Impfung wegen Corona empfohlen

Alarmierende Meldungen aus Apotheken und Praxen: Werden in Hessen die Grippeimpfstoffe knapp?

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Immer mehr Arztpraxen melden Engpässe beim Grippeimpfstoff. Droht jetzt ein Mangel an Impfdosen und welche Gefahr droht dadurch?

  • In Hessen gibt es vermehrt Meldungen, dass Grippeimpfstoffe knapp werden.
  • Apotheken und Arztpraxen können der gestiegenen Nachfrage nicht immer gerecht werden.
  • Ärztekammer und Apothekerverband haben einen genauen Blick auf die Grippeimpfung.

Frankfurt – Wer in den letzten Tagen in einer Praxis war, um sich gegen die Grippe impfen zu lassen, musste öfters unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Der Grund: Es mangelt an Impfstoffen. Aber wie groß ist das Problem wirklich?

Grundsätzlich kann der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KHV), Karl Matthias Roth, den Eindruck bestätigen: „Es erreichen uns hier und da Nachrichten aus den Praxen, dass es nur noch wenig oder keinen Impfstoff gibt“, erklärt er auf Anfrage. Aber einen grundsätzlichen Mangel kann er weder bestätigen, noch vollständig ausschließen. „Es kann niemand eine finale Aussage treffen“, so Roth. Daher ist eine genauere Betrachtung der Umstände wichtig.

„Leichtfertige Aussagen“ zur Grippeimpfung bedingen Engpässe

Roth macht „leichtfertige Aussagen des einen oder anderen Politikers“ für die aktuellen Lieferengpässe verantwortlich. Diese hätten im Zuge der Corona-Pandemie so getan, als sei Impfen jetzt für alle notwendig. Auch viele Krankenkassen sagen: „Lasst euch impfen.“ Roth dazu: „Das kann dazu führen, dass der Impfstoff knapp wird.“ Dabei wurden 2020 rund doppelt so viele Impfdosen beschafft, wie noch 2018 und 2019.

In Hessen kommt es - auch wegen der Corona-Pandemie - zu Engpässen bei Grippeimfpungen. Wie kritisch ist die Lage?

In den beiden Vorjahren waren es 13 bzw. 14 Millionen Dosen, dieses Jahr sind es 20 Millionen plus eine Notfallreserve des Bundesgesundheitsministeriums von weiteren 6 Millionen. Genug Impfdosen seien also wahrscheinlich da, so Roth. Aber: „Ich kann mir gut vorstellen, dass im Moment Firmen noch in der Auslieferung sind und die Ware noch in den Praxen ankommen muss.“ Er geht also tendenziell von temporären Lieferengpässen aus*.

Ähnlich sieht es Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband. Zwar sei die Versorgung nach Regionen in Hessen unterschiedlich und sie habe auch keinen Einblick in die regionalen Lagerbestände. Dennoch: „Ich bin zuversichtlich, dass so wie in den letzten Jahren auch es ausreichend Grippeimpfstoff geben wird.“ Auch Anfang 2019 habe es Sorgen um einen Mangel an Impfstoffen gegeben, der sich letztlich nicht bestägigt hat.

Menge der Impfdosen wird im Frühjahr festgelegt

Sowohl Roth als auch Förster erklären: Die Arztpraxen schätzen relativ früh im Jahr ein, wie viele Impfdosen sie benötigen werden. Dann wird produziert, was rund ein halbes Jahr dauert. Eine „Überproduktion“ von Impfstoffen soll möglichst verhindert werden, da die Produktion, Lagerung und logistische Bearbeitung nur dann in einem sinnvollen Verhältnis zum relativ geringen Gewinn von einem Euro pro Dosis für Apotheken stehen. Wenn dann aber unvorhergesehen Aufrufe von Krankenkassen und der Politik die Nachfrage erhöhen, kann es zu Engpässen kommen. Über diese Lieferengpässe bei Impfstoffen nicht nur in Hessen informiert auch das Paul-Ehrlich-Institut laufend. Auch wenn die Produktion früh im Jahr beginnt, können Pharmaunternehmen bei Bedarf nachproduzieren.

Impfung auch während Corona-Pandemie am besten nur für Risikogruppen

Daher sei es wichtig, erklären Förster und Roth, dass Impfungen vor allem für Risikogruppen zur Verfügung stehen. Das sind Menschen im Gesundheitswesen und alle über 60. Außerdem sollten sich Personen mit geschwächten Immunsystem impfen lassen, die aber meist von ihren Ärzten oder von sich aus darüber informiert seien, so Förster. „Meine Empfehlung: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, ob er noch Grippeimpfstoff bekommt oder ob die Apotheke nachliefern muss. Ob sich Menschen, die gesund sind und nicht permanent Menschen an sich vorbeilaufen haben, impfen, das muss jeder selbst wissen“, erklärt Förster.

Die Aufrufe, sich impfen zu lassen, stehen vor allem in Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Pandemie. Der Gedanke dahinter ist, dass wenn weniger Menschen wegen der „echten Grippe“ in Krankenhäusern behandelt werden müssen, werden diese entlastet, um Corona-Patienten zu behandeln. (Marcel Richters) *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt / dpa

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