Verbraucherpreise steigen zu Jahresbeginn kräftig an

Deutschland: Die Inflation ist zurück

  • schließen

Deutschlands Verbraucher müssen sich warm anziehen. Preisstabilität nahe der Nulllinie ist passé. Das Inflationsgespenst ist zurück. Knapp zwei Prozent beträgt die Teuerungsrate bundesweit. In Hessen erreichte die Inflationsrate im Januar bereits die Marke von 2,4 Prozent.

Nach einem überraschend kräftigen Sprung im Dezember sind die Verbraucherpreise in Deutschland zu Jahresbeginn noch kräftiger in die Höhe geschnellt. Im Januar legte das Preisniveau um 1,9 Prozent zu. Dies ist der höchste Wert seit Juli 2013. Damit kratzt die Inflation hierzulande an der von der EZB für den gesamten Währungsraum angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent. Im Dezember lag die Rate noch bei 1,7 Prozent.

Die schlechte Nachricht für Verbraucher: Das Leben in Deutschland wird teurer.

Für jeden Autofahrer im Geldbeutel spürbar und an den Preistafeln der Tankstellen weithin sichtbar ist der Preisschub für Kraftstoffe. Dieselpreise um einen Euro je Liter gehören ebenso der Vergangenheit an Superbenzin unter der 1,20-Euro-Schwelle.

Der Ölpreisanstieg der vergangenen Monate hat auch die Kosten für Heizöl nach oben katapultiert. Aktuell schlägt ein Liter mit rund 0,63 Euro zu Buche. Vor einem Jahr waren es bei Abnahme von 3500 bis 4500 Liter gerade 0,45 Euro. Wie seit Jahren üblich hat auch der öffentlich Nahverkehr seine Tarife „moderat angepasst“, wie es harmlos heißt. Der RMV erhöhte die Ticket-Preise um durchschnittlich 1,9 Prozent.

Auch bei Lebensmitteln ist ein deutlicher Preisauftrieb zu sehen. Die Packung Markenbutter ist längst nicht mehr für weniger als einen Euro zu haben. Gab es im Jahr 2016 immer wieder Aktionen mit Butter-Schnäppchen zu 0,99 Euro, hat sich der Eckwert inzwischen auf 1,29 Euro hoch geschraubt.

Teils ordentliche Erhöhungen gab es zum Jahreswechsel auch in Bäckereien. Das Roggenlaib kostet statt 5,00 nun 5,30 Euro – ein Plus von sechs Prozent.

Als besonders schmerzhaft empfinden die meisten Menschen den drastischen Anstieg der Mietpreise im Ballungsraum Rhein-Main. Verschont hat die Deutsche Post diesmal die Kunden: Der Standardbrief kostet unverändert 70 Cent.

Energie war im Januar um 5,8 Prozent teurer als vor Jahresfrist, teilte das Statistische Bundesamt mit. Steigende Energiepreise können den Konsum bremsen. Denn wenn Verbraucher mehr Geld fürs Tanken und Heizen ausgeben müssen, bleibt weniger Spielraum für andere Anschaffungen. Der Konsum war zuletzt die wichtigste Stütze für das deutsche Wirtschaftswachstum. Im Januar mussten Verbraucher – teils saisonbedingt – auch für Nahrungsmittel (plus 3,2 Prozent) und Dienstleistungen (plus 1,2 Prozent) tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor.

Ökonomieprofessor Lars Feld, der im wirtschaftspolitischen Beratergremium der Bundesregierung sitzt, bringt die Entwicklung auf den simplen Nenner: „Die Inflation in Deutschland ist zurück.“ Deswegen sollte die EZB seiner Ansicht nach schon ab diesem Frühjahr einen weiteren Rückgang ihrer Anleihenkäufe ankündigen. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hält solche Überlegungen jedoch für verfrüht. Er erwartet keine raschen Beschlüsse über ein Abschmelzen der billionenschweren Transaktionen.

Insbesondere viele deutsche Sparer stecken in einem Dilemma. Sie spüren die Nullzins-Politik der EZB. Da die Inflationsrate nun deutlich anzieht, verliert ihr Geld real an Wert. Guter Rat ist dabei teuer. Denn eine kleine Rendite ist heute nur mit risikoreichen Anlagen zu erzielen. Experten empfehlen meist Aktienfonds, ob als Aktien/Renten-Mix oder in Gestalt preiswerter ETF-Fonds. Aktuell befindet sich die Wertpapierbörse in guter Verfassung. Doch nach der fulminanten Jahresend-Rally könnte der Kursaufschwung kippen, meinen Analysten. Für Kleinanleger, die auf die sichere Karte setzen, eine schlimme Vorstellung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare