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Das Entlastungspaket ist ein zukunftsweisendes Verkehrsexperiment

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Von: Christiane Warnecke

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Engpässe an Zapfsäulen wären verantwortungslos

Vom 1. Juni an können Pendler endlich mal wieder aufatmen - wenn auch nur für drei Monate. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, profitiert vom Neun-Euro-Ticket, und Autofahrer müssen beim Tanken nicht mehr ganz so schwindelerregend hohe Preise zahlen. Obwohl sich die Bundesländer darüber beschweren, dass der Bund nur die Einnahmeausfälle für die günstigeren ÖPNV-Tickets ausgleicht, nicht aber die Kosten für den Einsatz zusätzlicher Busse und Züge, wollte gestern im Bundesrat kein Ministerpräsident die Spaßbremse sein. So wurde das Entlastungspaket der Bundesregierung durchgewunken - wenn auch von einigen nur zähneknirschend. Alles andere wäre den Menschen auch nicht zu vermitteln gewesen.

Tatsächlich ist der ÖPNV jetzt in aller Munde, wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte. Doch was der FDP-Politiker nicht erwähnte, ist das Risiko, dass es durchaus zu mehr Frust als Freude kommen könnte. Noch ist nämlich nicht absehbar, wie viele zusätzliche Kunden das Billig-Ticket nutzen werden. Gerade während der Urlaubszeit ist mit einer großen Nachfrage zu rechnen. Zumal das Ticket bundesweit genutzt werden kann. Auf einen Sitzplatz in Bus oder Bahn wird dann sicher nicht jeder Fahrgast hoffen dürfen. An mehr Stehplätze müssen wir uns aber ohnehin in Zukunft gewöhnen, denn anders wird die Verkehrswende nach Angaben der Verbände nicht zu schaffen sein. Wir stehen also vor einem großen Verkehrsexperiment, das zukunftsweisend sein kann. Denn es wird sich zeigen, ob es tatsächlich allein ein niedrigerer Preis ist, der mehr Menschen dazu bewegen könnte, aufs Auto zu verzichten.

Gleichzeitig wird aber auch das Tanken vorübergehend billiger. Die Tankstellenbranche warnt gar vor Engpässen in den ersten Juni-Tagen. Sie will wenig Vorrat anlegen, weil sie vor dem 1. Juni Treibstoffe selbst auch teurer einkaufen muss. Das aber wäre verantwortungslos. War die Branche doch bislang der große Gewinner der Krise. Sie verlangte zum Teil weit höhere Aufschläge von den Kunden, als es die Einkaufspreise erforderten. Die Kunden nun mit leeren Zapfsäulen zu frustrieren, wäre nicht zu rechtfertigen. Die Tankstellen müssen sich auf einen großen Ansturm einstellen. christiane.warnecke@fnp.de

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