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Studie zum Einsatz der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan

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Kommentar zu Afghanistan: Margot Käßmann hat Recht behalten

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„Nichts ist gut in Afghanistan.“ Als Margot Käßmann, seinerzeit EKD-Ratschefin, diesen Satz im Jahr 2010 sagte, wurde sie von vielen kritisiert, auch in dieser Zeitung. Jetzt sagt unser Kommentator Dieter Sattler: Sie hat Recht gehabt.

2010 waren die westlichen Truppen am Hindukusch neun Jahre im Einsatz, und es gab noch Hoffnung auf echten Fortschritt. Weitere neun Jahre später muss man sagen: Das Projekt ist gescheitert. So sehen es offenbar auch die meisten Bundeswehrsoldaten, die am Hindukusch im Einsatz waren. Sie bewerten ihren dortigen Dienst jenseits persönlicher Erfahrungen als ganz oder teilweise nutzlos.

Margot Käßmann

Das Scheitern des militärischen Demokratie-Exports ist in Afghanistan noch fundamentaler als im Irak. Denn im Zweistromland waren USA und Briten allein, am Hindukusch kämpfte die gesamte Nato. Denn die damals in Afghanistan herrschenden Taliban hatten mit Al Kaida jener Terrororganisation Unterschlupf geboten, die die Anschläge vom 11. September 2001 verübte. Der Westen hätte es bei den ersten Erfolgen gegen die Steinzeit-Islamisten belassen sollen. Der schnelle Aufbau einer Demokratie war illusorisch.Die Entwicklung zum Rechtsstaat, die im Westen über 1000 Jahre gedauert hat (und wie wir heute sehen, nie abgeschlossen ist), sollte in archaischen Ländern in kurzer Zeit gelingen?  Das konnte gar nicht gut gehen. Nicht von ungefähr heißt es, der Westen rechne in Jahren, die Taliban rechnen in Jahrhunderten. Und sie haben damit Erfolg. In dem Maße, in dem der Westen sich zurückzieht, rücken sie wieder vor. Margot Käßmann hat Recht behalten.

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