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Kommentar zu Noten: Fatale Spirale der Notenhörigkeit

Früher flossen die Tränen bei einer Fünf, heute manchmal schon bei einer Zwei. Denn die Eins, früher selten erreichte Traumnote, ist heute oft schon der Normalfall. Doch auch wenn diese Entwicklung schon länger beklagt wird, dreht sich die Spirale der Notenhörigkeit immer weiter: Manche Eltern wollen keine schlechten Bewertungen ihrer Kinder akzeptieren und machen Druck auf Lehrer. Diese wiederum möchten beliebt sein, Universitäten wollen ganz nach oben ins Ranking. Das eigentlich sinnvolle Feedback, das Schüler und Studenten ihren Lehrkräften geben können, führt paradoxerweise am Ende dazu, dass sich alle gegenseitig gut benoten. Schöne neue, irreale Welt.

Kritik an Abiturnoten: Lehrer fordern strengere Bewertungen

Das Fatale an dieser Entwicklung aber ist nicht, dass Arbeitgebern die Auswahl bei Einstellungen schwer fällt – angesichts des demographischen Wandels werden sie bei den Noten schon bald nicht mehr wählerisch sein können. Sondern dass ohne angemessene Bewertungen jungen Menschen die Orientierung fehlt. Viele haben auf der ständigen Jagd nach Noten keinen Raum mehr für Kreativität. Und sie wissen angesichts der einheitlich guten Beurteilungen nicht mehr, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, für welchen Beruf sie geeignet sind und welcher Job sie glücklich macht. Das aber sollte eigentlich die vordringlichste Aufgabe des Bildungssystems sein.

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