1. Startseite
  2. Politik

Das bedeutet der Kurssturz der Deutschen Bank

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Baumgartner

Kommentare

Die Aktie der Deutschen Bank findet nicht aus dem Abwärtsstrudel. Gestern stürzte der Kurs erneut um bis zu 7,6 Prozent auf den langjährigen Tiefstand von 10,54 Euro ab.
Die Aktie der Deutschen Bank findet nicht aus dem Abwärtsstrudel. Gestern stürzte der Kurs erneut um bis zu 7,6 Prozent auf den langjährigen Tiefstand von 10,54 Euro ab. © AFP

Die Aktie der Deutsche Bank ist auf den tiefsten Stand seit rund 25 Jahren gefallen. Das Management verbreitet Durchhalteparolen. Was passiert, wenn sich die Bank am Markt kein Kapital mehr besorgen kann?

Er würde sich schämen, wenn er in der Krise Staatsgeld annehmen würde, hatte Josef Ackermann getönt, der frühere Deutsche-Bank-Chef. Nun trägt seine Hinterlassenschaft – eine ausgedünnte Kapitaldecke, um so die Rendite nach oben zu treiben – maßgeblich Schuld daran, dass immer vernehmlicher spekuliert wird, ob die größte deutsche Bank frisches Geld benötigt. Und woher sie es wohl nehmen könnte.

Das Management verbreitet Durchhalteparolen: Eine Kapitalerhöhung sei "derzeit" kein Thema, die Strafe in den USA könne noch deutlich geringer ausfallen als 14 Milliarden Dollar. Ohnehin müsste die Bank noch einen kräftigen Abschlag auf den rekordniedrigen Kurs bieten, um ihre Papiere überhaupt loswerden zu können. Damit dann genug Geld zusammenkäme, müssten die Anteile der Altaktionäre kräftig verwässert werden. Die haben seit Ende letzten Jahres ohnehin mehr als die Hälfte ihres Einsatzes verloren und fänden das vermutlich wenig witzig.

Doch was ist, wenn die Geldstrafen für die Sünden der Vergangenheit höher ausfallen als die gebildeten Rückstellungen? Oder schärfere Regeln der Bankenaufseher – gerade die Deutsche Bank mit ihrem dicken Handelsbuch und ihren riesigen Derivate-Beständen ist bei Änderungen der Berechnungsmethoden verwundbar – die Kapitalpolster unter die Mindestanforderungen abschmelzen lassen?

Kann die Bank sich am Markt kein Kapital mehr besorgen, beispielsweise über den Verkauf der Tochter Postbank, kommen "bail-in" und "bail-out" in Frage. Die "bail-in"-Möglichkeit ist in der neuen EU-Abwicklungsrichtlinie ausdrücklich vorgesehen – auch wenn sich aktuell in Italien zeigt, wie schwer die Mithaftung durch Anleihegläubiger durchzusetzen ist. Acht Prozent der Verbindlichkeiten sollen Aktionäre und Gläubiger im Fall einer Schieflage beisteuern. Bei den Aktionären der Deutschen Bank wäre schon rein rechnerisch – bei einem verbliebenen Börsenwert von 14,5 Milliarden und einer Bilanzsumme von 1629 Milliarden Euro – nicht einmal ein Prozent zu holen. Und dass ein Politiker im Wahljahr 2017 den Sparern den Verlust ihrer Einlagen (oberhalb von 100 000 Euro) erklären möchte, darf bezweifelt werden.

Da aber die Deutsche Bank unzweifelhaft "too big to fail" (zu groß für ein Scheitern) ist, kämen alternativ nur Staatshilfen in Frage – jener "bail-out", den die EU-Regeln eigentlich untersagen.

Bevor Angela Merkel dem Steuerzahler solche Rettungsgelder erklären muss, sollte sie sich besser zu einer – zumindest verbalen – Intervention gegenüber der US-Regierung bereitfinden. Denn das demonstrative Schweigen aus Berlin fordert die Zocker an den Finanzmärkten geradezu heraus, die Aktie weiter nach unten zu treiben und damit die Krise der einst stolzen Bank zu verschärfen. Die Zehn-Euro-Marke könnte der Kurs jedenfalls schon bald reißen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Kommentare