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Kommentar von Matthias Pieren

Bus-Chaos: Die Regeln müssen sich ändern

Experten bezeichnen den öffentlichen Busverkehr als Brot- und Buttergeschäft. Warum läuft also seit dem Fahrplanwechsel im Hochtaunus- und Maintaunus-Kreis so ziemlich alles schief? Kann die Deutsche

Kann die Deutsche Bahn (DB) nur Bahn, nicht aber Bus? Ganz so einfach ist es nicht. Die aktuelle Misere einzig dem Betreiber DB Busverkehr Hessen GmbH in die Schuhe zu schieben, greift zu kurz. Dass alljährlich am zweiten Dezember-Wochenende irgendwo in Hessen ein Bus-Chaos zum Fahrplanwechsel entsteht, ist programmiert. Auch der Rhein-Main Verkehrsverbund, der oft als Sündenbock herhalten muss, kann nur bedingt etwas für das Fiasko. Er unterstützt Städte und Landkreise bei den europaweiten Ausschreibungen (EU-Verordnung). Gesetze von Bund und Land geben vor, dass der günstigste Anbieter den Zuschlag erhalten muss. Die öffentlichen Haushalte sollen ja schließlich geschont werden. Aber das aktuelle Chaos zeigt: Die Regeln müssen dringend geändert werden.

Weil Fahrplan und Qualitätsstandards in den Ausschreibungen vorgegeben sind, können die bietenden Busunternehmen nur am Personal und an der Verwaltung sparen. Alteingesessene, regionale Busunternehmen mit ortskundigen Fahrern bekommen – wenn überhaupt – nur noch als Subunternehmen eine Chance.

Beim alljährlichen Ausschreibungs-Roulette können nur noch drei große Busunternehmen mithalten: die regionalen Tochtergesellschaften des europaweit tätigen Nahverkehrskonzern transdev, die DB Busverkehr Hessen – als regionale Bustochter der Deutschen Bahn – und die HLB Hessenbus GmbH. Die regionalen Busunternehmen bleiben chancenlos.

Einen Alternativweg geht die Stadt Frankfurt. Sie hat 2014 erstmals den „hessischen Weg“ eingeschlagen: Nicht mehr alle Buslinien werden ausgeschrieben. Einige werden direkt an das Unternehmen ICB vergeben, eine Tochter der kommunalen Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Das sichert Arbeitsplätze und wahrt Kontinuität: Die Busfahrer sind ortskundig.

Eine andere Alternative ist das „Schweizer Modell“. Die Eidgenossen schreiben ebenfalls europaweit aus. Doch bekommt grundsätzlich der zweitgünstigste Anbieter den Zuschlag. Die Busunternehmen sind gezwungen, zu pokern und zu taktieren. Die Eidgenossen haben es so geschafft, die Spirale von Lohndumping und Preisverfall zu durchbrechen.

politik@fnp.de

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