Mehrere Festnahmen

„Querdenker“-Demo in Berlin: Demonstranten attackieren Journalisten-Vertreter und schlagen auf ihn ein

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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In Berlin ist es am Sonntag zu den befürchteten Auseinandersetzungen zwischen Gegnern der Corona-Maßnahmen und der Polizei gekommen. Die Beamten griffen zu schwerem Gerät.

  • In Berlin waren Kundgebungen am Wochenende untersagt worden, trotzdem kam es zu Versammlungen (siehe Ursprungsmeldung).
  • Die Polizei nahm bei den Corona-Demos mehrere Menschen fest (siehe Update vom 1. August, 17.46 Uhr und 22.10 Uhr).
  • Während der Proteste verstarb ein Mann, vermutlich an einem Herzinfarkt (siehe Update vom 2. August, 18.04 Uhr).

Update vom 2. August, 19.54 Uhr: Bei der „Querdenker“-Demo in Berlin wurde außerdem der Berliner Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion, Jörg Reichel, von Teilnehmern angegriffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und Berufung auf die Gewerkschaft Verdi.

Nach eigenen Angaben wurde Reichel vom Fahrrad gezerrt. Demonstranten hätten dann auf ihn eingetreten und -geschlagen. Erst als Passanten eingriffen, seien sie geflüchtet. Reichel wurde verletzt und musste in einer Klinik behandelt werden. Der Staatsschutz übernahm laut Polizei die Ermittlungen.

„Querdenker“ attackieren Journalisten-Vertreter in Berlin: Drohungen via Telegram

„Diese brutale Gewalttat zeigt überdeutlich, dass es bei den sogenannten Querdenker-Demos nicht um Kritik und Meinungsfreiheit geht, sondern um eine Ansammlung von Feinden der Demokratie“, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz. Reichels Foto und Name seien in einschlägigen Telegram-Gruppen geteilt worden. Er selbst habe Bedrohungen und Anfeindungen öffentlich gemacht, teilte die Gewerkschaft mit.

Die Bundesregierung nahm die Ausschreitungen nach den Worten ihrer stellvertretenden Sprecherin Ulrike Demmer „mit großer Besorgnis“ wahr. Gewalt aus Demonstrationen heraus sei nicht akzeptabel, sagte sie am Montag in Berlin.

Obduktion: Teilnehmer der „Querdenker“-Proteste in Berlin starb an Herzinfarkt

Update vom 2. August, 18.04 Uhr: Bei der „Querdenker“-Demo am Sonntag in Berlin (siehe Ursprungsmeldung) ist auch ein Mann gestorben. Der 48-Jährige hatte einen Herzinfarkt erlitten. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Montagabend mit. Das sei das vorläufige Ergebnis der Obduktion des Toten.

Den Angaben hatte er eine Sperrkette der Polizei durchbrochen, dabei einen Polizeibeamten umgerissen und verletzt. Der Polizist habe ihn daraufhin verfolgt, zu Boden gebracht und vorläufig festgenommen. Unmittelbar danach habe der Mann über Schulterschmerzen geklagt, aber zunächst auf einen Arzt verzichtet.

Todesfall bei „Querdenker“-Demo in Berlin: Ermittlungen zur Todesursache dauern an

Später habe er erneut über Schmerzen geklagt, sodass die Polizei einen Rettungswagen angefordert habe, der nach wenigen Minuten eingetroffen sei. Nachdem er gegenüber den Rettungskräften und einem Notarzt auf Brustschmerzen und Kribbeln in den Händen hingewiesen habe, sei er kollabiert. „Die sofort eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen blieben erfolglos, er verstarb am Abend auf der Intensivstation der Charité“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

„Hinweise auf todesursächliche äußere Gewalteinwirkung im Rahmen der Festnahme liegen nicht vor.“ Die Ermittlungen zur Todesursache seien aber noch nicht abgeschlossen.

„Querdenker“-Demo in Berlin: Polizei berichtet von 600 Festnahmen

Update vom 1. August, 22.10 Uhr: Trotz des Verbots mehrerer Demonstrationen auch aus der „Querdenker“-Szene sind in Berlin Tausende Menschen auf die Straße gegangen (siehe Ursprungsmeldung). Dabei kam es am Sonntag mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei. An der Siegessäule fuhren zwischenzeitlich Wasserwerfer auf. Wie Polizeisprecher Thilo Cablitz der rbb-„Abendschau“ sagte, habe es fast 600 Festnahmen gegeben. Es seien um die 5000 Teilnehmer gewesen. Sie hätten stadtweit immer wieder versucht, sich zusammenzufinden.

Am Abend versammelten sich zahlreiche Menschen auf dem Alexanderplatz und wurden von der Polizei aufgefordert, den Platz zu verlassen. Es war zu beobachten, dass die Polizei einzelne Menschen festhielt und wegführte.

Verbotene Versammlungen in Berlin: Polizei erteilt Platzverweise und fertigt Anzeigen

Update vom 1. August, 17.46 Uhr: Bei den Demos in Berlin (siehe Erstmeldung) sind mehrere Menschen festgenommen worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Die Einsatzkräfte hätten außerdem Platzverweise erteilt, Personalien aufgenommen und Anzeigen gefertigt. Die Teilnahme an einer verbotenen Versammlung sei eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 1000 Euro Bußgeld bestraft werden könne.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden rund 500 Menschen festgenommen oder vorübergehend festgesetzt, um Personalien aufzunehmen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. In verschiedenen Stadtteilen kreisten Hubschrauber, weil sich „Querdenker“-Gruppen in der Hauptstadt verstreut hatten.

Nach Polizeiangaben gab es immer wieder Versuche, Absperrungen zu durchbrechen. „Hierbei musste in einzelnen Fällen körperliche Gewalt angewendet werden“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Berliner Polizei hatte die Kundgebung und eine Reihe anderer Proteste zuvor verboten, weil sie Verstöße gegen die Corona-Hygieneauflagen befürchtete.

Zusammenstöße in Berlin: Auch Polizisten laut einem Sprecher verletzt

Die Gruppen hätten sich stadtweit immer wieder zusammengefunden - das „Aggressionspotenzial“ habe variiert, sagte der Polizeisprecher der dpa. Es seien auch Polizisten verletzt worden - eine genaue Zahl und weitere Details nannte er jedoch nicht. Die Polizei setzte nach Angaben bei Twitter auch Reizstoff und Schlagstöcke ein. Die Menschen protestierten in verschiedenen Gruppen und forderten etwa „Schluss mit der Corona-Diktatur“, hielten Transparente wie „Kein Test: keine Pandemie“ oder sprachen sich gegen die Leugnung des Coronavirus aus.

Auf mehrere hundert Menschen werden die Teilnehmer der Demo gegen die Corona-Maßnahmen aktuell beziffert. Dabei seien Absperrungen ignoriert und teilweise überrannt und Einsatzkräfte angegriffen worden, erklärte die Polizei. Demonstrierende hätten versucht, die Polizeikette zu durchbrechen und Beamte herauszuziehen. Am Großen Stern drohte die Polizei demnach mit einem Wasserwerfer. Nach drei Lautsprecherdurchsagen löse sich die Versammlung dort auf, hieß es weiter.

Trotz Demo-Verbots: Hunderte protestieren in Berlin gegen Corona-Maßnahmen

Unsere Ursprungsmeldung: Berlin - Es hätte ein Demo-reiches Wochenende werden können in Berlin. Doch zahlreiche der angekündigten Kundgebungen waren abgesagt worden, weil das Hygienekonzept der Veranstalter nicht überzeugte und mit diversen Verstößen gegen die Corona*-Maßnahmen gerechnet wurde. Trotz allem rüstete sich die Polizei für mögliche Zusammenstöße mit Gegnern der aktuell geltenden Einschränkungen.

2250 Einsätzkräfte wurden aufgeboten, um die übrigen Versammlungen zu schützen. Unter anderem hatten sie einen Autokorso auf dem Olympischen Platz im Blick, auf dem „die uneingeschränkte Wiederherstellung des Demonstrationsrechts Art. 8 GG“ gefordert wurde.

Polizei zeigt Präsenz: Die Beamten umstellen einen Bus mitten in Berlin.

Ausschreitungen in Berlin: Polizei setzt „Reizstoff, Schlagstock und körperliche Gewalt“ ein

Schon zu Beginn wies die Polizei darauf hin, dass auch in den Fahrzeugen Hygieneregeln eingehalten werden müssen. Andernfalls würden Platzverweise ausgesprochen. Allerdings hatten sich laut Bild 1500 Querdenker unter die Demo-Teilnehmer gemischt. Bereits am Vormittag kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

In der Länderallee wurden die Einsatzkräfte demnach bedrängt und attackiert. Protestler sollen versucht haben, die Polizeikette zu durchbrechen und Mitglieder herauszuziehen. „Es kommt zum Einsatz von Reizstoff, Schlagstock und körperlicher Gewalt“, teilten die Beamten via Twitter mit.

Schwer aufgefahren: Die Polizei rüstete sich mit Wasserwerfern.

Ausschreitungen in Berlin: Polizei beschlagnahmte Bus mit Querdenkern

Heikel wurde es gegen Mittag auch in der Reichsstraße, wo sich verbotenerweise eine Ersatzversammlung bildete - auch hier wurde gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Es hagelte Platzverweise und Anzeigen. Ein Bus, in dem Querdenker angereist sein sollen, sei nach Bild-Informationen beschlagnahmt worden.

Die Polizei betonte, dass Verstöße gegen das Versammlungsfreiheitsgesetz mit bis zu 1000 Euro Geldbuße bestraft werden können. Auch ein Hubschrauber stieg auf, um die Lage im Westen der Stadt besser überschauen zu können. Die Protestler sollen sich in Gruppen an verschiedenen Orten versammelt haben. Es kam zu Festnahmen, zumal auch Absperrungen ignoriert und sogar überrannt wurden.

Nicht zimperlich: Die Polizeikräfte griffen hart durch gegen die Protestler.

Um der Situation Herr zu werden, setzte die Polizei auch auf Wasserwerfer und einen Räumpanzer. Tausende Menschen seien rund um den Mittag im Stadtgebiet unterwegs gewesen, hieß es. (mg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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