Pandemie

„Nicht hinnehmbarer Blindflug“ - Mediziner fordern Corona-Monitoring in Kliniken

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Angesichts der rasant ansteigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen dringen Mediziner auf ein umfassendes Corona-Monitoring in Krankenhäusern.

Düsseldorf/Frankfurt - Ausgehend von der Zahl der Neuinfektionen spitzt sich die Corona-Lage* in Deutschland weiter zu. Am Samstag (15.01.2022)* meldete das Robert Koch-Institut einen Inzidenzwert von 497,1 - und damit erneut einen Höchstwert. Der bisherige von 470,6 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen war einen Tag zuvor am Freitag gemeldet worden. 

Angesichts dieser Entwicklung fordert nun der Intensivmediziner Christian Karagiannidis eine bessere Erfassung von Corona-Patienten in Krankenhäusern. „Besonders dramatisch kann in Deutschland die Lage auf den Normalstationen werden, wenn die Fallzahlen weiterhin so durch die Decke gehen“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) der Rheinischen Post (Samstag).

Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) gerät in der Corona-Pandemie ins Schlingern.

Corona-Lage in Deutschland: Corona-Infizierte besser erfassen

„Wir brauchen endlich ein Monitoring, das wie das Intensivregister zuverlässig die mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erfasst. Bislang ist das ein nicht hinnehmbarer Blindflug, den wir uns nicht länger leisten können.“ Die Ampelkoalition müsse schnell Abhilfe leisten, ergänzte Karagiannidis.

Bisher schlug sich die Omikron-Welle* in Deutschland noch nicht auf den Intensivstationen nieder. Die Zahl der dort behandelten Corona-Infizierten sank nach jüngsten Divi-Daten erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3000er-Marke. Auch bei den gemeldeten Erstaufnahmen wegen Covid-19 ist der Trend rückläufig. Expert:innen sehen aber noch keinen Grund zur Entwarnung, unter anderem wegen offener Fragen zu Omikron und einer erwarteten weiteren Zunahme der Ansteckungen.

Corona-Variante Omikron: Vor allem unter 35-Jährige infiziert

Divi-Präsident Gernot Marx sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag), dass derzeit vor allem Menschen unter 35 Jahren mit Omikron infiziert seien. „Diese bilden deutlich seltener einen schweren Verlauf aus als ältere Menschen, sind also noch nicht oder nur vereinzelt Patienten auf unseren Intensivstationen.“

Erwartet wird Marx zufolge, dass gegenüber der Delta-Variante, bei der etwa 0,8 Prozent aller Infizierten intensivmedizinisch versorgt werden mussten, deutlich weniger positiv Getestete einen so schweren Verlauf nehmen. „Sollten die Inzidenzen durch die sehr schnelle Verbreitung stark ansteigen, ist das dann natürlich trotzdem ein Problem“, warnte er. (ktho/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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