Herbst- und Winterwelle

„Zahlen sehen übel aus“: Drosten warnt vor Corona-Infektionsanstieg im Herbst

  • VonAlina Schröder
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Die derzeit eher niedrigen Corona-Fallzahlen deutet der Virologe Christian Drosten als Momentaufnahme. Die nächste große Infektionswelle stehe uns noch bevor.

Kassel – Aktuell sind die Corona*-Infektionszahlen in Deutschland auf einem eher moderaten Niveau. Laut Virologe Christian Drosten sind dies jedoch nur ein vorübergehendes Phänomen. Er rechne damit, dass das Infektionsgeschehen ab Oktober wieder richtig Fahrt aufnehmen werde. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

„Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden“, sagte der Wissenschaftler der Berliner Charité in seinem Podcast Coronavirus-Update bei NDR-Info. Am Mittwoch (29.09.2021) vermeldete das Robert Koch-Institut (RKI) eine bundesweite Inzidenz von 61,0 sowie einen starken Anstieg der Corona-Neuinfektionen.

Kommt eine Corona-Welle im Herbst? Virologe Drosten spricht Klartext

Bis Anfang September sah die Corona-Lage noch anders aus. Die zu diesem Zeitpunkt hohen Inzidenzen sind laut Drosten auf die häufigen Tests an den Schulen nach den Sommerferien zurückzuführen. Der Beginn der Winterwelle stehe uns allerdings noch bevor. Der Beginn der kalten Jahreszeit begünstige den Anstieg der Neuninfektionen genauso wie bereits im letzten Jahr. Damals sei es in der zweiten Oktoberhälfte eindeutig gewesen, „dass wir wieder in einen exponentiellen Anstieg gehen“. Der Mediziner äußerte erst vor Kurzem, dass er mit weiteren Corona-Einschränkungen im Herbst* rechne.

Aktuell sind 64,3 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft – 67,9 Prozent haben mindestens eine erste Dosis bekommen (Stand: 29.09.2021). Drosten zufolge sollte das Schließen der Impflücken ein gesamtgesellschaftliches Ziel sein. Ungeimpfte müssten von der Wirkung der Vakzine noch stärker überzeugt werden, denn der derzeitige Impfstand sei schlichtweg unzureichend. „Die Zahlen sehen übel aus“, so der Corona-Experte. Dänemark sei beispielsweise aktuell in einer deutlich besseren Situation, was unter anderem einer hohen Impfquote zu verdanken sei.

Warnt vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter: Virologe Christian Drosten erwartet die kommenden Wochen steigende Infektionszahlen. (Archivbild)

„Alles keine Lösung“: Drosten äußert sich zu neuen Corona-Behandlungsmethoden

Bislang habe man in der Corona-Forschung gute Fortschritte machen können. Bei schwereren Krankheitsverläufen gebe es bessere Möglichkeiten, diese zu behandeln, beispielsweise mit monoklonalen Antikörpern. Die relativ teuren Präparate könnten infizierte und gleichzeitig ungeimpfte Personen mit bestimmten Risikofaktoren erhalten, damit ein schwerer Verlauf rechtzeitig verhindert werden kann.

Die wichtige Covid-Impfung würde dies allerdings nicht ersetzen. „Das ist alles keine Lösung, die man allgemein empfehlen würde. Und das ist in Konkurrenz zur Impfung einfach immer die schlechtere Lösung“, betonte Drosten.

Vor Kurzem wurden Gerüchte laut, dass sich Christian Drosten zum Schutz vor Corona bewusst infizieren* möchte. Der Mediziner hat dazu Stellung genommen. (Alina Schröder) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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