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Die Kulane mit Hans-Georg Jost kurz nach ihrer Ankunft auf dem Gelände der GRKW in Weilbach vor acht Jahren. Foto/Archiv: Nietner

Wildesel

Zukunft der Kulane ist weiterhin ungeklärt

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Die GRKW will zunächst abwarten, was die geplante operative Kastration bringt. Langfristig sollen die Wildesel an Tiergärten abgegeben werden. Es gibt Verhandlungen mit drei Einrichtungen.

Einst waren sie die tierischen Stars des Weilbacher Kiesgrubengeländes: Sechs Kulane zogen als Teil eines europäischen Artenschutzprojektes in das Naturschutzgebiet ein, wo ihr Fressverhalten zur natürlichen Regulierung des Pflanzenwachstums beitragen sollte. Dies ist acht Jahre her. Mittlerweile sind die asiatischen Wildesel zum Problem geworden. W.

Die ausschließlich aus Hengsten bestehende Gruppe musste getrennt werden, weil sich die Tiere aggressiv verhielten. Drei Kulane sind bereits verstorben. In einem Papier, das die GRKW ihrem Aufsichtsrat vorlegte, wird das Einschläfern der übrigen Wildesel als letzte Option berücksichtigt. Wie soll es nun also weitergehen?

Auf Nachfrage dieser Zeitung erläutert GRKW-Geschäftsführer Mathias Bausback, dass der Aufsichtsrat die Unterlagen über die Kulane zur Kenntnis genommen habe. Es sei eine sachliche Diskussion zum Thema geführt worden, ohne dass eine endgültige Entscheidung fiel. „Wir müssen abwarten, was die Aktivitäten im Herbst bringen“, so Bausback. Mit „den Aktivitäten“ meint er die dauerhafte Kastration der verbliebenen drei Hengste. Die Tiere waren zuvor bereits chemisch kastriert worden.

Wenn die nun geplante operative Kastration die gewünschte Beruhigung bringe, seien keine weiteren Schritte nötig, erläutert der Geschäftsführer. Im Idealfall könnten die Wildesel sogar wieder aus ihrer Isolation in ein gemeinsames Gehege entlassen werden. Für ein Zuchtprogramm taugen die Tiere nach dem Eingriff natürlich nicht mehr. Bausback erklärt, dass ohnehin nur Junggesellen für die Zucht interessant seien.

Wie auch immer die Kastration ausgeht – mittelfristig würde die GRKW die Tiere gerne loswerden. Tiergärten sollen die Kulane zurücknehmen. Die GRKW stehe mit drei Einrichtungen in Verhandlungen, berichtet Mathias Bausback. Zuvor müsse allerdings sichergestellt sein, dass die Tiere gesund sind. Die Esel sollen deshalb auf Streptokokken untersucht werden. Bisher liegt kein Ergebnis vor. „Die Blutentnahme bei Wildeseln ist nicht so einfach“, erklärt Bausback.

Falls sich die Kulane durch die Kastration nicht beruhigen lassen, und falls kein Zoo die Tiere übernimmt, soll als letzte Möglichkeit darüber nachgedacht werden, die Esel einzuschläfern.

Das Thema beschäftigt jedoch nicht nur die GRKW, sondern auch die Menschen in Weilbach und Umgebung: „Wenn sich Experten täuschen, leiden die Tiere“, hatte Hans-Ulrich Dreisbach Ende September in einem Leserbrief geschrieben. Der Weilbacher zweifelte daran, dass auf dem GRKW-Gelände ausreichend Fläche zur Verfügung stand, um Kulane artgerecht zu halten. Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Kronberger Opel-Zoos, widerspricht dieser Ansicht. „Der Platz müsste dicke reichen“, erklärt der Experte gegenüber dieser Zeitung. Hengste gemeinsam zu halten sei normalerweise „kein Hexenwerk“.

Der Opel-Zoo unterstützt die GRKW als veterinärmedizinischer Berater. Eine Ärztin des Tiergartens sei regelmäßig vor Ort, berichtet der Direktor. Thomas Kauffels räumt ein, dass die derzeitige Entwicklung in Weilbach kein Dauerzustand für die Tiere sein könne. „Wenn die sich beißen und alleine stehen müssen, ist das nicht schön“, so der Chef des Opel-Zoos. Was genau schief gelaufen ist, sei schwer zu sagen. Fest steht jedoch, dass der Opel-Zoo die Kulane nicht übernehmen kann. Der Kronberger Tiergarten gehört allerdings mehreren europäischen Schutzprogrammen an und könnte eventuell bei einer Vermittlung helfen.

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