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Die Verantwortlichen an der Universitätsklinik sind erzürnt. "Die Darstellung ist nachweislich falsch", erklärt Sprecher Christoph Lunkenheimer.

Uniklinik: „Darstellung ist falsch&ldquo

ARD-Bericht sieht Hygienemängel in Krankenhäusern ? Frankfurter Kliniken wehren sich

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Eines von vier Krankenhäusern in Deutschland erfüllt die gesetzlichen Hygienevorschriften nicht. Zu diesem Schluss kommt die ARD-Sendung „Plusminus“ und sieht auch bei der Frankfurter Uniklinik, den Rot-Kreuz-Klinken und den Bad Homburger Hochtaunuskliniken Defizite.

Es ist die Horrorvorstellung schlechthin: Da geht man ins Krankenhaus, um gesund zu werden, und kommt am Ende kränker heraus als zuvor. Etwa 800 000 Patienten, so schätzen Experten, infizieren sich jedes Jahr in deutschen Kliniken mit gefährlichen Keimen. Kein Wunder, so suggeriert es ein gestern Abend ausgestrahlter Bericht des ARD-Magazins „Plusminus“. Schließlich erfülle jedes vierte Krankenhaus in Deutschland die Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts nicht. Defizite sehen die Reporter unter anderem beim Frankfurter Universitätsklinikum, den Rot-Kreuz-Kliniken, bei den Bad Homburger Hochtaunuskliniken und dem Sana Klinikum in Offenbach. Alle vier sollen im Jahr 2014 zu wenig qualifiziertes Hygienepersonal beschäftigt haben. Die Kliniken weisen diese Vorwürfe zurück.

Vor allem an der Uniklinik sind die Verantwortlichen erzürnt: „Die Darstellung ist nachweislich falsch“, erklärt Sprecher Christoph Lunkenheimer. Unter anderem bemängelt „Plusminus“, dass es dort keine „hygienebeauftragten Pflegekräfte“ gebe. Lunkenheimer hält dagegen, dass die von der ARD zitierten Daten aus dem Jahr 2014 veraltet seien. Damals habe die Uniklinik tatsächlich keine Pflegekräfte explizit als „Hygienebeauftragte“ benannt. Aber schon seit längerem nehme das Haus alle Mitarbeiter in die Pflicht, die Hygienevorschriften einzuhalten.

Aktuell beschäftigt die Uniklinik laut Lunkenheimer 74 Hygienebeauftragte in der Pflege, außerdem 30 hygienebeauftragte Ärzte sowie einen Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin. Damit, so Lunkenheimer, seien die gesetzlichen Forderungen übererfüllt. Er sieht das Haus als „Hygienevorreiter“.

Tatsächlich genießt das Frankfurter Universitätsklinikum bundesweit in Sachen Hygiene einen hervorragenden Ruf und arbeitet eng mit dem Robert-Koch-Institut zusammen. Beim jüngsten Keimausbruch am Universitätsklinikum in Kiel, bei dem bei drei schwerkranken Patienen eine Infektion eine Rolle bei deren Tod gespielt haben könnte, wurden die Experten des Uniklinikums Frankfurt gebeten, nachzuprüfen, ob die Kollegen in Kiel etwas fasch gemacht haben beim Umgang mit dem gefährlichen Erreger Acinetobacter Baumanii. Dies wurde von den Frankfurtern verneint - die Kieler Kollegen haben wohl alles richtig gemacht. Auch bei der Behandlung des Lassa- und des Ebola-Patienten hatten die Frankfurter zuletzt bewiesen, dass es dem Kampf gegen gefährliche Erreger gewachsen ist.

Auch Julia Hefty, Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken, weist die Kritik an ihrem Haus kategorisch zurück: „Es erschließt sich mir überhaupt nicht, wie die darauf kommen. Wir erfüllen die gesetzlichen Hygienevorschriften zu 100 Prozent und das schon lange vor 2014.“ Als eines der ersten Krankenhäuser überhaupt habe man bereits vor Jahren einen Hygienebeauftragten eingestellt, drei Pflegekräfte seien für das Thema freigestellt. „Die machen nichts anderes“, betont Hefty.

Darauf, dass der ARD-Bericht auf veralteten Daten basiert, verweist auch Martin Camphausen, Sprecher der Frankfurter Rot-Kreuz-Kliniken. Zwischenzeitlich habe das Haus zwei Hygienefachkräfte ausgebildet, außerdem sei man bemüht, Pflegekräfte für die Weiterbildung zu Hygienebeauftragten zu gewinnen. „Dieser Prozess benötigt Zeit“, sagt Camphausen.

Das Magazin „Plusminus“ zitierte in dem Bericht einen Klinikmitarbeiter, der die Wirksamkeit von Reinigungen generell in Frage stellte: „Konsequenzen gibt es nicht, wenn Reinigungskräfte, die fast alle nur Zeitverträge haben, schlecht arbeiten. Alle sind zufrieden, wenn sie ihre Station und noch eine halbe Station dazu schaffen.“

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