So wie hier in Stuttgart protestieren zahlreiche Bürger gegen die Feinstaubbelastung, für die in unseren Städten zu etwa 90 Prozent Dieselmotoren verantwortlich sind.
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So wie hier in Stuttgart protestieren zahlreiche Bürger gegen die Feinstaubbelastung, für die in unseren Städten zu etwa 90 Prozent Dieselmotoren verantwortlich sind.

Schadstoffe

Was Dieselabgas mit uns anrichtet

  • Peter Schmitt
    vonPeter Schmitt
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Es sind vor allem zwei Komponenten im Dieselabgas, um die es in der aktuellen Diskussion geht: feinste Partikel und Stickoxide. Die Partikel tragen zum Feinstaub bei, der wie die Stickoxide schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann. Am heutigen Donnerstag entscheidet das Bundesverwaltungsgericht Leipzig über Fahrverbote in Städten.

Feinstaub hat 2010 laut einer Studie der International Agency for Research on Cancer (IARC) zum vorzeitigen Tod von weltweit 3,2 Millionen Menschen weltweit geführt. Feinstaub sind Kleinstpartikel in der Atemluft, kleiner als 15 Mikrometer. Zum Vergleich: Ein menschliches Terminalhaar ist im Schnitt etwa 120 Mikrometer dick.

Feinstaub entsteht global zu 90 Prozent als das Ergebnis von Waldbränden, vulkanischen Aktivitäten, Pollenflug, aufgewirbeltem Sand, aber auch Aerosolen über Meeren und großen Seen. Dazu kommt der von Menschen produzierte Anteil aus Industrie und Haushalten – bei der Verbrennung in Motoren oder Heizungsanlagen und Kraftwerken. Die größeren Partikel im Feinstaub bestehen meist aus Ruß, der für sich schon als krebserregend gilt. Je kleiner aber die Partikel, umso gefährlicher sind sie für den Menschen.

Tückisch sind superkleine Teilchen mit einer Größe von unter 0,25 Mikrometer, weil sie vom Körper nicht abgefangen werden können und sofort in die Lunge eindringen. Sie bleiben dann nicht nur länger im Körper, wo sie Lungenkrebs verursachen können, manche dringen sogar in die Blutgefäße ein. Dort verändern sie mitunter die Fließeigenschaft des Blutes so, dass Arterien verstopft werden. Dann kann es zu Entzündungen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten kommen.

Der WWF hat als Hauptverursacher menschengemachten Feinstaubs die Kohlekraftwerke ausgemacht. Mit Abstand die größten Schadstoffmengen entstehen in Kraftwerken, die mit Braunkohle betrieben werden. Das Umweltbundesamt rechnet nach einer Statistik aus den Jahren 2007 bis 2012 mit 40 000 bis 50 000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr – wegen der Feinstaubbelastung. Davon sind 80 Prozent auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurückzuführen und 20 Prozent auf Lungenkrebs und Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

90 Prozent des Feinstaubs in Städten stammen jedoch von Fahrzeugen: Ruß, aufgewirbelter Dreck, Reifen-, Brems- und Kupplungsabrieb. An die eigentlichen Feinstaubpartikel heften sich andere Schadstoffe an, zum Beispiel Sulfate, Nitrite, Gase, Metalle, aber auch Pollen und Bakterien. Bekannt ist, dass sich zum Beispiel Pollen an Feinstaubpartikel heften und Asthmapatienten stärker quälen als Pollen allein.

Er verkürzt das Leben

Bei Feinstaub ist es wie mit allen potenziell krebserregenden Stoffen: Die Schädigung beginnt bereits bei minimaler Überschreitung des Nullwertes. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2013 verkürzt der Einfluss von Luftschadstoffen die mittlere Lebenserwartung in Europa um bis zu neun Monate.

Toxikologen sind sich allerdings einig: Tabakrauch in Innenräumen belastet den Körper mehr als der Feinstaub in unserer Atemluft. Um an die Konzentration einer einzigen Zigarette zu kommen, müsste ein Dieselmotor 1,5 Stunden durchlaufen. Ähnlich verhält es sich mit offenen Kaminen. Richtig gefährlich können auch Laserdrucker ohne Filter werden, da sie pro gedruckter Seite bis zu zwei Milliarden Partikel an die Luft blasen.

Der zweite gefährliche Stoff im Dieselabgas sind Stickoxide (NOX). Sie entstehen in Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle. Erst in Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die Hauptquelle für NOX. Das Umweltbundesamt (UBA) misst Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid zwischen 30 und 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, vereinzelt auch mehr. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit ist ein Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm/m³ festgelegt, der seit 2010 gilt.

Der Diesel produziert mehr Stickoxide als der Ottomotor, weil er mit Luftüberschuss und höheren Temperaturen verbrennt. Dafür verbraucht der Selbstzünder weniger Kraftstoff und stößt somit weniger Kohlendioxid aus als der Benziner. Gleichzeitig kann beim Diesel wegen des hohen Luftanteils bei der Verbrennung kein Dreiwegekatalysator wie beim Benziner verbaut werden.

Es genügen geringe Werte

Schädlich im Dieselabgas ist vor allem das Stickstoffdioxid, das NO2, das ein Reizgas ist. Der Mensch reagiert ab einer Konzentration von 100 ppm (Teilen pro Million) mit Husten und Halsschmerzen, später kommen Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen hinzu. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Lungenödem, zu Atem- oder Herz-Kreislauf-Versagen, Asthma oder COPD. Laut einer neuen Studie des UBA starben 2014 in Deutschland 6000 bis 8000 Menschen vorzeitig – an den Folgen von Stickstoffdioxid-Belastungen. Vorzeitige Todesfälle traten bereits ab einer längeren Konzentration von rund 10 Mikrogramm/m³ Luft auf. Demnach genügen bereits Mengen unterhalb des Grenzwerts – die längst auf ländlichem Gebiet erreicht werden.

Stickstoffmonoxid (NO), das ebenfalls bei der Verbrennung entsteht, kann an der Luft zu NO2 reagieren, aber nach dem Einatmen auch das sauerstoffbindende Hämoglobin im Blut verändern. Schließlich gelten Stickstoffoxide auch als Vorläufer des reizenden Ozons, das die Atemwege ebenfalls schädigt. Zudem wird auch NOX für die Entstehung von Kleinstpartikeln, also Feinstaub, verantwortlich gemacht.

Somit ist es ein Mix verschiedener Substanzen, deren Wechselwirkungen gar nicht ausreichend erforscht sind – vor allem bei den ultrafeinen Partikeln in unserer Atemluft. „Es ist schwer, zwischen NO2- und Feinstaub-Effekten zu unterscheiden, da die Schadstoffe sehr stark miteinander korrelieren und sich in der Außenluft aneinanderbinden“, so Dr. Tamara Schikowski, Arbeitsgruppenleiterin Umweltepidemiologie von Lunge, Gehirn und Hautalterung am Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf.

Sie hatte für das Experten-Netzwerk „science media center“ den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestags zum Abgas-Skandal kommentiert.

Ein wissenschaftliches Team um Susan Anenberg von der Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington kam 2017 zum Ergebnis: Weltweit sterben 107 000 Menschen jährlich an Stickoxiden und Stickstoffdioxiden durch Abgase aus Dieselmotoren. 38 000 Menschen würden weltweit weniger sterben, wenn unsere Autos die gesetzlichen Grenzwerte einhalten würden.

dfg f dgh tg

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