1. Startseite
  2. Politik

Bahn-Chef Grube: Betreutes Arbeiten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Panagiotis Koutoumanos

Kommentare

Panagiotis Koutoumanos
Panagiotis Koutoumanos © (FNP)

Offenbar versucht Bahn-Chef Rüdiger Grube immer noch, uns weiszumachen, dass er der Herr im Staatskonzern ist.

Anders ist seine gestrige Ankündigung, wonach er die Bahn-Töchter Schenker und Arriva wegen des Brexit-Votums doch nicht an die Börse bringen und den Aufsichtsrat entsprechend informieren will, kaum zu interpretieren.

Natürlich wäre es jetzt angesichts des durch den Brexit stark verunsicherten britischen Marktes alles andere als sinnvoll, die Nahverkehrstochter Arriva in London an die Börse zu bringen – schließlich erzielt die Gesellschaft trotz ihrer zügigen internationalen Expansion noch mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Königreich. Aber davon abgesehen, dass der Logistiker Schenker an die Frankfurter Börse gebracht werden sollte und dessen Geschäft durch den Brexit kaum belastet wird, ist die Entscheidung gegen die Teilprivatisierung ohnehin längst gefällt worden: nicht von Grube, sondern von der Bundesregierung, die für den Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn AG steht – und zwar gegen den Widerstand Grubes.

Als sie Ende September beschloss, den Konzern mit weiteren Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt und über Dividenden-Kürzungen zu bezuschussen, war schon klar: Die Börsengänge landen auf dem Abstellgleis. Dabei spricht aus betriebswirtschaftlicher Sicht nichts dagegen, Anteile von Schenker zu verkaufen, um die Finanzlöcher in der Bahn-Bilanz zu stopfen, die im Zuge der geplanten Qualitäts- und Investitionsoffensive immer größer werden. Synergien zwischen Schenker und der notleidenden Güterbahn DB Cargo gibt es ohnehin so gut wie keine.

Aber in der Politik hat es schon lange Vorbehalte gegen die Teilprivatisierung gegeben – denn viele Politiker in den beiden Regierungsfraktionen wollen sich nicht von privaten Investoren reinreden lassen, wenn es um die Führung des Staatskonzerns geht, der im deutschen Personenverkehr nach wie vor als Teil der Daseinsvorsorge gesehen wird. Für diese Politiker war das Brexit-Votum nur der willkommene Anlass, um die Teilprivatisierung auszubremsen. Lieber noch ein paar Milliarden Euro Steuergelder zuschießen als die Kontrolle über den Konzern teilen müssen. Denn wer weiß, am Ende hätten private Investoren vielleicht verhindern können, dass die – seit der Bahnreform angeblich unternehmerisch geführte – Bahn AG irgendwo in Deutschland auf Geheiß der Politik Bahnhöfe und Schienenstrecken betreibt, die sich nie und nimmer rechnen können.

Dieser Polit-Filz, der – neben unstrittigen Management-Fehlern Grubes – für die finanzielle Misere des Konzerns verantwortlich ist, kann nun noch wachsen. Denn natürlich verbindet die Politik mit den zusätzlichen Finanzspritzen weitergehendere Kontroll-Rechte. Künftig dürfte Grubes Führungstätigkeit mit dem Begriff „Betreutes Arbeiten“ am besten beschrieben sein.

Auch interessant

Kommentare