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Politische Debatte

Grünen-Chef Özdemir fordert Tempolimit von 130 km/h für den Klimaschutz 

Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hält ein Tempolimit auf Autobahnen für ein „Gebot der Vernunft“. Dies sagte er gestern im ARD-Morgenmagazin zur Debatte über eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den Klimaschutz.

Berlin - Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hält ein Tempolimit auf Autobahnen für ein „Gebot der Vernunft“.  Dies sagte er gestern im ARD-Morgenmagazin zur Debatte über eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den Klimaschutz. „Das ist so ein bisschen, wie wenn Sie mit Amerikanern über das Recht, Waffen zu tragen, diskutieren“, sagte er. „Diese Debatte in Deutschland wird leider sehr irrational geführt.“

Grüne fordern seit Jahren Tempolimit auf deutschen Autobahnen

Die meisten Länder haben Tempolimits auf Autobahnen. Die Grünen fordern seit Jahren ein Tempolimit. Sie argumentieren, wenn Autos schneller führen, stießen sie mehr CO2 aus, es gebe schwerere Unfälle und einen schlechteren Verkehrsfluss (auch interessant: Aufstand nach „Hart aber fair“ - Lungenfachärzte über Feinstaub-Grenzwerte: „Wahnsinnige Hysterie“). Özdemir sagte, ihm sei bewusst, dass seine Partei mit ihrer Forderung keine Mehrheit habe. „Ich weiß, das ist in Deutschland so, als wenn Sie für Männer eine Art amtlich verfügte Potenzminderung durchsetzen würden.“

ADAC zweifelt Sinn des Tempolimits für den Klimaschutz an

Der ADAC hat unterdessen den Sinn eines Tempolimits angezweifelt. Länder mit einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung wie Österreich, Belgien oder die USA schnitten „was die Verkehrssicherheit betrifft nicht besser ab als Deutschland“, sagte Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident Verkehr des Automobilclubs, gestern.

Cem Özdemir ist für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

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Eine von der Regierung beauftragte Expertenkommission arbeitet zurzeit an Vorschlägen für mehr Klimaschutz. Eine Arbeitsgruppe diskutiert dabei ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen.

(dpa )

Kommentar von Pia Rolfs: die Mär von der Freiheit

In anderen Ländern gehen die Menschen für die Freiheit auf die Straße, in Deutschland wollen sie auf der Straße lieber frei rasen. So ließe sich überspitzt formulieren, was sich derzeit wieder zeigt: Ein Tempolimit gilt vielen noch als Freiheitsberaubung.

Dabei ist diese Freiheit eine Mär: Autofahrer stehen oft auf maroden Straßen in langen Staus, kriechen in zähfließendem Verkehr voran. Doch nach der Baustelle wollen sie die verlorene Zeit aufholen – und dieses Rasen ist unfallträchtig, auch wenn die Verkehrstoten-Zahlen dank moderner Sicherheitssysteme im Auto zurückgehen. Doch es geht wohl weniger um die Freiheit des Fahrers als vielmehr um die der Autoindustrie. Wären doch bei einem Tempolimit PS-Boliden unattraktiver. Und auch immer mehr ausländische Temposünder kommen gern ins „Raserparadies Deutschland“, wie die Polizei beklagte.

Glücklicherweise deutet sich aber ein Umdenken an. Abgasskandale haben das Vertrauen in die Autoindustrie erschüttert, das Klima-Bewusstsein wächst – und mit dem Tempo steigt eben die Feinstaubbelastung. Einige fürchten inzwischen auch den Tempokampf auf der Straße, Senioren und Frauen befürworten laut einer Forsa-Umfrage mehrheitlich ein Limit. Und für die Jüngeren gilt das Auto ohnehin nicht mehr als „Heilige Kuh“, ist autonomes Fahren attraktiv. Doch diejenigen, die derzeit entscheiden, gehören größtenteils einer autoverliebten Generation an. Deswegen wird vorerst wohl weitergerast.

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