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Aufhebung der Corona Regeln: Jetzt ist mehr Eigenverantwortung gefragt

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Von: Christiane Warnecke

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Wir dürfen die vielen Toten nicht einfach ausblenden

Deutschland folgt den europäischen Nachbarn und hebt von diesem Wochenende an fast alle Corona-Schutzmaßnahmen auf. Wieder ohne Maske einkaufen gehen und nicht mehr andauernd das Handy mit dem Impfnachweis und den Personalausweis herauskramen, das kommt einem schon fast unwirklich vor. So sehr haben wir uns inzwischen an viele Schutzmaßnahmen gewöhnt. Doch trotz höchster Infektionszahlen wagen wir es nun, Corona zunehmend als "normale" Krankheit zu betrachten, die nicht mehr ganz so viele Menschen so schwer trifft, dass sie deshalb ins Krankenhaus oder sterben müssen, wie es noch bei der Delta-Variante der Fall war.

So lange keine neue gefährlichere Virusmutation auftaucht, ist es rechtlich, wirtschaftlich und auch aus Gründen des gesellschaftlichen Zusammenhalts unausweichlich, diesen Schritt zu gehen. Doch er kommt zu früh. Gerade jetzt, wo das Robert-Koch-Institut eine Trendumkehr beobachtet, ist es riskant, diese zarte positive Entwicklung aufs Spiel zu setzen. Zwar sind die Kliniken in den meisten Bundesländern derzeit nicht von Überlastung bedroht, weshalb auch die Hotspot-Regelung in vielen Bundesländern nicht rechtssicher angewendet werden kann. Doch das könnte sich schnell wieder ändern. Allein durch den Wegfall der Maskenpflicht an vielen Orten wird es unweigerlich zu einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen kommen, was auch fast alle Experten vorhersagen. Und das kurz vor den Osterferien, in denen viele Familienbesuche und Reisen anstehen. Es wäre umsichtiger gewesen, mit den drastischen Lockerungen bis eins oder zwei Wochen nach den Ferien zu warten.

Doch jetzt müssen wir mit der neuen Rechtslage umgehen. Viele werden sich darüber freuen, endlich die Masken fallenlassen zu dürfen, doch andere fühlen sich dadurch gefährdet. Selbst viele Schüler sind hin und hergerissen zwischen Freude über die neue Freiheit und der Unsicherheit, ob sie sich deshalb vielleicht noch kurz vor den Ferien infizieren und sie und ihre Familie dann eventuell eine geplante Reise absagen müssen.

Jetzt hat es jeder selbst in der Hand, ob er sich weiter schützen möchte oder nicht. Geschäftsleute auf ihr Hausrecht hinzuweisen, ist unrealistisch. Kaum einer wird nach der langen Durststrecke der Pandemie und hohen Einbußen weiterhin seine Kunden mit einer selbst verhängten Maskenpflicht verprellen. Es ist also Eigenverantwortung gefragt. Und Solidarität. Denn wer noch ein paar Wochen länger freiwillig etwa mit Maske einkaufen geht, schützt nicht nur sich selbst - was nur mit einer FFP2-Maske funktioniert -, sondern auch andere. Menschen mit Vorerkrankungen etwa und Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Und im übrigen auch die vielen Ungeimpften - gerade in der Gruppe der Über-60-Jährigen, die mit dieser Entscheidung noch immer ein hohes Risiko eingehen.

Und damit wir bis zum Herbst nicht wieder vor einem neuen Lockdown stehen, bleibt zu hoffen, dass sich der Bundestag zumindest auf eine Impfpflicht ab 50 Jahren verständigen kann, was sich derzeit abzeichnet. Denn ein Ende der Pandemie ist nur dann in Sicht, wenn die Immunisierungsrate in Deutschland deutlich höher liegt als noch jetzt. Und das Risiko einer Durchseuchung der Bevölkerung wäre einfach zu hoch.

Wir dürfen bei aller Sehnsucht nach Normalität und dem Ende staatlicher Eingriffe in unsere Freiheit nicht vergessen, dass noch immer an vielen Tagen mehr als 200 Menschen in unserem Land an Covid-19 sterben. Das können wir nicht einfach ausblenden.

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