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CDU Bundesparteitag

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Kommentar zur CDU: Parole hoffnungsfroh

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Die CDU durchzieht kein großer Riss - sondern viele kleine. Sie trennen Alte und Junge, Männer und Frauen, Konservative und Liberale und Soziale und die verschiedenen Machtzentren.

Der kurze Wortwechsel fand nicht hinter, sondern vor der Tür zu den Toiletten statt – deshalb ist er, wenn auch nicht in kompletter Drastik, zitabel. Es begegnen sich dort beim Hamburger CDU-Parteitag, kurz nach vollzogener Vorsitzenden-Wahl, vier weibliche Delegierte, und es sagt eine Christdemokratin zur anderen – und eigentlich nur zu ihr –, ihr gingen diese Altmännermauscheleien schon lange gegen den Strich. Und was ist die Antwort? Ein fast jubelndes „Jaaaa!“ – aber aus drei Kehlen.

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Falls irgendwer sich noch fragt, weshalb Annegret Kramp-Karrenbauer, seit sie CDU-Chefin ist, in Dauerschleife die Geschlossenheit ihrer Partei beschwört: Dies ist die Antwort. Nein, die CDU durchzieht kein großer Riss – aber viele kleine. Sie trennen, nur als Beispiele, die Basis, die wohl Friedrich Merz zum Chef gemacht haben würde, und die Delegierten, die sich knapp anders entschieden. Sie trennen Alte und Junge, Männer und Frauen, Konservative und Liberale und Soziale. Und sie trennen die nun drei Machtzentren: die Partei, die Fraktion – und die Kanzlerin samt ihren Ministern.

Die Beweise waren schon am Parteiabend zu hören, der dem Wahlakt folgte. Im Dutzend wurden da hochdetaillierte Einflussverschiebungs- und Regierungsumbildungsszenarien entworfen; die meisten von den tief enttäuschten Merzianern. Jeder in seiner Motivation verständlich, die meisten nachvollziehbar, viele auch schlüssig – nur alle mit demselben Fehler: Nie wurde berücksichtigt, wer allein das Kabinett verändern kann: Angela Merkel.

Hätte es eines späten Indizes bedurft, wie viel im Ernstfall die Zusammenarbeits-Beteuerungen des Kandidaten Merz gegolten hätten: Hier war es. Das zweite lieferten dessen frustrierte Fans, als sie dem – vielleicht aus Karrieregründen – in Loyalitätsfragen sehr geschmeidigen JU-Chef Paul Ziemiak das Generalsekretärs-Ergebnis fast so ruinierten wie 2003 die Agenda-Gegner Gerhard Schröders Adjutanten Olaf Scholz.

Aber nein: Anders als die SPD wird die CDU mit ihren Spannungen und ihrer Verunsicherung fertig werden. Zum einen, weil Merkel nicht Schröder ist. Und zum anderen, weil die Partei seit je eher als den Gefühlen der Vernunft folgt; auch wenn daran in den Wahlkampf-Wochen zu zweifeln war – sogar bei dem selbst ernannten Oberstrategen Wolfgang Schäuble.

Wie Merz hatte auch er in dem Moment, in dem es darauf ankam, falsch kalkuliert. Die davon frustrierten – und von der Drückebergerei ihres Idols zusätzlich gereizten – Merzianer werden vorerst jede klitzekleine Schwäche der Neuen zum Beleg maximaler Unfähigkeit aufbauschen. Und ihr von etwaigen Rangeleien mit der CSU bis zu Misserfolgen bei den nahenden vier Wahlen in Europa und den neuen Ländern für alles und jedes die Verantwortung zuweisen. Aber sie waren im entscheidenden Moment in der Minderheit. Und das darf Kramp-Karrenbauer und die CDU hoffnungsfroh stimmen. Berichte auf Seite 3

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