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Hans-Dietrich Genscher, aufgenommen am 25. November vergangenen Jahres.

Hans-Dietrich Genscher

Abschied von einem großen Politiker

Mit 89 Jahren ist Deutschlands dienstältester Außenminister gestorben. Das Land verliert mit Hans-Dietrich Genscher innerhalb kurzer Zeit erneut einen prägenden FDP-Politiker. Der Mann mit dem gelben Pullunder hat wahrhaft Historisches geleistet.

Einer der wichtigsten Architekten der deutschen Einheit, Hans-Dietrich Genscher, ist tot. Der FDP-Politiker starb nach Angaben seines Bonner Büros am Donnerstagabend an Herz-Kreislauf-Versagen – im Kreise seiner Familie im rheinischen Wachtberg-Pech. Er wurde 89 Jahre alt.

Genscher – Markenzeichen: gelber Pullunder – war 18 Jahre lang Außenminister (1974 bis 1992) und damit in diesem Amt dienstältester bundesdeutscher Politiker. 1989/90 war er maßgeblich an den Verhandlungen zur deutschen Einheit beteiligt und profilierte sich auch als treibende Kraft für die europäische Idee.

Genscher zählte in Deutschland viele Jahre zu den beliebtesten Spitzenpolitikern und zu den prägenden Persönlichkeiten der Liberalen, die er von 1974 bis 1985 auch als Parteichef führte. Immer wieder musste er jedoch mit Gesundheitsproblemen kämpfen. 1992 legte Genscher – damals für viele überraschend – 65-jährig seine Ämter nieder. 1998 schied er nach 33 Jahren auch aus dem Bundestag aus.

Der Außenminister gehörte wie auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zu den deutschen Spitzenpolitikern, welche die Chancen für eine Wiedervereinigung erkannten und ergriffen. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Genscher sicherte die Einheit bis hin zur Ratifizierung des Zwei-plus-vier-Vertrages außenpolitisch ab.

Weltweit rief der Tod Genschers Bestürzung hervor. Bundespräsident Joachim Gauck war einer der Ersten, die den Verstorbenen als herausragende Persönlichkeit würdigten. „Mit seiner Verlässlichkeit und seinem diplomatischen Geschick hat Hans-Dietrich Genscher unserem Land in der Welt ein Gesicht gegeben und das Vertrauen bei unseren Partnern gestärkt“, betonte Gauck in einem Kondolenzschreiben an Genschers Frau Barbara.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte in einer Mitteilung: „Ich verneige mich in Hochachtung vor der Lebensleistung dieses großen liberalen Patrioten und Europäers.“ Sie bleibe „für all die Gespräche und Begegnungen mit ihm dankbar, bei denen ich bis in die letzten Jahre von seiner Welterfahrung und Lebensweisheit schöpfen durfte“. Genscher habe das Amt des Außenministers geprägt wie kein anderer.

„Die Wiedervereinigung ist untrennbar mit dem Namen Hans-Dietrich Genscher verbunden“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seinem Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne). Mit dem FDP-Politiker verliere Deutschland einen „der herausragenden Köpfe des Liberalismus“.

FDP-Chef Christian Lindner würdigte Genscher als „Architekt der deutschen Einheit und Taktgeber Europas“. Für seine liberale Partei war er „ein väterlicher Freund, der uns bis zuletzt mit Rat und Tat zur Seite stand“. Er sei persönlich „tieftraurig, dass wir nach Guido Westerwelle eine zweite große Persönlichkeit verlieren“.

Der frühere Außenminister und FDP-Chef Westerwelle war am 18. März mit 54 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Die Trauerfeier für ihn ist heute in Köln geplant, am Montag folgt eine Gedenkfeier im Auswärtigen Amt in Berlin.

Einer der wichtigsten politischen Weggefährten im zu Ende gehenden Kalten Krieg, Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow (85), nannte Genschers Tod einen großen Verlust: „Man sagt, dass es in der Politik keine Freunde geben kann. Das stimmt nicht. Hans-Dietrich Genscher war in den letzten Jahren mein richtiger Freund. Ich habe einen Freund verloren.“,

EU-Spitzenvertreter lobten ebenfalls den Einsatz des früheren Außenministers für Europa. So sagte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) in Brüssel: „Wir verlieren einen großen, klugen und prägenden Politiker.“ Genscher habe maßgeblich Deutschlands Wiedervereinigung mitgestaltet und die europäische Integration vorangetrieben. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: „Er wird mir und Europa fehlen.“ Es sei auch Genschers Einsatz zu verdanken, dass die EU inzwischen 28 Mitgliedstaaten habe. dpa

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