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Börse: Neue Schranken

Strafzölle kennen nur Verlierer. Wer Dumping wittert, kann sich an die Welthandelsorganisation (WTO) wenden, damit die das regelt. Das hat bereits in sehr vielen Fällen funktioniert.

Strafzölle kennen nur Verlierer. Wer Dumping wittert, kann sich an die Welthandelsorganisation (WTO) wenden, damit die das regelt. Das hat bereits in sehr vielen Fällen funktioniert. Einseitig ausgesprochene Sanktionen, wie die jetzt angekündigten US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium und die im Nachgang angedrohten Maßnahmen gegen Importautos aus Europa und Fernost, bewirken das Gegenteil des angestrebten Schutzes der heimischen Wirtschaft.

Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Isolationspolitik des US-Präsidenten ist nicht übertrieben. Die von Donald Trump angekündigten Zölle liefern alle Zutaten, um die Weltwirtschaft abzuwürgen und eine Rezession auszulösen. Nicht zuletzt in den USA übrigens. Wenn US-Stahlkocher und Autohersteller von Konkurrenz befreit aufspielen können, werden die Preise steigen, was die Investitionslust der Firmen bremsen und die Konsumfreude der US-Verbraucher dämpfen wird.

Die Unternehmen wissen, was ihnen droht. Mehr als 90 Prozent der in einer Umfrage der amerikanischen Handelskammer (AmCham) befragten US-Firmen glaubt nicht an den Nutzen von Strafzöllen und befürchtet sehr wohl einen Handelskrieg. Das zeigt, dass die Maßnahmen nicht im Sinne der US-Wirtschaft erfolgen. Sie sind reiner Wahlkampf aus der Populismus-Ecke. Donald Trump fürchtet einen Handelskrieg nicht, weil er „leicht zu gewinnen“ sei. Er muss ihn vor allem deshalb nicht fürchten, weil die Spätfolgen erst nach einer möglichen zweiten Amtszeit so richtig greifen werden.

Europa und Asien sollten sich auf diesen Quatsch nicht einlassen. Die Antwort auf Handelsbeschränkungen in den USA sollten nicht Gegenzölle sein, sondern ein offenerer Handel untereinander. Weder Politik noch Wirtschaft haben das begriffen. Als Beispiel mag da Siemens-Chef Joe Kaeser dienen, der Trump auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos versprach, Arbeitsplätze in den USA zu schaffen, die in Görlitz wegfallen sollen.

Man kann die Freiheit auf dem Altar kurzfristiger Gewinnmaximierung opfern. Wer nur solche Gegenüber hat, hat natürlich leichtes Spiel. Den Börsen stehen stürmische Zeiten bevor.

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