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Clinton geht zum Angriff über

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Trumps Ehefrau Melania (links) und Tochter Ivanka verfolgen die TV-Debatte live und scheinen zufrieden.
Trumps Ehefrau Melania (links) und Tochter Ivanka verfolgen die TV-Debatte live und scheinen zufrieden. © JOE RAEDLE (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)

Lange hat Amerika auf diesen Moment hingefiebert. Der erste Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump gerät zum Festspiel für die Demokratin. Ein Wendepunkt im Wahlkampf?

Hillary Clinton schießt scharf, sie teilt aus, sie trumpft mit Fakten und Zahlen. Als hätte es all die Patzer, all die Fehler, all das Straucheln der vergangenen Wochen nie gegeben. Ihr Konkurrent gerät in der Defensive. Donald Trump findet einen guten Einstieg, aber dann wirkt er nervös, greift auffallend oft zum Wasserglas, unterbricht Clinton immer wieder. Die Demokratin lächelt, wenn er spricht. Der Republikaner verzieht das Gesicht, wenn sie an der Reihe ist. Er stöhnt auf, wenn sie ihn verbal angreift. Sie bleibt ruhig.

Amerika hat auf diese Debatte hingefiebert, auf diesen ersten Schlagabtausch beider Kandidaten, die das Land so polarisieren, wie vielleicht noch nie zuvor in der Geschichte. Der Unternehmer, der noch nie ein politisches Amt inne hatte. Die ehemalige Außenministerin, über die jeder eine Meinung hat, und die vielen verhasst ist.

Der Ton ist ganz zu Beginn für wenige Augenblicke erstaunlich zahm. Trump sagt, er stimme mit Clinton überein, was Kinderbetreuung und andere Themen angehe, nur eben nicht bei den Zahlen.

Aber die 68-Jährige mag dieses Spiel nicht mitspielen. Sie will die Regeln bestimmen, das macht sie ziemlich schnell deutlich, als sie Trumps wirtschaftliche Misserfolge aufzählt, seine vielen Insolvenzen und die Steuererklärung, die er noch immer nicht veröffentlicht hat. Sie nennt ihn den „König der Schulden“, spekuliert darüber, dass er gar nicht so reich sei, wie er es vorgebe zu sein.

Clintons Nadelstiche treffen sichtbar

Sie provoziert ihn, es sind viele kleine Nadelstiche, und sie treffen Trump sichtbar unter die Haut. Als er ihr im Gegenzug ihre wechselnden Meinungen zu internationalen Handelsabkommen vorhält, sagt sie schlicht: „Donald, ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität.“ Es ist immer der Vorname, mit dem sie ihn anspricht.

Trump flüchtet sich in seine üblichen Übertreibungen, schwärmt von dem Hotel, das er gerade in Washington in Laufweite zum Weißen Haus errichtet hat. Mit seinen politischen Konzepten bleibt er weiter vage, seine Ideen zum Kampf gegen die Extremistenmiliz IS gehen nicht über die Bekenntnisse zur nötigen Härte hinaus. Die Mauer zu Mexiko, ein roter Faden seines ganzen Wahlkampfs, erwähnt er mit keinem Wort.

Perfekt hatte Trumps Team das Spiel mit den Erwartungen im Vorfeld auf die Spitze getrieben. Schicht um Schicht zeichneten sie das Bild eines Außenseiters, der keine Zeit mit intensiver Debattenvorbereitung verschwendet, und viele Medien übernahmen das als Generallinie. Die Erwartungen an Trump waren dermaßen niedrig, dass es ihm schon als Erfolg ausgelegt wurde, würde er nur auf seine üblichen Ausfälle verzichten.

Die Messlatte für Clinton war ungleich höher. Sie, die Erfahrene, müsse jedes Detail kennen, dürfe dabei aber nicht zu abgehoben wirken und müsse natürlich bei alldem etwas dafür tun, glaubwürdiger zu erscheinen.

Sie wischt das alles weg. „Ich glaube, Donald hat mich gerade dafür kritisiert, dass ich mich auf diese Debatte vorbereitet habe. Ja, ich habe mich vorbereitet. Und weißt du, worauf ich noch vorbereitet bin? Ich bin dafür vorbereitet, Präsidentin zu sein.“ Clintons Bild von Amerikas Gesellschaft ist voller Optimismus. Trump wählt die negative Zustandsbeschreibung, auf die er im Wahlkampf immer setzt: die Wirtschaft am Boden, Millionen von Arbeitsplätzen, die ins Ausland abwanderten.

Beide Kandidaten umwerben vor allem die Wählerschichten, die ohnehin schon Teil ihrer Basis sind: Trump setzt auf die weiße Arbeiterschaft, Clinton auf Frauen und Minderheiten.

Stark begonnen und dann abgebaut

Nach dem Duell beginnt der Kampf um die Deutungshoheit. Heerscharen aus beiden Lagern strömen aus, um ihre Version des Auftritts zu verbreiten. Das Medienzentrum ist rappelvoll.

Der Debattenforscher Aaron Kall sagt: „Trump hat stark begonnen. Aber am Ende hat seine mangelnde Erfahrung in Debatten und seine mangelnde Vorbereitung Clinton geholfen, die letzten Runden zu gewinnen und womöglich auch die Debatte insgesamt.“

Die „New York Times“ schreibt: „Clinton schien langsam aber stetig zu lernen, wie sie ihn angreifen und bezwingen kann.“ Die „Washington Post“ meint, der Republikaner sei fast die gesamte Zeit über in der Defensive gewesen, habe sich ein ums andere Mal verteidigen müssen. Das „Wall Street Journal“ findet, Trump habe sich als Kandidat des Wandels präsentiert. Er sei ganz der aggressive Unternehmer gewesen, der es als kluge Taktik verkaufe, im Jahr 2006 kaum Steuern gezahlt zu haben.

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