Kabarettist Dieter Nuhr steht auf der Bühne mit einem Mikrofon in der Hand
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Kabarettist Dieter Nuhr rechtfertigt sich gegen Rassismus-Vorwürfe.

Kabarettist mit polarisierenden Aussagen

Dieter Nuhr sorgt mit Aussage für Eklat - Komiker wehrt sich: „Kann ich nicht so stehen lassen“

Dieter Nuhr polarisiert gerne mit kernigen Aussagen. Einige seiner Worte haben aber nun einen handfesten Rassismus-Eklat verursacht. Der Komiker rechtfertigt sich.

München - Dieter Nuhr fliegen gerade seine eigenen Worte um die Ohren. Der Komiker hatte bei einem Auftritt eine falsche Behauptung aufgestellt und sich mit seiner Erklärung selbst ins Abseits gestellt. Aber der Reihe nach.

Bei einem Auftritt in seiner ARD-Sendung „Nur im Ersten“ am Donnerstag hatte der Comedian behauptet, das Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters sei „in den USA ein Riesenrenner“ gewesen. Nuhr habe es „auf dem Flughafen im Vorbeigehen wahrgenommen.“

„Das hätte mich vielleicht sogar interessiert, aber mir war der Titel ein bisschen zu rassistisch.“ Denn die Frau behaupte ernsthaft, als Weißer wäre man automatisch Rassist. Nuhr: „Diese Form der Scheinintellektualität einer arroganten Linken ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es so etwas wie Donald Trump* geben konnte.“

Dieter Nuhr korrigiert Falschaussage über Hasters-Buch

Jedoch: Es ist dort noch gar nicht erschienen. Nuhr korrigierte seine Falschaussage in einem YouTube-Video und postete auch einen Text auf Facebook. „Ich habe einen Fehler gemacht, als ich sagte ‚Dieses Buch war...‘ Ich wollte sagen: ‚Solche Bücher sind...‘ Diesen Fehler habe ich gemacht - und ihn selbstverständlich eingestanden, keine Frage.“

Nuhr holte weiter aus und wehrte sich dagegen, als rassistisch dargestellt zu werden. „Ich bin es gewohnt, etikettiert zu werden, aber nun werde ich auch noch bezichtigt, Rassist zu sein. Diesen Vorwurf kann ich selbstverständlich so nicht stehen lassen.“ 

Laut Nuhr funktioniert Diskriminierung in beide Richtungen. Er nannte das Beispiel, dass er als Weißer auch in Mali diskriminiert werden könne. Dass das nicht das Gleiche ist, wie in einem Land zu leben, in dem die Mehrheit privilegiert gegenüber der Minderheit ist, merkt er aber selbst an. Beharrt aber trotzdem darauf, dass das auch Rassismus sei. 

Der Komiker nannte den Buchtitel „reißerisch“, weil er „Weiße pauschal der Unwilligkeit“ bezichtige, bestimmte Dinge wahrnehmen zu wollen. Diesen Vorwurf aufgrund der Hautfarbe habe er „rassistisch“ genannt. Nuhr glaube nicht, „dass reißerische Buchüberschriften, deren Ziel das polarisierende Skandalisieren zum Zwecke der Verkaufsförderung ist, wie das beim Buch von Alice Hasters der Fall ist, dazu beitragen, die Verhältnisse zu ändern. Sie geben dies vor, führen aber im Ergebnis zu einer Verhärtung der Fronten.“

Buchautorin äußert sich bei Twitter über Nuhrs Thesen

Ihn störe, dass es heute einen „ideologisierten akademischen Prozess“ gebe. So werde ein gebräuchlicher Begriff wie Rassismus erst neu definiert („Weiße können aufgrund der Kolonialgeschichte keinen Rassismus erfahren“). Anderen werde dann vorgeworfen, sie hielten sich nicht an die Definition. Nuhr glaube, dass seine Verwendung des Begriffs diejenige des „Umgangssprachlichen“ sei – „und das ist die Sprache, die ich auf der Bühne spreche.“

Die Buchautorin Alice Hasters beteiligte sich an der Diskussion bei Twitter: „Ich habe nie behauptet, dass weiße Menschen rassistisch sind, weil sie weiß sind. Alle Menschen sind rassistisch sozialisiert, weiße Menschen sind durch Rassismus privilegiert. Das ist es, was sie oft nicht hören wollen, aber wissen sollten.“

Hasters weiter: „‚Weiß‘ ist, wie alle anderen Rassifizierungen auch, ein soziales Konstrukt und kein biologischer Fakt. Ob man in die Kategorie „weiß“ fällt, kann kontextabhängig sein. Auch ich kann in manchen Kontexten weiß sein. Dieter Nuhr ist in jedem Kontext weiß.“

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