1. Startseite
  2. Politik

Lauterbach macht Vorschlag zu neuer Corona-Testregel - doch das nächste Hickhack könnte schon drohen

Erstellt:

Von: Florian Naumann

Kommentare

Omikron bereitet Virologen Sorgen. Doch vorerst denkt Neu-Minister Karl Lauterbach an Lockerungen für Geboosterte. Droht das nächste Corona-Hickhack?

Berlin/Hannover - Die Omikron-Variante könnte die Corona-Lage in Deutschland noch einmal komplett verändern* - vor allem, falls sich der Verdacht bewahrheitet, dass die Mutante die Wirkung von Impfungen spürbar herabsetzt. Dennoch denkt die Politik aktuell an Erleichterungen für Dreifach-Geimpfte: Die Gesundheitsminister der Länder wollen kommende Woche über einen bundesweiten Wegfall der 2G-Plus-Testpflichten für diese vergleichsweise gut geschützte Gruppe verhandeln.

Corona-Impfung und die Ampel: Lauterbach macht 2G-Plus-Vorschlag - Söders Minister will Tempo

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)* bereitet dazu bereits einen Vorschlag vor. Das bestätigte ein Sprecher des Ressorts am Sonntag (12. Dezember). Details seien dann noch zu besprechen.

Aus Bayern kommt bereits Zustimmung. Lauterbachs Amtskollege im Freistaat, Klaus Holetschek (CSU), sagte der Bild am Sonntag: „Wir Länder brauchen schnell Klarheit, ob und ab wann für dreimal Geimpfte die Testpflicht entfallen kann.“ Ein Wegfall der Testpflicht sei „nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern liefert auch einen zusätzlichen Impfanreiz“.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich offen für die Regelung. Soweit er das beurteilen könne, wiesen Dreifach-Geimpfte „ein sehr geringes Risiko“ auf, sagte Weil am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Auf dieser Grundlage ist es dann auch wirklich gut vertretbar, wegen eines wesentlich geringeren Infektionsrisikos zu sagen, wer dreimal geimpft ist, der muss dann auch nicht mehr getestet werden“, fügte der Landeschef hinzu. Er sei aber immer sehr offen für „bessere Erkenntnisse“.

Omikron: Politik setzt auf Impfanreiz - doch es gibt große Sorgen

Der von Holetschek angesprochene „Impfanreiz“ könnte der eigentliche Kernpunkt des Vorstoßes sein. Doch es gibt auch Probleme. Ganz praktisch etwa die Frage, ob ein erfolgreicher Anreiz angesichts der Impf-Infrastruktur derzeit überhaupt zum Tragen kommen könnte. Wenn sich die Bundesregierung angesichts der Omikron-Variante für schnelles Boostern entscheide, brauche man auch „viel mehr Impfstoff vor Ort“, warnte etwa Städtetags-Geschäftsführer Helmut Dedy in der Süddeutschen Zeitung.

Möglicherweise noch wichtiger: Wie gut eine Booster-Impfung gegen eine Infektion mit und eine Weitergabe der neuen Omikron-Variante schützt, wird derzeit in der Wissenschaft noch debattiert. Israelische Forscher hätten festgestellt, dass eine Dreifachimpfung mit dem Vakzin von Biontech einen „signifikanten Schutz“ gegen die Omikron-Variante bietet, berichtete zuletzt die Jerusalem Post. Allerdings nehme die neutralisierende Wirkung des Biontech-Corona-Impfstoffs im Vergleich zur Delta-Variante ab und sei viermal geringer.

Karl Lauterbach (li.) und Kanzler Olaf Scholz am Samstag beim SPD-Parteitag.
Karl Lauterbach (li.) und Kanzler Olaf Scholz am Samstag beim SPD-Parteitag. © Hannibal Hanschke/AFP

Corona-Boosterimpfung: Drosten plädiert eindringlich für Drittpieks - doch wie groß ist der Schutz vor der Weitergabe?

Die Virologin Sandra Ciesek betonte unter Verweis auf erste, kleine Datensätze aus Deutschland, auch drei Impfdosen schützten möglicherweise nicht vor Infektion und symptomatischem Verlauf* - zugleich sei keine der sieben beobachteten Personen Opfer eines schweren Verlaufs geworden. Eine Dritt-Impfung dürfte also stark angeraten bleiben, wie auch Cieseks Kollege Christian Drosten in den ARD-“Tagesthemen“ erklärte*. Fraglich scheint aber, ob tatsächlich der Verzicht auf Testpflichten für Geboosterte sinnvoll und mit Blick auf Omikron vorausschauend ist. Schließlich soll 2G-Plus auch für eine erhöhte Sicherheit bei Treffen und Veranstaltungen sorgen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte. „Deutsche Politik scheint aus Erfahrung nicht klug zu werden. Noch Anfang des Jahres hieß es, zwei Impfungen und das Virus ist besiegt. Das war eine gewaltige Fehlentscheidung“, sagte Vorstand Eugen Brysch am Sonntag der dpa. „Jetzt sollen bei dreimal geimpften Menschen die Tests fallen. Dabei setzt die Omikron-Virusvariante gerade erst zum großen Sprung an. Dafür angepasste Vakzine gibt es noch gar nicht. Es wird also eine vierte Impfkampagne geben müssen.“

Mehrere Bundesländer prüfen aktuell jedenfalls bereits Ausnahmen von der Testpflicht für Geboosterte, wie am Wochenende das Portal Business Insider berichtete. Andere haben bereits Fakten geschaffen, etwa Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und auch Weils Bundesland Niedersachsen. In einem anderen Kontext möchte der SPD-Politiker hingegen betont vorsichtig bleiben: Er verteidigte in der ARD am Sonntag seinen Vorstoß für eine Weihnachtsruhe. „Wir wissen einfach aus Erfahrung, dass Festtage gute Gelegenheit sind, für das Virus“, sagte er. Der Anfang des Jahres werde so oder so „sehr anstrengend“ werden.

Booster-Stress in der App: Ministerium hofft auf baldigen Wink von Lauterbach

Auf ein weiteres konkretes Problem mit den angedachten Erleichterungen nach Booster-Impfungen wies zuletzt auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Bericht hin: Das reine Scannen des QR-Codes in der Cov-Pass-App gibt aktuell keinen Aufschluss darüber, ob eine Person drittgeimpft ist - kontrollierte Personen müssen händisch Einblick in ihre konkreten Impfdaten geben; ein Schritt der eigentlich vermieden werden sollte.

„Der Nachweis der Boosterung muss derzeit analog erbracht werden“, bestätigte das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium auf Anfrage des Blattes. Probleme gibt es zudem für Menschen, die zunächst mit Johnson & Johnson* und entsprechend nur einmal geimpft worden waren - und in deren Fall die Zweitimpfung bereits der Booster ist. Das wird selbst bei genauerem Blick in die App nur umständlich klar. Nach Angaben der Mainzer Behörde muss zunächst das Haus von Neu-Minister Lauterbach handeln, ehe es Besserung beim App-Chaos gibt.

Nötig sei eine Entscheidung, wie lange der Status als „vollständig geimpft“ anhält. „Von dieser Regelung ist abhängig, dass die QR-Codes rechtssicher anzeigen können, welche Berechtigung man in möglichen Szenarien von 2 G über 2-G-plus bis 3 G hat“, hieß es. Abzuwarten bleibt freilich auch, was die Gesundheitsminister in Sachen Testpflichten für Geboosterte beschließen - und wie lange der Beschluss dann auch nach der zu erwartenden Vorherrschaft von Omikron Bestand hat. (fn/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare