Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit war zu Gast bei „Hart aber fair“.
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Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit war zu Gast bei „Hart aber fair“.

Corona-Talk

Virologe bei „Hart aber fair“ schwört Deutsche ein: „Langer Zeitraum der Entbehrung“

Frank Plasberg diskutiert im Ersten die Coronakrise. Die Experten in der Runde stellen beunruhigende Prognosen. Minister Peter Altmaier räumt eine Fehleinschätzung ein.

  • Das Coronavirus* beschäftigt die Menschen in Deutschland - und ist auch in den Polit-Talkshows Thema.
  • Bei „Hart aber fair extra“ am Montag im Ersten mangelte es nicht an Warnungen und Mahnungen.
  • Die Rede war von einem „langen Zeitraum der Entbehrung“. Auch Verstaatlichungen großer Konzerne schienen einer Expertin möglich.

Köln - Dass auch bei den Polit-Talks nicht „business as usual“ herrscht, war bei der montäglichen Ausgabe von „Hart aber fair“ von Anfang an spürbar: Nicht nur, dass die ARD-Sendung von Frank Plasberg bereits um 20.15 Uhr als „extra“ ausgestrahlt wurde - die Diskutanten standen auch in deutlich größeren Abständen als üblich an den Pulten - „weil man das in Zeiten von Corona so macht“, erklärte Plasberg den Zuschauern. Kurz zuvor hatte die Bundesregierung drastische Notfallmaßnahmen angekündigt.

„Hart aber fair“ (ARD): Altmaier räumt Fehleinschätzung ein

Und auch der erste Wortbeitrag zum Thema Coronavirus-Krise hatte es direkt in sich: "Die Bevölkerung muss sich auf einen langen Zeitraum der Entbehrung und des Kampfes einstellen“, warnte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Wir haben das möglicherweise am Anfang alle zusammen unterschätzt“, räumte er ein. Auf ein plötzliches Ende der Einschränkungen will er nicht hoffen. „Es wäre verantwortungslos, zu sagen, in zehn Tagen, in vierzehn Tagen ist der ganze Spuk vorbei“, warnte er.

Am Mittwochabend (18.03.) will sich Angela Merkel mit einer Fernsehansprache an die Bürger richten.

Coronavirus-Talk bei „Hart aber fair“: Börsenexpertin warnt vor tiefgreifendem Umbruch

Massive Probleme bestätigten die Talk-Teilnehmer auch in Sachen Wirtschaft. „Da kommt eine Volkswirtschaft, die auf Konsum basiert, nahezu zum Erliegen“, sagte ARD-Börsenexpertin Anja Kohl angesichts von Ladenschließungen und Börsenturbulenzen. „Wenn wir jetzt keine Antwort auf diese Krise haben, dann läuft das womöglich alles davon“.

„Die USA werden das nächste Notstandsgebiet“, warnte Kohl später in der Sendung. Sie riet Anlegern allerdings zugleich, ihre Aktien nicht zu verkaufen - bis zum Verkauf sei der Kursverlust „nur im Kopf“, nicht aber auf dem Konto realisiert. Allerdings: Die Krise könne die Struktur der deutschen Wirtschaft für immer ändern. 

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„Wir sind in einer Situation, die habe ich in ganzen 35 Jahren in diesem Gewerbe noch nicht erlebt“, klagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA in Nordrhein-Westfalen, Bernd Niemeier. Aktuell habe er lediglich zwölf Gäste in seinem Hotel, berichtete er auf Nachfrage Plasbergs.

„Hart aber fair“ im Ersten: Wirtschaftskrise wegen Corona - Kommen bald die ersten Verstaatlichungen?

Altmaier erklärte weiter, es müsse nun unter anderem Handwerkern geholfen werden, die durch die Ladenschließungen ihr Geschäftsmodell verlieren - das wolle die Bundesregierung ohne Wenn und Aber tun. Kohl wagte angesichts dieses Versprechens aber auch einen optimistischen Ausblick: „Die Bundesrepublik ist in einer sehr guten Ausgangssituation, die Schuldenstände sind niedrig.“

Temporäre Verstaatlichungen könnten allerdings auch Großkonzerne betreffen, warnte Kohl an anderer Stelle. Nötig sei ein Corona-Fonds, weil Firmen nicht den Spielraum haben, um finanzielle Probleme zu überbrücken. An Wirtschaftsvertreter mit einer bestimmten Einstellung richtete ein ARD-Kommentar jetzt eine eindringliche Mahnung.

Coronavirus und die sozialen Folgen: Plasberg grätscht dazwischen - „Bevor Sie‘s verherrlichen ...“

In den Blick nahm die „Hart aber fair“-Runde aber auch die soziale Dimension der Misere. „Wir werden uns alle ganz anders kennenlernen“, erklärte die Psychologin Ulrike Scheuermann - „bevor Sie‘s verherrlichen ...“, grätschte Plasberg dazwischen und betonte, in Familien könne es in dieser Ausnahmesituation auch einmal krachen. „Da kann es auch mal krachen“, räumte Scheuermann daraufhin ein.

Schmidt-Chanasit verteidigte an anderer Stelle Besuchseinschränkungen etwa in Altenheimen. Der Virologe erklärte zugleich aber auch: „In Ausnahmefällen sollte ein Besuch weiterhin möglich sein“ - und sei auch möglich, wenn man sich an die nötigen Schutzmaßnahmen halte.

Coronavirus im ARD-Talk „Hart aber fair“: Virologe erteilt wichtigen Ratschlag

Einen wichtigen konkreten Ratschlag erteilte der Experte Pendlern und anderen Menschen, die sich im öffentlichen Raum bewegen müssen. Klinken, Knöpfe und dergleichen fasse man am besten gar nicht an. „Und wenn ich einen Knopf drücken muss, dann nehme ich ein Papiertaschentuch, das ich dann im Anschluss wegschmeiße. 

Berichte, Coronaviren könnten über Tage auf Oberflächen überleben, relativierte er. Solche Zahlen kämen unter Laborbedingen zustande, erklärte Schmidt-Chanasit. Auszugehen sei eher nicht von mehreren Tagen Überlebensdauer der Erreger, sondern „wenigen Minuten oder wenigen Stunden“. Wichtig sei es dennoch, sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen. Eine machbare Regel, fand Schmidt-Chanasit: „Manchmal gibt es unbewusste Reaktionen - aber im Normalfall hat man das im Griff“.

Altmaier bemühte sich unterdessen auch um einen positiven Blick auf das Geschehen - den allerdings womöglich nicht alle Betroffenen teilen werden. Es handle sich „auch um eine Chance für viele Menschen“, erklärte der Minister, „vieles andere zu tun, was man sonst nie getan hat. Deshalb dürfen wir das ganze auch nicht nur als Einschränkung von Freiheit sehen.“

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Coronavirus lieferte außerdem eine Studie aus China, bei der an Rhesusaffen die Immunität gegen das Virus getestet wurde. Im „heute Journal“ verdeutlicht Moderator Claus Kleber in einer 90-sekündigen Rede den Ernst der Lage und erklärt, warum wir jetzt besser zu Hause bleiben sollten.

Auch interessant: Keine Panik, nur Fakten: So gefährlich ist das Coronavirus tatsächlich für uns. Weiter Fakten und Verhaltenstipps angesichts der Coronavirus-Ausbreitung sehen Sie auch im nachfolgenden Video.

Angela Merkel richtet sich am Mittwochabend in einer Fernsehansprache mit Informationen zum Coronavirus* an die Bevölkerung, Merkur.de* berichtet ausführlich. Thema ist das Coronavirus auch am Sonntagabend im TV-Talk von Anne Will.

fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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