einfach eine andere Dynamik, als wenn der Beat vom Band kommt. Wir haben Saxofon, Flöte und Percussion dabei, sind also flexibel.

Sie sind ein Urgestein im Deutschrap, stehen seit den frühen 90er Jahren auf der Bühne. Verfolgen Sie die Musik der jüngeren Kollegen?

MC RENE: Das bezieht sich mehr auf Künstler aus dem Underground. Je mehr es in den Mainstream geht, hören sich die Alben für mich nach einem Konstrukt an. Ich stehe mehr auf Rapmusik, wo einfach gemacht wird.

In Offenbach hat Haftbefehl gerade aus dem Nichts so etwas wie eine Jugendsprache erfunden.

MC RENE: Haftbefehl hat einen einzigartigen Stil. In seiner Stimme sind Energie und Dynamik. Er hat ein gutes Gespür dafür, welche Beats zu ihm passen. Ich finde es cool, wenn ein Rapper einfach sein Ding durchzieht.

Also können Sie mit seiner Musik durchaus etwas anfangen?

MC Rene: Ja, nur weil ich etwas ganz anderes mache, heißt das nicht, dass ich seine Musik nicht mag. Schließlich geht es bei Musik auch um Toleranz.

Toleranz funktioniert im Rap nicht immer. Der Frankfurter Rapper Azad hat Sie vor in einem seiner Songs mal scharf angegriffen. Das ist mittlerweile 20 Jahre her. Denken Sie da noch dran?

MC RENE: Das ist Schnee von gestern. Das hatte er etwas mit Konkurrenz-Verhalten im Hip-Hop zu tun. Ich war für ihn Teil einer Szene, die damals abgelöst werden sollte. Das ganze gipfelte dann darin, dass ich ihn auf dem Splash (Hip-Hop-Festival, d. Red) mit einem Megafon zurück herausgefordert habe. Es handelte sich aber um eine Art Wettbewerb und nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung, die auch physisch hätte werden können.

In ihrer Wahlheimat Köln lebt mit Eko Fresh ein weiterer Kollege, mit dem Sie um die Jahrtausendwende mal eine Auseinandersetzung hatten, die über die Musik ausgetragen wurde. Kürzlich hat er sehr viel Aufmerksamkeit für einen Song bekommen, der sich mit den Vorurteilen auseinandersetzt, die Deutsche und Türken wieder vermehrt übereinander haben. Als Deutschtürke sitze er zwischen den Stühlen. Sie selbst haben marokkanische Wurzeln. Spüren Sie eine Zunahme von Fremdenfeindlichkeit?

MC RENE: Ich komme damit nicht so in Berührung. Zu meinen Konzerten kommen ja keiner AfDler. Kürzlich bin in eine neue Gegend von Köln gezogen und ein Nachbar hat mich gefragt: „Sie sind aber nicht ganz deutsch?“ Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass da eine rassistische Attitüde dahinter steckte. Das war reines Interesse, weil ich eben eine etwas andere Hautfarbe habe.

Einen Ihrer größten Erfolge, an denen Sie beteiligt waren, war 1999 der Song „1, 2, 3, Rhymes Galore“. An der Single von DJ Tomekk waren neben Ihnen auch prominente Rapper wie Afrob und Flavor Flav beteiligt. Auf Tour waren Sie zuvor schon mit den Absoluten Beginnern gewesen. Deren Frontmann Jan Delay tritt heute noch regelmäßig vor tausenden Menschen auf. Stört es Sie da manchmal, dass der kommerzielle Knoten bei Ihnen nicht ganz so geplatzt ist?

MC RENE: Wenn Jan Delay vor so vielen Menschen spielen kann, ist das doch schön. Für mich ist meine Situation so gut, wie sie ist. Ich versuche natürlich auch, mich zu steigern, so dass vielleicht noch mehr Leute zu meinen Auftritten kommen. Ansonsten bin ich aber nicht der Typ, der Erfolg erzwingt. Ich denke nicht darüber nach, ob ich das oder das dafür machen müsste. Ich bin ein Hip-Hop-Künstler, der sich nicht darüber definiert, dass viele Leute zu seinem Konzert kommen.

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