Coronavirus - Betriebsimpfungen
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In Deutschland ist etwa ein Viertel der Menschen vollständig gegen Corona geimpft: Einige haben dafür bezahlen müssen. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Abzocke mit Impfungen? Wie Betriebsärzte zusätzlich verdienen

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Der Impfschutz vor Corona soll kostenlos sein. Doch ein Bericht zeigt, wie aus den Impfungen ein regelrechtes Geschäft wird.

Frankfurt – Eine Impfung zum Schutz vor dem Coronavirus* bezahlt normalerweise der deutsche Staat. Finanziell gesehen sollen alle Bürgerinnen und Bürger gleich behandelt werden. Benachteiligungen soll es eigentlich nicht geben.

Doch es häufen sich Berichte, die Fragen aufwerfen: Offenbar versuchen einige Dienstleister und Ärzte, mit der Corona-Impfung doppelt Geschäft zu machen.

Corona-Impfung: Dienstleister erkennen lukratives Geschäft

Rund ein Viertel der Deutschen ist bereits vollständig gegen Corona geimpft. Seit dem 7. Juni werden Betriebe in die Impfungen mit einbezogen. Wöchentlich sollen laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 500.000 Impfdosen zur Verfügung gestellt werden.

Ein privat versicherter Journalist soll sich laut dem Magazin Wirtschaftswoche für eine entsprechende Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca angemeldet haben. Der Betriebsarzt habe anschließend 50 Euro von ihm verlangt und erklärt, dass die Schutzimpfung nur für gesetzlich Versicherte kostenlos sei. Der Mann habe noch nie von diesen zusätzlichen Kosten gehört, zahlte aber, um den Corona-Impfschutz zu erhalten, heißt es im Bericht. Auch für die Kassenärztliche Vereinigung sei das Verhalten des Arztes befremdlich. Die KV stellte klar, dass die Impfungen für alle kostenlos seien, unabhängig von der Art der Versicherung.

Corona-Impfung eigentlich kostenlos

Auch der Bekannte eines Mitarbeiters eines Kölner Kreditinstituts habe von einer Impfaktion für Freunde und Verwandte gehört und sich angemeldet – für 49 Euro. Dem Magazin soll eine E-Mail inklusive Einwilligungserklärung vorliegen, dass die Kosten für den Dienstleister vom Gehalt des jeweiligen Mitarbeiters abgezogen werden. Dabei handle es sich um eine „reine Prozessgebühr“. Weiter heißt es: „Die Kosten für den Impfstoff werden vom Bund getragen.“ Allerdings zahlt der Bund über die KV auch die Leistungen der Ärzte.

An der Klinik hätten rund 250 Menschen gewartet. Für sie war ein Schnelltest Pflicht – ganz egal, ob sie ein aktuelles Negativergebnis vorlegen konnten oder nicht. Für den Dienstleister, dessen Name den Impfwilligen und der Wiwo unbekannt geblieben sei, scheinen die teilweise nicht notwendigen Tests eine lukrative Einnahmequelle zu sein. Viele Großunternehmen, wie Eon oder DHL, greifen auf solche Dienstleister zurück, denn die meisten übernehmen die Bestellung der Impfdosen, das Personal und die Impfungen an sich.

Corona-Impfung: Mit Tests vor Ort doppelt verdient

Haus- und Betriebsärzte erhalten für die Impfleistung 20 Euro pro Patient. Die Impfverordnung lässt individuelle Vereinbarungen von Unternehmen mit einem Betriebsarzt oder einem außerbetrieblichen Dienst ausdrücklich zu. Allerdings schließt sie den Vergütungsanspruch über die KV aus, wenn der Betriebsarzt „Leistungen […] im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses in einem Betrieb oder im Rahmen einer Tätigkeit für einen überbetrieblichen Dienst von Betriebsärzten erbringt“ oder „ihm Leistungen …] bereits anderweitig im Wege seiner Beauftragung durch ein Unternehmen vergütet werden“.

Das bedeutet: Wird ein Arzt oder eine Ärztin von einer Firma oder einem Dienstleister bezahlt, dürfen diese Impfleistungen von ihnen nicht über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden.

„Über die in der Coronavirus-Impfverordnung geregelte Vergütung hinaus Zahlungen für die Durchführung einer Corona-Schutzimpfung“ anzunehmen oder zu verlangen, ist gänzlich verboten und unter Umständen strafrechtlich relevant, betont das Gesundheitsministerium.

Der anfangs erwähnte Journalist habe seine 50 Euro weder erstattet, noch eine Quitting bekommen. Auch eine Erklärung des Betriebsarztes, dessen Verhalten Fragen aufwirft, habe er nicht erhalten. (Lukas Rogalla) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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