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Dieter Sattler

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Kommentar zur FDP: Breiter aufstellen

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In Umfragen sind die Liberalen zwar stabil, aber der Hype von 2017 ist abgeflaut. Die Partei muss sich breiter aufstellen.

Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – und das bin ich.“ So hatte sich einer vor 18 Jahren vor die FDP gestellt. Damals hieß der Alleinherrscher Guido Westerwelle, heute Christian Lindner. Damals war die FDP in der Opposition, heute ist sie es wieder. Letztlich ist die Partei also nicht viel weitergekommen, aber Lindner hat sie nach dem tiefen Fall von 2013, als sie erstmals aus dem Bundestag flog, wieder souverän zurückgeführt. Dass sie heute noch in der Opposition sitzt, hat viel mit dem Trauma von damals zu tun. Denn die 15 Prozent, die Westerwelle 2009 geholt hatte, waren schnell zusammengeschmolzen, weil die FDP kaum etwas von ihren Wahlkampfversprechen hatten umsetzen können. Auch vor diesem Hintergrund hatte die FDP im November 2017 eine Jamaika-Koalition mit Union und Grünen platzen lassen. Wie dem auch sei: Da CDU und Grüne der FDP erfolgreich das Drückeberger-Image anhefteten, steht Lindner seitdem unter Erklärzwang. In Umfragen sind die Liberalen zwar stabil, aber der Hype von 2017 ist abgeflaut. Die Partei muss sich breiter aufstellen. Es fehlt an Unterstützung für Lindner.

Dieter Sattler

Auch thematisch muss das Portfolio erweitert werden: Das Image als Steuersenkungspartei, die sich auch für flächendeckende Digitalisierung und Bildung einsetzt, wird kaum ausreichen, um auch bei der nächsten Wahl wieder zweistellig zu werden. Man muss schließlich bedenken, dass die FDP 2017 davon profitierte, dass mancher zuwanderungsskeptische Wähler einen Mittelweg zwischen Merkel und der AfD suchte. Wenn die Union sich mit Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) wieder konservativer aufstellt, wird die FDP dieses Feld nicht mehr bespielen können. AKKs eher sozialdemokratischer Wirtschaftskurs wird nur die FDP-Stammklientel alarmieren. Die aber macht, wie 2013 gesehen, kaum fünf Prozent der Wähler aus.

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