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Krankenhäuser in Kiew wieder unter Strom – 2750 Notfallanlaufstellen in Betrieb

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Von: Markus Hofstetter, Stephanie Munk

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Nach russischen Raketenangriffen und Blackouts in der Ukraine sind in Kiew die Krankenhäuser wieder am Netz und landesweit Notfallanlaufstellen bereit. News-Ticker zum Kriegsverlauf.

Update vom 23. November, 23.05 Uhr: Nach dem schweren russischen Raketenangriff auf die Energie-Infrastruktur der Ukraine machen Techniker nach offiziellen Angaben Fortschritte bei der Wiederherstellung der Stromversorgung. In 15 Verwaltungsgebieten gebe es teilweise wieder Strom, teilte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, am Mittwochabend in Kiew mit. In der Hauptstadt selbst werde die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser wieder versorgt, danach seien private Verbraucher dran. Bis zum Abend seien landesweit 2750 Notfallanlaufstellen in Betrieb gegangen, in denen es Heizung, Licht, Wasser, Internet und Telefon für die Bürger gibt.

Nach Blackouts in der Ukraine: Krankenhäuser in Kiew wieder unter Strom – 2750 Notfallanlaufstellen in Betrieb

Die russische Armee hatte die Ukraine am Mittwoch mit etwa 70 Raketen beschossen und erneut schwere Schäden an der Infrastruktur angerichtet. In Kiew waren nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko 80 Prozent der Haushalte ohne Strom und Wasser. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zehn Menschen durch den Beschuss getötet.

Ukraine-Krieg: Großflächige Blackouts nach erbitterten russischen Raketenangriffen

Update vom 23. November, 19.05 Uhr: Erneute russische Raketenangriffe haben am Mittwoch zu großflächigen Blackouts in der Ukraine geführt. „Die heutigen Raketenangriffe haben zu vorübergehenden Abtrennung aller Atomkraftwerke und der Mehrzahl der Wärme- und Wasserkraftwerke geführt“, teilte das Energieministerium in Kiew am Mittwoch per Facebook mit. Für die Reparatur der Schäden werde aufgrund des großen Ausmaßes noch Zeit benötigt. Genauere Angaben zur Zahl der betroffenen Haushalte machte die Behörde nicht. 

Ein Feuerwehrmann geht nach einem Raketenangriff in Kiew an zerstörten Autos vorbei.
Ein Feuerwehrmann geht nach einem Raketenangriff in Kiew an zerstörten Autos vorbei. © Evgeniy Maloletka/dpa

Ukraine-Krieg: Engpass bei Artillerie-Munition? USA sehen russische Versorgungsprobleme

Das Russland im Ukraine-Krieg vermehrt auf Raketenangriffe setzt, könnte auch an einem Engpass bei Artillerie-Munition erklärt werden. Den russischen Truppen mache nach den Worten von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin „erhebliche Engpässe bei der Artillerie-Munition“ zunehmend zu schaffen.Seit Beginn ihres Angriffskriegs gegen die Ukraine hätten die russischen Streitkräfte „Probleme mit der Logistik“ gehabt, und diese Probleme dauerten weiter an, sagte Austin am Mittwoch vor Journalisten. Vor allem die Knappheit an Artilleriegeschossen behindere zusehends ihr militärisches Vorgehen.

So seien die Truppen aktuell kaum in der Lage Bodenoffensiven durchzuführen, die in der Regel durch Artilleriefeuer vorbereitet werden. Für die russische Kampfstrategie sei sehr viel Artillerie-Munition notwendig, sagte Austin weiter. Es sei zweifelhaft, ob das russische Militär über diese Munition noch in ausreichender Menge verfüge, um diese Strategie fortzusetzen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministers hat auch der russische Vorrat an „präzisionsgelenkter Munition“ wie etwa selbststeuernde Raketen oder Artilleriegranaten in den neun Monaten seit der Invasion „deutlich abgenommen“.

Ukraine-Krieg: Wieder russische Raketenangriffe auf Kiew

Update vom 23. November, 14.31 Uhr: Das russische Militär hat erneut Kiew angegriffen und dabei mindestens drei Menschen getötet. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte die ukrainische Militärverwaltung auf Telegram. Demnach wurde bei der Bombardierung ein zweistöckiges Wohngebäude beschädigt. „Wegen der Bombardements ist die Wasserversorgung in ganz Kiew unterbrochen“, erklärte außerdem Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram. Fachleute seien im Einsatz, um diese so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Ukraine-Krieg: Kiew unter einer dünnen Schneedecke
Aufnahme vom 17. November: Kiew unter einer Schneedecke © Genya Savilov/AFP

Ukraine-News: Ankara will Kiew Lenkflugkörper liefern

Update vom 23. November, 13.59 Uhr: Schon im Frühsommer soll die Türkei der Ukraine ein Dutzend hochpräziser Lenkflugkörper im Kampf gegen Putins Invasion geliefert haben. Das berichtet jetzt unter anderem das Portal Middle East Eye. Die Waffen stammen von dem türkischen Hersteller Roketsan und können Ziele zwischen 20 bis 70 Kilometer Entfernung erreichen. Das Gegenstück der TRLG-230 sind laut dem Bericht die US-Raketenwerfer vom Typ Himars. Erst kürzlich kündigte der türkische Drohnenhersteller Baykar Hilfe für Kiew an, und zwar bei der Verteidigung iranischer Drohnen.

Déjà-vu-Angst in der Ukraine: Kiew warnt vor „schändlicher Praxis“ von Putins Militär

Update vom 23. November, 9.19 Uhr:  Russland verfügt nach Einschätzung des ukrainischen Sicherheitsrates noch über genügend Raketen für drei bis vier ähnlich schwere Angriffe wie am 15. November. Nach Kiewer Militärangaben umfasste der Angriff damals etwa 100 Raketen und Marschflugkörper.

„Die Russen haben zu einer schändlichen Praxis gegriffen, sie zerstören die Infrastruktur, von der das Leben von älteren Menschen, Kindern und Frauen abhängt“, sagte der Sekretär des Rates, Oleksyj Danilow, dem Sender Radio Liberty.

Verteidigungsminister Oleksij Resnikow veröffentlichte eine Übersicht zum angeblich verbleibenden russischen Raketenarsenal, wobei die Angaben aus Kiew nicht unabhängig überprüfbar sind. Von den Boden-Boden-Raketen des Typs Iskander seien 829 Stück, also mehr als vier Fünftel des Bestands verschossen worden, hieß es. Bei Luft-Boden-Raketen der Typen Ch-101 und Ch-555 sei noch die Hälfte des Arsenals da.

Ukraine-Krieg: Ukrainische Kämpfer feuern in der Region Donetsk Geschosse auf russische Stellungen.
Aufnahme vom 21. November: Ukrainische Kämpfer feuern in der Region Donetsk Geschosse auf russische Stellungen. © Anatolii Stepanov/AFP

Ukraine steht „schlimmster Winter seit Zweiten Weltkrieg“ bevor: Stromausfälle bis März

Update vom 23. November, 7.25 Uhr: Die Bevölkerung der Ukraine muss sich noch bis März auf Stromausfälle einstellen, wie Wolodymyr Kudryzkyj, der Chef des Energieversorgers Ukrenerho, im ukrainischen Fernsehen sagte. Die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur haben massive Schäden angerichtet.

Die Ukrainer wurden dazu aufgerufen, einen Vorrat warmer Kleidung, Decken und anderer Dinge anzuschaffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj will sein Land unter anderem mit tausenden öffentlichen Wärmestuben durch den kalten und dunklen Winter bringen.

Mehr als 4000 solcher „Stabilitätspunkte“ in Schulen und Verwaltungsgebäuden seien landesweit bereits vorbereitet, sagte Selenskyj am Dienstag. Weitere sollen folgen.

Der Winter kündigt sich an - für viele Ukrainer wird er zur harten Probe.
Der Winter kündigt sich an - für viele Ukrainer wird er zur harten Probe. © IMAGO/Mykola Tys

„Alle grundlegenden Dienstleistungen werden dort bereitgestellt“, sagte er in Kiew in einer Videoansprache. „Dazu gehören Strom, mobile Kommunikation und Internet, Wärme, Wasser, Erste Hilfe. Völlig kostenlos und rund um die Uhr.“ Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko unterstrich den Ernst der Lage für die drei Millionen Einwohner zählende ukrainische Hauptstadt: „Das ist der schlimmste Winter seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte er der Bild.

Ukraine-News: Selenskyj will noch 2000 besetzte Städte und Dörfer befreien

Update vom 22. November, 22.47 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj will noch etwa 2000 von russischen Truppen besetzte Städte und Dörfer in der Ukraine befreien. Das sagte Selenskyj nach Angaben des Präsidialamtes in Kiew am Dienstag in einer Videobotschaft für französische Kommunalpolitiker. Die ukrainische Armee habe in den fast neun Monaten Krieg bislang etwa 1880 Ortschaften befreit, teilte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, mit.

Die Ukraine versuche, in zurückeroberten Ortschaften das Leben rasch wieder zu normalisieren, sagte Selenskyj. Sein Land sei deshalb dankbar für alle Hilfen bei der Verteidigung und beim Wiederaufbau. Wo die russische Armee sich zurückziehe, plündere sie die besetzten Städte und Dörfer noch einmal aus und zerstöre die Infrastruktur. Einige Dutzend Orte wie die Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer oder Wolnowacha im Gebiet Donezk seien durch russische Angriffe völlig zerstört worden.

Ukraine-Krieg: Russischer Gouverneur meldet Drohnenangriff auf die Krim

Update vom 22. November, 20.09 Uhr: Drohnenangriff auf die Krim: Laut regionalem Gouverneur ist die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel am Dienstag mit Drohnen angegriffen worden. Zwei der unbemannten Fluggeräte seien „bereits abgeschossen worden“, teilte der Gouverneur der Region Sewastopol, Michail Raswojajew, im Onlinedienst Telegram mit. Er betonte, zivile Infrastruktur sei nicht getroffen worden und rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren.

In Sewastopol, der größten Stadt der Krim, ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Nach einem Angriff auf den Hafen Ende Oktober hatte Moskau vorübergehend das Getreideabkommen mit der Ukraine ausgesetzt.

Ukraine-Krieg: Drei Tote bei Explosionen in Russland nahe ukrainischer Grenze

Update vom 22. November, 18.14 Uhr: Nach russischen Angaben sind bei zwei Explosionen in Russland, nahe der Grenze zur Ukraine, am Dienstag drei Menschen ums Leben gekommen. In der rund sieben Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Stadt Schebekino in der Region Belgorod sei eine Frau durch ukrainischen Beschuss getötet worden, erklärte der örtliche Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Sie habe durch den Beschuss eine Kopfverletzung erlitten und sei in einem Rettungswagen gestorben.

Gladkow zufolge wurde außerdem ein Ehepaar in dem Grenzort Starosselje im Westen der Region durch die Explosion von „nicht identifizierter Munition“ getötet. In dem Ort sei Ende Oktober der Ausnahmezustand verhängt worden. Ermittlungsbehörden untersuchen laut Gladkow den Fall. Die Angaben sind derzeit nicht unabhängig überprüft.

Ukraine: Russland gehen die Raketen aus - nur noch 119 von 900 Iskander-Raketen übrig

Update vom 22. November, 16.30 Uhr: Russland bombardiert seit Wochen ukrainische Städte im ganzen Land. Das Ziel offenbar: Die ukrainische Infrastruktur zerstören, um den Feind angesichts des nahenden Winters zu zermürben und zu Verhandlungen in russischem Sinne zu zwingen.

Arsenal fast verbraucht? Das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bild zeigt eine russische Iskander-Rakete in Aktion.
Arsenal fast verbraucht? Das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bild zeigt eine russische Iskander-Rakete in Aktion. © Russian Ministry of Defence/Imago

Doch Russland gehen wohl nach und nach die dafür nötigen Waffen aus, teilt der ukrainische Verteidigungsminister Oleksiy Reznikow auf Twitter mit. Von ursprünglich 900 ballistischen Iskander-Raketen seien nur noch 119 übrig, also nur noch 13 Prozent des Arsenals von vor dem Ukraine-Krieg, ist einer Tabelle zu entnehmen. Auch bei Marschflugkörpern sei der Rückgang teilweise immens.

Der ukrainische Minister schreibt dazu: „Es gibt vier Feinde des russischen Raketenarsenals: brillante ukrainische Luftverteidigung, ungeschickte russische Raketentruppen, Sanktionen, Zeit. Lasst uns den terroristischen Staat entmilitarisieren, um in Frieden zu leben.“

Update vom 22. November, 16.06 Uhr: Durch die massiven russischen Raketenangriffe in den vergangenen Wochen sind in der Ukraine praktisch alle Wärme- und Wasserkraftwerke beschädigt worden. Außerdem seien alle wichtigen Knotenpunkte des Stromnetzes getroffen worden, sagte der Chef des ukrainischen Stromnetzbetreibers Ukrenerho, Wolodymyr Kudryzkyj, jetzt auf einer Pressekonferenz. „Praktisch jedes wichtige Umspannwerk hat einen Treffer abbekommen“, sagte Kudryzkyj. Einige Umspannwerke seien sogar mehrmals getroffen worden.

„Das Ausmaß der Zerstörungen ist kolossal“, unterstrich Kudryzkyj. Dennoch sei es durch Reparaturen gelungen, das System seit Samstag wieder zu stabilisieren. Es gebe jetzt vor allem planmäßige Abschaltungen des Stroms, kaum noch solche aus der Not heraus.

Neben Strom könnte der Ukraine auch bald Gas fehlen. Der russische Energieriese Gazprom droht mit einer weiteren Drosselung der Gaslieferungen – mit der Begründung, die Ukraine behalte beim Transit über sein Territorium Gas ein, das eigentlich für Moldau gedacht sei. Sollte sich daran nichts ändern, werde der Transit, von dem auch EU-Länder profitieren, ab kommendem Montag gekürzt, hieß es von Gazprom.

Ukraine-News: AKW Saporischschja erneut mit Granaten beschossen

Update vom 22. November, 13.40 Uhr: Das Gebiet des von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums erneut mit Granaten beschossen worden. Am Montag - dem Tag einer Sonderinspektion durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) - seien acht großkalibrige Granaten auf einen industriellen Teil des Kernkraftwerks gefeuert worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow am Dienstag laut der Agentur Interfax. Unabhängig überprüft werden konnten die Angaben zunächst nicht.

Konaschenkow sagte nicht, wann konkret die Anlage beschossen worden sein soll. Er erklärte lediglich, die Strahlung sei weiterhin normal. Von der IAEA hatte es am Montag keine Informationen über einen möglichen erneuten Artillerie-Beschuss des Atomkraftwerks gegeben. Auch aus Kiew kamen keine entsprechenden Informationen.

Ukraine-Krieg: Kiew-Regierung siedelt Zivilisten für den Winter in sichere Regionen um

Update vom 22. November, 12.22 Uhr: Wegen der schweren Zerstörungen in Cherson hat die ukrainische Regierung die Bewohner aufgerufen, in „sicherere Regionen“ umzuziehen. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen sollten den Winter in Gebieten mit besserer Infrastruktur verbringen.

Auch in den anderen Regionen des Landes ist das Stromnetz aufgrund der massiven und gezielten russischen Angriffe schwer beschädigt. Die WHO hat gewarnt, dass der Winter „für Millionen von Menschen in der Ukraine lebensbedrohlich sein“ werde. „Einfach ausgedrückt: In diesem Winter wird es ums Überleben gehen“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, in Kiew.

Ukraine-News: Russischem Ex-Kommandeur droht laut Bericht Hinrichtung

Update vom 22. November, 11.11 Uhr: In Russland soll ein Kommandeur mit dem Tod bestraft werden, weil er seine Truppen von der Front in der Ukraine zurückzog. Das berichtete der russische Dissident Wladimir Osechkin auf der Webseite seiner Menschenrechtsgruppe Gulagu. Es handele sich dabei um den 43-jährigen Viktor Sevalnew. Aus zweiter Quelle verifizieren ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Selwanews Frau habe Gulagu kontaktiert und unter Tränen darüber informiert, dass ihr Mann es geschafft habe, sie aus dem Krankenhaus anzurufen und ihr zu sagen, dass er aus der Station geholt und „zur Hinrichtung“ gebracht werde. „Während der Kämpfe wurde Sewalnew wiederholt verletzt und geschockt“, schrieb Osechkin am 20. November. „Sein eigener Sohn starb in einer der Schlachten.“  

„Niemand hat das Recht, Gefangene zu erschießen. Weder Prigoschin, noch Schoigu, noch Putin. So ist das Gesetz, so ist die Verfassung der Russischen Föderation.“ Die Gruppe veröffentliche das dringende Video zum Fall Selwanew in der Hoffnung, dass „eine breite Öffentlichkeit“ sein Leben retten könne, hieß es. Hier der entsprechende Clip:
  

Militärnachrichtendienst der Ukraine: Putins Militär plant „false flag“-Anschläge auf Belarus

Update vom 22. November, 9.12 Uhr: Russische Spezialeinheiten planen eine „false flag operation“ auf belarussischem Gebiet. Davor warnt laut dem US-amerikanischen Institut für Kriegsstudien (ISW) der ukrainische Militärnachrichtendienst HUR. Demnach wollen sie kritische Infrastruktur in Belarus angreifen und die Schuld dafür dann der Ukraine oder der Nato geben - „false flag“, also unter falscher Flagge. Ziel sei, das belarussische Militär dazu zu bewegen, an der Seite Russlands im Ukraine-Krieg zu kämpfen. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Die Militärexperten halten es aber für „sehr unwahrscheinlich“, dass Belarus unter seinem Machthaber Alexander Lukaschenko in den Krieg eintritt, da dies ein „schweres innenpolitisches Risiko“ für das Land darstellen würde.

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko im September 2022 in Sotschi
Wladimir Putin (li.) und Alexander Lukaschenko im September 2022 in Sotschi © Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Stromausfälle in der Ukraine: Laut Experten „mindestens bis Ende März“

Update vom 22. November, 6.40 Uhr: Das schwer beschädigte ukrainische Stromnetz dürfte auf Monate hinaus äußerst störanfällig bleiben: Die Stromtechniker versuchten ihr Möglichstes, die Schäden am Netz zu reparieren, bevor es noch winterlicher werde, schrieb nun der Chef des Stromversorgers Yasno, Serhij Kowalenko, auf Facebook.

„Auch wenn es jetzt weniger Ausfälle gibt, möchte ich, dass jeder versteht: Wahrscheinlich werden die Ukrainer mindestens bis Ende März mit Ausfällen leben müssen“, schrieb er. Der Netzbetreiber Ukrenergo kündigte für Dienstag (22. November) planmäßige Abschaltungen im ganzen Land an. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Bürger zum Stromsparen auf.

Ukraine-Krieg: ein beschädigter Flieger am Flughafen von Cherson
Aufnahme vom 20. November: ein beschädigter Flieger am Flughafen von Cherson © Bulent Kilic/AFP

Ukraine-News: Selenskyj ruft Ukrainer zum Stromsparen auf

Update vom 21. November, 22.50 Uhr: Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist das durch russische Angriffe beschädigte Stromnetz der Ukraine weiter instabil. Am Montag habe das Land nicht nur mit geplanten Abschaltungen, sondern auch mit ungeplanten Stromausfällen zu kämpfen gehabt, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Der Verbrauch übersteige die Stromproduktion.

„Heute abend ist die Lage in Kiew und Umgebung sowie in Winnyzja, Sumy, Ternopil, Tscherkassy, Odessa und einigen anderen Städten und Bezirken besonders schwierig“, sagte Selenskyj. Er rief regionale und kommunale Verwaltungen auf, die Bürger weiter zum Stromsparen anzuhalten. Auch im öffentlichen Raum müsse Strom gespart werden. „Der Systemschaden, der unserem Energiesektor durch die Anschläge der russischen Terroristen entsteht, ist so groß, dass alle unsere Bürger und Unternehmen sehr sparsam sein und den Verbrauch über die Stunden des Tages verteilen sollten“, sagte er.

IAEA bezeichnet AKW Saporischschja als „weitgehend intakt“

Update vom 21. November, 20.59 Uhr: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bezeichnet das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja als „weitgehend intakt“. Trotz des intensiven Beschusses am Wochenende gebe es keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der nuklearen Sicherheit, sagte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi am Montagabend nach dem Besuch eines Expertenteams vor Ort. Die vier IAEA-Experten hätten das größte europäische Atomkraftwerk ausführlich unter die Lupe genommen. Der Status der sechs Reaktoreinheiten sei stabil und die Unversehrtheit des abgebrannten Brennstoffs, des frischen Brennstoffs und des schwach-, mittel- und hochradioaktiven Abfalls in ihren jeweiligen Lagereinrichtungen sei bestätigt worden.

Dennoch zeigte sich Grossi sehr besorgt. IAEA-Experten hätten verbreitete Schäden auf dem Gelände festgestellt. „Dies ist ein großer Anlass zur Sorge, da es die schiere Intensität der Angriffe auf eines der größten Atomkraftwerke der Welt deutlich macht“, so Grossi.

Ukraine: Rosatom warnt vor nuklearer Havarie im AKW Saporischschja

Update vom 21. November, 18.48 Uhr: Der russische Atomkonzern Rosatom warnt vor einer nuklearen Havarie im Atomkraftwerk Saporischschja. Er habe die ganze Nacht im Zusammenhang mit Beschuss auf die Anlage mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Kontakt gestanden, sagte Rosatom-Generaldirektor Alexej Lichatschow nach Angaben der Agentur Interfax im südrussischen Sotschi bei einem internationalen Atomenergie-Forum.

Das größte Atomkraftwerk Europas war am Samstag und Sonntag von Dutzenden Granateinschlägen erschüttert worden. Auch in den Monaten davor war die Anlage mehrfach unter Beschuss geraten. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld dafür. Nach Angaben Moskaus hat die IAEA am Montag die Anlage auf Schäden untersucht. Dazu lag zunächst noch kein IAEA-Statement vor.

WHO: Winter wird für Millionen von Ukrainern „lebensbedrohlich“

Update vom 21. November, 18.33 Uhr: Hunderte Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine sind nach Ansicht der WHO nicht mehr voll funktionsfähig. Es mangele an Brennstoff, Wasser und Strom, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Montag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Mehr als 700 Angriffe auf die Gesundheitsinfrastruktur seien seit Beginn des russischen Angriffskriegs registriert worden. „Das ist die größte Attacke auf die Gesundheitsversorgung auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg“, unterstrich Kluge vor allem im Hinblick auf die russischen Angriffe auf das ukrainische Energiesystem. „Das ist ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und die Kriegsregeln“,

Kramatorsk
Ein Mann geht über die Trümmer eines Krankenhauses, das nach einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde. © Leo Correa/AP/dpa

Den Ukrainerinnen und Ukrainern stehe ein „lebensbedrohlicher Winter“ bevor, sagte Kluge weiter. Hunderttausende Häuser und Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser seien ohne Heizung. Zehn Millionen Menschen seien ohne Strom. Das stelle mit Blick auf den kommenden Winter und Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius ein dramatisches Gesundheitsrisiko dar. „Kaltes Wetter kann tödlich sein“, sagte Kluge. Nicht nur drohten Atemwegsinfektionen wie Covid-19, gegen die große Teile der Bevölkerung nicht ausreichend immun seien.

Ukraine-News: WHO liefert Medikamente und Generatoren nach Cherson

Gesundheitsgefahr drohe auch dadurch, dass „verzweifelte Familien versuchen, sich warm zu halten“ und auf alternative Heizmethoden mit Kohle oder Holz oder die Verwendung von Generatoren zurückgriffen. „Dies birgt gesundheitliche Risiken durch giftige Substanzen, die für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schädlich sind, sowie Verbrennungen und Verletzungen durch Unfälle“, erklärte der WHO-Regionaldirektor.

Sein Kollege Jarno Habicht berichtete, dass WHO-Mitarbeiter Zugang zu der kürzlich befreiten südukrainischen Großstadt Cherson erhalten hätten. So seien Medikamente, medizinische Ausrüstungen und Generatoren in das Gebiet geliefert worden. Insgesamt seien seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar mehr als 2000 Tonnen an medizinischen Gütern in die Ukraine geliefert worden. Stand November seien darunter 400 Generatoren gewesen, um die weite Landesteile betreffenden Stromausfälle in Krankenhäusern zu überbrücken.

Ukrainische Ermittler sollen rund um Cherson Folterstätten entdeckt haben

Update vom 21. November, 15.05 Uhr: Aus Cherson berichten ukrainische Ermittler nun von neu entdeckten Folterstätten. Sie hätten in der Stadt insgesamt vier Gebäude ausgemacht, in denen die „russischen Besatzer Menschen illegal festgehalten und brutal gefoltert“ hätten, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew mit. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Ukraine-News: Ukrainische Ermittler berichten von neu entdeckten Folterstätten

Demnach richteten die russischen Streitkräfte während Besatzung in vorherigen Haftzentren und Polizeiwachen „Pseudo-Strafverfolgungsbehörden“ ein. Dort seien „Teile von Gummiknüppeln, ein Holzschläger, ein Gerät zum Erzeugen von Stromschlägen sowie eine Glühlampe und Kugeln sichergestellt“ worden. Die russischen Behörden hätten zudem Unterlagen zur Verwaltung dieser Gefangenenlager zurückgelassen.

Die Ermittlungen zu weiteren Folterstätten und unrechtmäßigen Inhaftierungen würden fortgesetzt, hieß es weiter. Ziel sei es auch, „alle Opfer zu identifizieren“. Eine Reaktion Moskaus auf die Vorwürfe blieb bisher aus.

Ukraine-Krieg: Inspektionen in Cherson nach Schaden an einem Öl-Tank
Aufnahme vom 20. November: Inspektionen in Cherson nach Schaden an einem Öl-Tank © Bulent Kilic/AFP

Ukraine-News: Litauen ändert laut Bericht Plan der Waffenlieferung an Kiew

Update vom 21. November, 12.51 Uhr: In Litauen scheinen Überlegungen, eigene Panzerhaubitzen 2000 und Luftverteidigungsysteme an die Ukraine zu liefern, im Sande verlaufen zu sein. Das berichtet der litauische öffentlich-rechtliche Sender LRT unter Berufung auf Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas. Stattdessen soll Munition für die Haubitze zur Verfügung gestellt werden.

Anušauskas nannte keine Gründe für die Entscheidung, die nach der Sitzung des Staatsverteidigungsrates (VGT) fiel. „Das Treffen fand in einem geschlossenen Format statt, daher werde ich nicht auf Einzelheiten eingehen“, so der Minister. Das Nachbarland Lettland hat der Ukraine sechs Panzerhaubitzen 2000 übergeben.

Panzerhaubitze 2000 bei einer Übung in Weiden
Litauen wird keine Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine Liefern. (Archivfoto) © Andreas Beil/Imago

Laut Anušauskas beläuft sich die Hilfe von Vilnius für Kiew derzeit auf über 640 Millionen Euro. Davon entfielen geschätzt 232 Millionen Euro auf militärische Hilfe.

Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums: Russland baut im Osten der Ukraine Verteidigungspositionen aus

Erstmeldung vom 21. November: Kiew/Moskau/London - Die russischen Streitkräfte sollen sich nach ihrem Rückzug über den Fluss Dnjepr in der Südukraine auf die Verteidigung der Stadt Swatowe im Osten des Landes konzentrieren. Das geht aus der täglichen Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums zum Ukraine-Krieg hervor.

Ursache ist demnach, dass die Truppen von Wladimir Putin dort am verletzlichsten sind. „Als bedeutendes Bevölkerungszentrum im Gebiet Luhansk wird die russische Führung höchstwahrscheinlich die Beibehaltung der Kontrolle über Swatowe als politische Priorität ansehen“, hieß es demnach aus London.

In der Gegend habe es in den vergangenen Wochen heftige Artilleriegefechte gegeben. Russland baue dort wie an anderen Stellen der Front seine Verteidigungspositionen aus, die allerdings vornehmlich mit schlecht ausgebildeten Reservisten besetzt seien.

„Die Kommandeure kämpfen jedoch wahrscheinlich mit der militärischen Realität, eine glaubwürdige Verteidigung aufrechtzuerhalten, während sie gleichzeitig versuchen, offensive Operationen weiter südlich in Donezk mit Ressourcen auszustatten“, teilte das Ministerium weiter mit. „Sowohl die Verteidigungs- als auch die Offensivfähigkeit der russischen Truppen wird weiterhin durch einen ernsthaften Mangel an Munition und qualifiziertem Personal behindert.“

Ukraine-Krieg: Russland hat seit Kriegsbeginn 4700 Raketen abgeschossen

Die Ukraine leidet indes weiterhin schwer unter dem Beschuss durch russische Raketen und Drohnen. Seit Kriegsbeginn hat Russland die Ukraine nach deren Angaben mit knapp 4700 Raketen beschossen und große Teile des Landes in Trümmer gelegt. „Hunderte unserer Städte sind praktisch niedergebrannt, tausende Menschen wurden getötet, Hunderttausende wurden nach Russland deportiert“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag (20. November).

Ukraine-Krieg - Kramatorsk
Präsident Selenskyj wirft Russland vor, die Ukraine in Trümmer zu legen. Hier inspiziert eine Frau die Reste ihres Hauses in Kramatorsk, das laut ukrainischen Angaben durch russischen Beschuss beschädigt wurde. (19. November 2022) © Andriy Andriyenko/dpa/picture alliance

Sowohl der Staatschef als auch der Generalstab in Kiew berichteten zudem, dass es weiterhin schwere Kämpfe vor allem im Donbass-Gebiet im Osten des Landes gebe. Obwohl es wegen der Verschlechterung des Wetters weniger Angriffe gibt, bleibt die Zahl der russischen Artillerieüberfälle leider hoch.“ Auch der Generalstab in Kiew hatte zuvor von fortgesetzten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten im Osten des Landes berichtet. Bei Luhansk seien mehrere russische Vorstöße abgewehrt worden, hieß es. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

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